Freitag, 24. März 2017
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„Strom 2030“ – Zeit für mehr Realitätssinn?

Das BMWi hat Mitte September das Impulspapier „Strom 2030 – Langfristige Trends – Aufgaben für die kommenden Jahre“ veröffentlicht. Ziel ist es festzustellen, was innerhalb dieses Zeitrahmens zu tun ist. In zwölf Trends wird die Entwicklung des Strommarktes in Deutschland im Zeithorizont 2030 beschrieben und zur Diskussion gestellt.

Das Leitbild einer dekarbonisierten Ökonomie ist bisher nur in Konturen beschrieben, im Wesentlichen durch die sehr anspruchsvollen CO2-Ziele. Fallweise wird dabei der Eindruck erweckt, dass die Verbindung zwischen dem heutigen Ist und den Zielwerten 2050 eine Gerade sei. Dieser Ansatz wird umschrieben mit dem Begriff “Vom Ziel her denken“. Suggeriert wird, die angestrebten drastischen Veränderungen seien längs einer idealisierten Linie mit heute bekannten Mitteln gestaltbar.

Große strukturelle Änderungen nicht en détail planbar

Das allerdings ist nicht wahrscheinlich, denn jeder Blick zurück zeigt, dass größere Veränderungen in den Strukturen nicht im Detail planbar sind. Immer wieder treten unerwartete Ereignisse auf. Die deutsche Energiewende liefert dazu viele Beispiele: die Kosten liegen weit über Plan, die Systemintegration der Erneuerbaren erweist sich als schwierig und aus Freileitungen wurden Erdkabel.

Mit dem Zeitrahmen bis 2030 wurde eine Zeitspanne gewählt, in dem die technischen und ökonomischen Randbedingungen mit einer gewissen Verlässlichkeit abzuschätzen sind. Das gilt insbesondere für die Stromversorgung, da für die meisten Anlagen im Bereich Erzeugung, Übertragung und Verteilung lange Nutzungsdauern typisch sind. Im Sinne von Verlässlichkeit und Ökonomie ist es zweckmäßig, die Investitionszyklen zu beachten. Man kann das „Hier und Heute“ nicht in einem großen Sprung verlassen: Man sollte verstärkt zum „Ziel hin denken“.

Mit dem Zeithorizont 2030 ist also die Aufgabe verknüpft, die Handlungsoptionen zeitlich und inhaltlich zu ordnen. Zu unterscheiden sind folgende Fragestellungen:

  • Was kann man heute tun, was ist technisch möglich und ökonomisch tragfähig?
  • Was ist morgen möglich, wo liegen Potenziale, was ist zu tun, um sie zu erschließen?
  • Was ist übermorgen denkbar, welche grundlegenden Innovationspotenziale sind erkennbar und was ist zu tun, um sie zu entwickeln?

Debatte vom Kopf auf die Füße stellen

Das BMWi hat die Möglichkeit, die Debatte vom Kopf auf die Füße zu stellen. Mit dem Impulspapier „Strom 2030“ besteht die Chance zu mehr Sachlichkeit, nämlich, in Planungen und Prognosen nur das einzustellen, was im technischen und ökonomischen Sinne belastbar ist. Das wäre ein deutlicher Unterschied zum Klimaschutzplan 2050, der sich am Ende doch in langfristigen Ambitionen und einer großen Ungewissheit verliert.

Mit dem Konsultationsprozess „Strom 2030“ ist demnach die Chance verbunden, zum Ziel hin zu denken und die konkrete Politik stärker am heute Machbaren und morgen Möglichen auszurichten. Sofern der Diskurs ergebnisoffen und klug geführt wird, könnte „Strom 2030“ demzufolge Ausgangspunkt für ein pragmatischeres Vorgehen werden. Das wäre wünschenswert.

„et“-Redaktion

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