Freitag, 26. Mai 2017
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Eine nachhaltige Energieversorgung kommt den Zielen Versorgungssicherheit, Wirtschaftlichkeit und Umweltverträglichkeit gleichermaßen nach. Gegenwärtig gibt es keinen Energieträger, der alle Kriterien zugleich erfüllen könnte. Daher ist es richtig, die Vor- und Nachteile der Erzeugungstechniken entsprechend der jeweiligen Strukturen in den Ländern ausgewogen zu kombinieren.

Im Jahr 1995, also vor gut 20 Jahren, hat Shell in der Studie „Energie im 21. Jahrhundert – Betrachtungen zur Entwicklung des Welt-Energieverbrauchs“ ein Szenario vorgestellt, wie sich die Weltenergieversorgung langfristig darstellen könnte. Einige wichtige Grundtendenzen werden darin qualitativ und quantitativ aufgezeigt, z. B. dass der Energieverbrauch wächst, das System diverser wird und Mobilität und Strom stark mit Wohlstand korrelieren. Doch wieviele der prognostizierten Entwicklungen sind Wirklichkeit geworden? Der Artikel zieht den Vergleich zwischen der damaligen Studie und dem aktuellen BP Energy Outlook, um die Differenz zwischen Erwartung und Realität aufzuzeigen.

Thermische Kraftwerke bleiben unersetzlich

Die durch thermische Kraftwerke gewährleistete Versorgungssicherheit in Deutschland ist ein Geschenk der Vergangenheit. Es wäre vorschnell und sachfremd, neben der Kernkraft auch die Kohlenkraftwerke stilllegen zu wollen, wie in der politischen Diskussion oft gefordert wird. Kein Industrieland, das über ähnlich geringe Gas- oder Ölvorräte wie Deutschland verfügt, versucht auf Kohle und Kernkraft gleichzeitig zu verzichten, um als einzige konventionelle Option auf Erdgas zu setzen. Das sollte man bedenken, wenn in Deutschland wieder über Ausstiegspläne debattiert wird.

Der Preisabstand (Spread) zwischen Kraftwerkskohle und Erdgas stieg seit 1999 stark an. Dieser Gap erreichte in 2013 mit 171 €/t SKE seinen Höchststand. Vielfach wurden höhere CO2-Preise gefordert, um den Gaseinsatz im Stromsektor zu fördern. Doch inzwischen zeigt sich, dass fallende Gaspreise zu einer wachsenden Wettbewerbsfähigkeit von Erdgas führen. Interventionen in das EU-ETS oder auf nationaler Ebene mit dem Ziel, den Gaseinsatz im Stromsektor zu fördern, machen daher keinen Sinn und würden lediglich den Wettbewerbsdruck auf die Gasproduzenten mindern sowie für diese zu einer Monopolrente führen.

Versorgungssicherheit – eine weitgehend nationale Aufgabe!

„Versorgungssicherheit wird europäisch gewährleistet“, so heißt es im Impulspapier „Strom 2030 – Langfristige Trends, Aufgaben für die kommenden Jahre“ des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie (BMWi). Aber kann der europäische Binnenmarkt für Strom die Lösung für die Aufrechterhaltung der Versorgungssicherheit in Deutschland sein? Diese Frage stellt sich insbesondere bei hohen Netzlasten, so bei Kälte und Dunkelflaute.

Das BMWi hat Mitte September das Impulspapier „Strom 2030 – Langfristige Trends – Aufgaben für die kommenden Jahre“ veröffentlicht. Ziel ist es festzustellen, was innerhalb dieses Zeitrahmens zu tun ist. In zwölf Trends wird die Entwicklung des Strommarktes in Deutschland im Zeithorizont 2030 beschrieben und zur Diskussion gestellt.

Sicher verfügbare Erzeugungsleistung wird knapp

Mit der EEG-Reform 2016 hat der Gesetzgeber einen Ausbaupfad für erneuerbare Energien definiert. Der Schwerpunkt liegt auf Wind- und Photovoltaikanlagen, die allerdings kaum Versorgungssicherheit gewährleisten, da deren Einspeisung stark schwankt und zeitweise nahe Null liegt. Interessant sind in diesem Zusammenhang die Annahmen der Bundesnetzagentur zur energiewirtschaftlichen Entwicklung in dem im Juni 2016 genehmigten Szenariorahmen für die Netzentwicklungspläne Strom 2017–2030. Es stellt sich unmittelbar die Frage: Wenn die sicher verfügbare Erzeugungsleistung knapp wird, wie steht es dann perspektivisch um die Versorgungssicherheit?

Bei der Frage, wie es in Deutschland gelingen soll, bis zum Jahr 2050 weitestgehend CO2-frei zu sein, muss man sich bewusst machen, dass alle CO2-Emissionen, ganz egal auf welcher Stufe sie entstehen, zu guter Letzt dem Konsum zuzuordnen sind. Es geht also nicht nur um die energiebedingten Emissionen, sondern auch um Fragen wie Ernährung und Freizeit und damit mittelbar u. a. um die Landnutzung und unser Konsumverhalten. Das bedeutet, dass unser Lebensstil untrennbar mit der CO2-Minderung verbunden ist.

Was ist der geeignete Maßstab für den Erfolg der Energiewende?

Am Mittwoch, den 11.5.2016 meldete die Nachrichtenagentur AFP, dass der Anteil erneuerbarer Energien in Deutschlands Stromnutzung am Muttertag einen neuen Rekordwert erreicht habe. An diesem Sonntag wurden zeitweise 87,6 % des Strombedarfs mit Ökostrom gedeckt, wie aus einer Auswertung der Initiative Agora Energiewende hervorgeht. Nie zuvor wurde demnach in Deutschland ein so hoher Wert erreicht. Doch ist das eine wirkliche Erfolgsmeldung? Eine genauere Betrachtung zeigt, dass neben dem Ausbau der Erneuerbaren auch der Netzausbau und die Vorhaltung gesicherter Kapazitäten nicht vernachlässigt werden darf.

Die Energiewende ist in voller Fahrt – zumindest könnte man dies denken, wenn man lediglich auf die Rate schaut, mit der die erneuerbaren Energien innerhalb der deutschen Energielandschaft ausgebaut werden. Doch es gibt ein Problem: Der Netzausbau kann mit dem Zuwachs der Erneuerbaren nicht mithalten. Das deutsche Stromnetz steht unter zunehmender Anspannung. Und damit zeigt sich, dass das Tempo des EE-Zubaus kein vernünftiger Maßstab sein kann, um den Fortschritt der Energiewende zu bewerten.

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