Samstag, 29. April 2017
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Versorgungssicherheit – eine weitgehend nationale Aufgabe!

„Versorgungssicherheit wird europäisch gewährleistet“, so heißt es im Impulspapier „Strom 2030 – Langfristige Trends, Aufgaben für die kommenden Jahre“ des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie (BMWi). Aber kann der europäische Binnenmarkt für Strom die Lösung für die Aufrechterhaltung der Versorgungssicherheit in Deutschland sein? Diese Frage stellt sich insbesondere bei hohen Netzlasten, so bei Kälte und Dunkelflaute.

Am 5.2.2015 erreichte der gesamte Strombedarf im Gebiet von ENTSO-E (European Network of Transmission System Operators for Electricity) den Höchstwert [1]. Die grauen Balken der Abbildung zeigen die Stromnachfrage in Deutschland und seinen Nachbarländern an diesem Tag. Der Vergleich mit den Höchstlasten in den einzelnen Ländern (gelbe Balken) lässt keinen nennenswerten Unterschied erkennen. Das bestätigt die Aussage einer Studie von Prognos zur grenzüberschreitenden Versorgunssicherung, die „eine hohe Ähnlichkeit der Verbrauchsmuster und somit eine enge zeitliche Korrelation des hohen Leistungsbedarfs“ feststellt [2].

Als dunkelblaue Balken sind die Kapazitäten der Wärmekraftwerke dargestellt, im Wesentlichen Kernkraft, Kohle und Gas. Von diesen Anlagen gelten aufgrund plan- oder außerplanmäßiger Stillstände meist nur etwa 90 % als sicher verfügbar. Die hellblauen Balken zeigen die Wasserkraft, die allerdings im Winter nur eingeschränkt verfügbar ist, weil Flüsse in Kälteperioden nur wenig Wasser führen.

Die Darstellung zeigt, dass sicher verfügbare Kapazität in Deutschland und den Nachbarländern tendenziell knapp ist. Das gilt insbesondere dann, wenn man die bekannten Pläne zur Stilllegung von Kapazitäten, z. B. in Deutschland, den Niederlanden und Frankreich, mit einbezieht.

Ein „Schwergewicht“ wie Deutschland kann sich beim Thema Versorgungssicherheit also kaum auf die relativ kleinen Nachbarn verlassen. Als einzig leistungsfähiger Partner käme aus deutscher Sicht Frankreich in Frage, wobei die Nachfrage auch dort bei Kälte und Dunkelflaute sehr hoch ist. Dazu trägt auch der relativ hohe Anteil von Heizstrom bei. Zudem treten jüngst vermehrt technisch bedingte Stillstände von Kernkraftwerken auf, wie die aktuelle Berichterstattung zeigt [3]. Demzufolge ist auch in Frankreich Leistung tendenziell knapp.

Versorgungssicherheit bleibt weitgehend eine nationale Aufgabe

Versorgungssicherheit bleibt also weitgehend eine nationale Aufgabe. Deutschland wird über viele Jahrzehnte zwei Systeme für die eine Aufgabe brauchen, nämlich die sichere, wirtschaftliche und zunehmend CO2-arme Stromversorgung.

Anmerkungen

  1. ENTSO-E-Gebiet: AT, BA, BE, BG, CH, CY, CZ, DE, DK, EE, ES FI, FR, GB, GR, HR, HU, IE, IS, IT, LT, LU, LV, ME, MK, NI, NL, NO, PL, PT, RO, RS, SE, SI, SK.  ↩

  2. Hobohm, J.; Ess, F.; Rosser, S.; Ziegenhagen, I.: Versorgungssicherheit europäisch denken – Chancen und Voraussetzungen einer intensivierten europäischen Integration der Strom- und Leistungsmärkte, Berlin/Basel 2015.  ↩

  3. Spiegel Online: Atomaufsicht ordnet Abschaltung von fünf Reaktoren an. Hamburg 19.10.2016, http://www.spiegel.de/wissenschaft/technik/frankreich-atomaufsicht-ordnet-abschaltung-von-fuenf-reaktoren-an-a–1117287.html; Bilanz: Die Schweiz muss ihre Stromlücke schliessen. Zürich 4.11.2016, http://www.bilanz.ch/unternehmen/die-schweiz-muss-ihre-stromluecke-schliessen–764282  ↩

„et“-Redaktion

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