Montag, 20. November 2017
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Berlins regierender Bürgermeister, Michael Müller, gibt sich umweltfreundlich und erklärt, die Bundeshauptstadt komme seit der Umstellung des Kraftwerks Klingenberg im Stadtteil Rummelsburg von Braunkohle auf Erdgas im Mai 2017 ohne Braunkohle aus. Tatsächlich bleibt aber Kohle für Berlin der wichtigste Energieträger in der Stromversorgung.

Die unabhängige Experten-Kommission, die den Monitoring-Prozess zur Energiewende begleitet, empfiehlt der Bundesregierung zu prüfen, warum mehrere energie- und klimapolitische Ziele verfehlt werden könnten. Eine solche Analyse liefert wichtige Erkenntnisse für eine erfolgreiche Weiterentwicklung der Energiepolitik bis 2030 und darüber hinaus. Die Experten-Kommission hat in ihrer Stellungnahme mehrere Ursachen für eine Abweichung von den anvisierten Zielen für 2020 festgestellt und unterscheidet dabei zwischen exogenen Gründen, die von der Politik nicht beeinflussbar sind, und endogenen Gründen.

Nicht die Leistung ist entscheidend für die Versorgungssicherheit, sondern die Arbeit!

Die installierte Leistung erneuerbarer Energien ist im Jahr 2016 auf gut 104 Gigawatt (GW) ausgebaut worden und machte damit erstmals die Hälfte der gesamten Stromerzeugungskapazität in Deutschland aus. Steuert Deutschland nun auf gewaltige Überkapazitäten zu? Im Folgenden soll die Differenz zwischen Leistung und Arbeit sowie deren Bedeutung für die Bewertung der Versorgungssicherheit näher betrachtet werden.

Der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) und das Zentrum für Sonnenenergie- und Wasserstoff-Forschung (ZSW) melden ein anhaltendes Wachstum bei den erneuerbare Energien für das 1. Quartal 2017 und werten dies als Erfolg der Energiewende im Strombereich. Sieht die Situation für die Versorgungssicherheit tatsächlich so rosig aus, wie die Zahlen es suggerieren?

Entwicklung der Treibhausgasemissionen darf nicht verzerrt dargestellt werden

Das Umweltbundesamt (UBA) hat bereits vor Veröffentlichung des offiziellen Verified Emissions Table (VET)-Berichts der Deutschen Emissionshandelsstelle (DEHSt) Zahlen zur Entwicklung der Treibhausgasemissionen veröffentlicht. Dennoch sind die dort veröffentlichten Zahlen mit einer gesunden Skepsis zu genießen. Insbesondere werden dem Emissionshandel unterstehende Bereiche unkommentiert neben solche Sektoren gestellt, die diesem nicht unterworfen sind. Insgesamt führt dies zu einer verschobenen Wahrnehmung der Emissionsproblematik, die im Folgenden kritisiert werden soll.

Deutschland hat sich auf verschiedenen Ebenen zu einer Minderung von Treibhausgasemissionen verpflichtet. Es besteht ein komplexes, zum Teil widersprüchliches Gebilde aus globalen, europäischen, nationalen und sogar regionalen Zielen. Was es jetzt braucht, ist Konsistenz und Klarheit innerhalb dieses Ziele- und Maßnahmenkonstrukts zu schaffen.

Stromerzeugungsstruktur in der EU

Eine nachhaltige Energieversorgung kommt den Zielen Versorgungssicherheit, Wirtschaftlichkeit und Umweltverträglichkeit gleichermaßen nach. Gegenwärtig gibt es keinen Energieträger, der alle Kriterien zugleich erfüllen könnte. Daher ist es richtig, die Vor- und Nachteile der Erzeugungstechniken entsprechend der jeweiligen Strukturen in den Ländern ausgewogen zu kombinieren.

Im Jahr 1995, also vor gut 20 Jahren, hat Shell in der Studie „Energie im 21. Jahrhundert – Betrachtungen zur Entwicklung des Welt-Energieverbrauchs“ ein Szenario vorgestellt, wie sich die Weltenergieversorgung langfristig darstellen könnte. Einige wichtige Grundtendenzen werden darin qualitativ und quantitativ aufgezeigt, z. B. dass der Energieverbrauch wächst, das System diverser wird und Mobilität und Strom stark mit Wohlstand korrelieren. Doch wieviele der prognostizierten Entwicklungen sind Wirklichkeit geworden? Der Artikel zieht den Vergleich zwischen der damaligen Studie und dem aktuellen BP Energy Outlook, um die Differenz zwischen Erwartung und Realität aufzuzeigen.

Thermische Kraftwerke bleiben unersetzlich

Die durch thermische Kraftwerke gewährleistete Versorgungssicherheit in Deutschland ist ein Geschenk der Vergangenheit. Es wäre vorschnell und sachfremd, neben der Kernkraft auch die Kohlenkraftwerke stilllegen zu wollen, wie in der politischen Diskussion oft gefordert wird. Kein Industrieland, das über ähnlich geringe Gas- oder Ölvorräte wie Deutschland verfügt, versucht auf Kohle und Kernkraft gleichzeitig zu verzichten, um als einzige konventionelle Option auf Erdgas zu setzen. Das sollte man bedenken, wenn in Deutschland wieder über Ausstiegspläne debattiert wird.

Der Preisabstand (Spread) zwischen Kraftwerkskohle und Erdgas stieg seit 1999 stark an. Dieser Gap erreichte in 2013 mit 171 €/t SKE seinen Höchststand. Vielfach wurden höhere CO2-Preise gefordert, um den Gaseinsatz im Stromsektor zu fördern. Doch inzwischen zeigt sich, dass fallende Gaspreise zu einer wachsenden Wettbewerbsfähigkeit von Erdgas führen. Interventionen in das EU-ETS oder auf nationaler Ebene mit dem Ziel, den Gaseinsatz im Stromsektor zu fördern, machen daher keinen Sinn und würden lediglich den Wettbewerbsdruck auf die Gasproduzenten mindern sowie für diese zu einer Monopolrente führen.

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