Freitag, 18. August 2017
-   Meinungen & Fakten

Entwicklung der Öl- und Gaspreise – Was sind die Auswirkungen auf den Strommarkt?

Viele Jahre stand die Ölpreisbindung von Erdgas in der Kritik. Es gab vielfältige Maßnahmen, um die Gasmärkte wettbewerbsorientierter zu gestalten. Für Gas wurden große Potenziale im Strommarkt gesehen, doch inzwischen ist klar, dass sich der Markt in der Realität anders entwickelt hat, als die Prognosen vorhergesagt hatten. Seit Ende 2014 sind die Ölpreise deutlich gefallen, die Gaspreise hingegen nicht. Interessant ist vor diesem Hintergrund die Frage, was die Entkopplung der Preisbindung für den deutschen Gasmarkt und die Debatte um einen Kohleausstieg bedeutet.

Während der Ölpreis im Juli 2014 bei 411 €/t SKE lag, betrug er im November 2015 nur noch 218 €/t SKE. Um dies zu veranschaulichen, muss man sich vor Augen halten, dass es sich um einen Preissturz um bald die Hälfte handelt. Betrachtet man für den gleichen Zeitraum die Preise für Importgas in Deutschland, zeigt sich, dass diese vergleichsweise moderat sinken. Im Juli 2014 lag der Preis für Importgas bei 193 €/t SKE, im November 2015 bei 167 €/t SKE (siehe Abb.) [1].

Global starke Unterschiede in Versorgungssituation und Preisverhältnissen

Global gesehen herrschen beim Erdgas starke Unterschiede in der Versorgungssituation und den Preisverhältnissen. In den USA ist das Erdgasangebot auf Grundlage einer breiten Ressourcenbasis hoch und wettbewerbsorientiert. Durch die nicht-konventionelle Erdgasförderung (Fracking) haben sich die Verhältnisse stark verändert. In den USA sind die Erdgaspreise in den vergangenen Jahren deutlich gesunken und lagen etwa halb so hoch wie in der EU.

Europa verfügt nur über geringe Erdgasreserven und importiert rund 65 % seines Bedarfs (Erdgasimportabhängigkeit Deutschlands ca. 90 %), das ganz überwiegend über Pipelines transportiert wird. Die Wettbewerbsintensität in Europa ist vergleichsweise niedrig, weil die großen Gaslieferanten (Russland, Norwegen, Nordafrika) gemeinsam marktbeherrschend sind. Würde der Bedarf an Erdgas in der EU oder Deutschland stark ansteigen, indem man bspw. aufgrund politischer Maßnahmen Kohle aus der Verstromung durch Erdgas verdrängt, wären vermutlich zunehmende LNG-Importe erforderlich. Gepaart mit der Marktmacht der bisherigen Pipelineanbieter sind in diesem Kontext eher Preissteigerungen als Preisrückgänge wahrscheinlich. Auf dem aktuellen Preisniveau bleibt Gas im Strommarkt ein Nischenanbieter.

Kohle ist seit Jahrzenten deutlich preiswerter als Öl und Gas. Die geringen Preisrisiken von Kohle sind auch im Betrachtungszeitraum Juli 2014 (62 €/t SKE) bis November 2015 (59 €/t SKE) erkennbar, wo der Importkohlepreis auf niedrigem Niveau verbleibt. Dementsprechend ist in Deutschland die Stromerzeugung auf Basis von Kohle eine tragende Säule (2015: 42 % Kohle, 9 % Erdgas, 14 % Kernenergie, 30 % Erneuerbare) [2].

Die Strompreise korrelieren in Deutschland und den Nachbarländern sehr eng mit den Kohle- und CO2-Preisen. Nicht zuletzt weil diese Preise tief sind, kostet Strom heute im Durchschnitt für die Industrie real nicht mehr als 1973.

Erdgaseinstieg ist keine Lösung

Der Energiemix bleibt das wirksamste Instrument zum Risikomanagement und Grundlage für einen wettbewerblichen Strommarkt. Deutschland steigt aus der Kernenergie aus und erhöht den Anteil der erneuerbaren Energien in einem sehr anspruchsvollen Tempo. Die gesicherte Verfügbarkeit, wirtschaftliche Aspekte und die Flexibilität von Kohlekraftwerken sprechen für einen Transformationspfad mit der Kohle. Der Erfolg der Energiewende hängt davon ab, ob die Kosten für den Ausbau der EE-Erzeugung, der Netze und die Integration eingegrenzt werden können. Eine vordergründige Debatte um einen vorzeitigen Kohleausstieg, der im Umkehrschluss einen Erdgaseinstieg bedeuten würde, verspricht keine Lösung, sondern eine Verschärfung der ohnehin angespannten Situation im deutschen Stromsystem.

Literatur

  1. Statistik der Kohlenwirtschaft e. V.  ↩

  2. www.ag-energiebilanzen.de: Bruttostromerzeugung in Deutschland ab 1990 nach Energieträgern  ↩

„et“-Redaktion

Diesen Artikel können Sie hier als PDF kostenlos downloaden.

-   Archiv Meinungen & Fakten
Skip Navigation Links.
Service
   Heftbestellung / Abo
   Termine
   „et“ online lesen
   Shop
   Verlagsverzeichnis
   Jahresinhalte
   Mediadaten
   "et" für Autoren
   Kontakt

Energiekarriere

Das neue Karrieremagazin energiekarriere jetzt kostenlos lesen!
Energiekarriere
Online lesen
Download als PDF


Sommer-Special 2017

Intelligente Energieinfrastruktur

Jahrgangs-CD

Suche

Aktuelles Heft
Inhalt der Ausgabe 8/2017
Schwerpunkt: E-Mobility
IT: Das Interimsmodell – Herausforderungen für die Marktteilnehmer
Elektromobilität: Green Fuels als Ergänzung; Koordinierung mit erneuerbaren Energien
Zukunftsfragen: Smart Energy zur Flexibilisierung und Verbrauchssenkung
mehr...
Tipps zur Navigation
Wussten Sie schon, dass Sie in jedem auf der Website vollständig veröffentlichten Artikel zum Fußnotentext springen können, indem sie auf den Fußnotenverweis [1] klicken? Von dort können sie wieder an die alte Position zurückkehren, wenn sie den Rückpfeil ↩ anwählen. Ebenso wird das entsprechende Bild im großen Format aufgerufen, wenn sie auf einen Abbildungsverweis (Abb. X) klicken.

  1. Dies ist der Text der Beispielfußnote. Klicken Sie auf den Pfeil hinter dem Text:  
 
EW Medien und Kongresse GmbH
Montebruchstraße 20 | D-45219 Essen | Telefon: +49 (02054) 9532-0 | Telefax:  +49 (02054) 9532-60

Aktuelles Heft  | Zukunftsfragen  | Topthema  | Weitere Themen  | Termine  | Heftbestellung  | Mediadaten  | Ansprechpartner

Copyright 2012 by ONexpo  |  anmelden  |  Impressum |  AGB