Samstag, 29. April 2017
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Müssen wir unsere Lebensweise ändern?

Bei der Frage, wie es in Deutschland gelingen soll, bis zum Jahr 2050 weitestgehend CO2-frei zu sein, muss man sich bewusst machen, dass alle CO2-Emissionen, ganz egal auf welcher Stufe sie entstehen, zu guter Letzt dem Konsum zuzuordnen sind. Es geht also nicht nur um die energiebedingten Emissionen, sondern auch um Fragen wie Ernährung und Freizeit und damit mittelbar u. a. um die Landnutzung und unser Konsumverhalten. Das bedeutet, dass unser Lebensstil untrennbar mit der CO2-Minderung verbunden ist.

Die Wissenschaftler Herring und Sorell haben sich dem Thema Rebound-Effekt gewidmet und ein Buch zu Energieeffizienz und nachhaltigem Konsum herausgegeben [1]. U. a. wurden am Beispiel eines Vier-Personen-Haushalts die langfristigen Potenziale zur CO2-Minderung untersucht [2]. Verglichen wird in dieser Untersuchung ein Durchschnittshaushalt in UK im Jahr 2005 sowie zwei mögliche Verhaltensmuster im Jahr 2030.

Die Einstellung zur Energieeffizienz hängt vom Einkommen ab

Eines davon ist der „Well-Off Technic environmentalist“ (WOT). Dieser Verhaltenstyp ist in der Lage, sich die effizienteste Technologie zu leisten, bspw. ein Niedrigenergiehaus, höchst effiziente Haushaltsgeräte und Fahrzeuge. Er ist aber nicht bereit, seinen Lebensstil grundsätzlich zu ändern. Dieser Verhaltenstyp kann seine CO2-Emissionen um etwa ein Viertel reduzieren.

Der zweite Typ wird als „Low-Income Livestyle environmentalist“ (LIL) beschrieben. Dieser ist in der Lage, seinen CO2-Fußabdruck in etwa zu halbieren. Im Wesentlichen geht es bei ihm darum, dass keine Flugreisen unternommen werden, die PKW-Nutzung drastisch eingeschränkt wird, er wenig Fleisch, Fisch oder Milchprodukte konsumiert und auch seinen Konsum an Gütern und energieintensiven Dienstleistungen deutlich einschränkt. Die Abb. zeigt die Ergebnisse dieser Untersuchung.

Kein breiter Trend in Sicht

Bezogen auf die derzeitigen Entwicklungen in Deutschland ist kein breiter Trend der Bevölkerung zur Änderung der Lebensweise erkennbar, der das Potenzial hätte, das Land bis 2050 weitgehend CO2-frei werden zu lassen. Politische Eingriffe könnten das ändern. So will die Bundesregierung mit dem Klimaschutzplan 2050 einen Paradigmenwechsel einleiten, um ihre Klimaschutzziele dennoch zu erreichen [3].

„Die Klimapolitik wird das Leben der Bundesbürger tiefgreifend verändern“, lautet es in der F.A.Z vom 30.6.2016 [4]. Ab 2030 sollen u. a. Autos ohne Benzin und Diesel fahren, Gas- und Ölheizungen für Neubauten verboten werden und ihren Fleischkonsum sollen die Bürger bis 2050 mindestens halbieren.

Der oben skizierte LIL-Fall kontrastiert deutlich mit den vorherrschenden Wünschen und den politischen Botschaften. Bisher wird den Menschen vermittelt, dass für sie weitere Wohlstandgewinne möglich seien und dies mit deutlich weniger CO2 erreicht werden könne. Dem entgegen steht aber, dass die meisten Bürger, die heute wenig haben, sich tendenziell am Verbrauchsverhalten der Wohlhabenden orientieren. Leben wie die Wohlhabenden heißt allerdings, hohe CO2-Emissionen durch Konsum zu erzeugen.

Als Schlussfolgerung ist festzuhalten, dass die Themen Lebensstil und Konsumverhalten untrennbar mit dem Thema CO2-Minderung verknüpft sind.

Anmerkungen


  1. Vgl. Herring, H.; Sorrell, S. (Hrsg.): Energy Efficiency and Sustainable Consumption: The Rebound Effect (Energy, Climate and the Environment). Basingstoke 2009.  ↩

  2. Harper, P.: „Sustainable lifestyles of the future“ in D. Elliott (Hrsg.): Sustainable Energy: Opportunities and Limitations, Basingstoke 2007, S.236–260.  ↩

  3. Vgl. BMWi/BMUB: Klimaschutzplan 2050: Klimaschutzpolitische Grundsätze und Ziele der Bundesregierung. Berlin 2016, S. 4.  ↩

  4. Mihm, A.: Neubauten ohne Gas- und Ölheizung. In: F.A.Z. vom 30.6.2016. Abrufbar unter: http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/energiepolitik/spd-legt-klimaschutzplan–2050-vor–14315757.html  ↩

„et“-Redaktion

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