Freitag, 15. Dezember 2017
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Sinkende Preisdifferenz von Gas zu Kohle sorgt für neue Lage am Strommarkt

Der Preisabstand (Spread) zwischen Kraftwerkskohle und Erdgas stieg seit 1999 stark an. Dieser Gap erreichte in 2013 mit 171 €/t SKE seinen Höchststand. Vielfach wurden höhere CO2-Preise gefordert, um den Gaseinsatz im Stromsektor zu fördern. Doch inzwischen zeigt sich, dass fallende Gaspreise zu einer wachsenden Wettbewerbsfähigkeit von Erdgas führen. Interventionen in das EU-ETS oder auf nationaler Ebene mit dem Ziel, den Gaseinsatz im Stromsektor zu fördern, machen daher keinen Sinn und würden lediglich den Wettbewerbsdruck auf die Gasproduzenten mindern sowie für diese zu einer Monopolrente führen.

Im Gefolge hoher Ölpreise steigen die Gaspreise seit dem Jahr 2000 beständig, so dass im Jahr 2012 der Importerdgaspreis mit 263 €/t SKE (Jahresdurchschnitt) einen historischen Höchstwert (im Vergleich zu 1970) erreichte. Seitdem ist ein signifikanter Preisrückgang zu verzeichnen, der sich in den vergangenen eineinhalb Jahren deutlich beschleunigt hat. Im 3. Quartal 2016 liegt der Preis für Importerdgas bei 128 €/t SKE (Abb. 1).

Kohlepreise über langen Zeitraum vergleichsweise stabil

Die Kohlepreise erweisen sich im gleichen Zeitraum als recht stabil. Höchstwerte waren 2009 mit 112 €/t SKE sowie 2011 mit 107 €/t SKE zu beobachten. Geschätzt liegt der Grenzübergangspreis für Drittlandkohle im 3. Quartal 2016 bei 60 €/t SKE. Entscheidend für die Wettbewerbssituation auf dem Strommarkt ist allerdings die Preisdifferenz, die im 3. Quartal 2016 bei Grenzübergangswerten nur noch bei etwa 68 €/t SKE liegt. Der Wettbewerb im Einsatzbereich Strom hat sich dadurch deutlich intensiviert [1].

Das zeigt sich auch bei der Betrachtung der deutschen Kraftwerksspreads. Der Spark Spread bezeichnet die Bruttomarge bei der Stromerzeugung in einem Gaskraftwerk abzüglich der Brennstoffkosten. Beim Clean Spark Spread werden außerdem die Kosten der notwendigen Menge an Emissionsrechten berücksichtigt. Analog dazu wird mit dem Dark Spread die Marge für ein Steinkohlekraftwerk definiert. Dabei wird zwischen Baseload und Peakload unterschieden, da hier unterschiedliche Erlös- und Einsatzbedingungen herrschen.

Im dargestellten Zeitraum war der Spark Spread seit 2013 negativ. Der Einsatz von Gaskraftwerken war kaum profitabel. Im Peakload-Bereich, dem traditionellen Einsatzbereich von Gas, wurden Gaskraftwerke ab Ende 2015 zunehmend wettbewerbsfähig. Mit den jüngst gestiegenen Strompreisen sind die Margen positiv und sogar vergleichsweise hoch. Selbst im Baseloadbereich hat der Spark Spread in den letzten Monaten die Null-Marke überschritten.

Die Dark Spreads haben sich in der betrachteten Periode ebenfalls verringert, waren aber immer positiv. Erst in den letzten Monaten sind sie, aufgrund der höheren Stromerlöse, angestiegen.

Damit hat eine deutliche Annäherung der Margen von Gas und Kohlekraftwerken stattgefunden. Noch deutlicher zeichnet sich das skizzierte Bild bei den Clean Spark / Clean Dark Spreads ab (Abb. 2).

Die Spreads werden für Musterkraftwerke mit einem Wirkungsgrad von 49,13 % für Gaskraftwerke und 38 % für Steinkohlekraftwerke ermittelt. Bei der Interpretation der Spark Spreads spielt der gewählte Wirkungsgrad eine beachtliche Rolle. So besteht bspw. bei einem Gaskraftwerk mit 60 % Wirkungsgrad und einem Steinkohlekraftwerk mit 35 % heute ein spürbarer Wettbewerbsvorteil zugunsten des Gaskraftwerks.

Sinkende Gaspreise haben die Wettbewerbsverhältnisse in den vergangenen zwölf Monaten also merklich verändert. Warum die Gaspreise so deutlich gefallen sind, ist nicht eindeutig auszumachen. Vermutlich ist es ein Bündel von Einflüssen, so die gesunkenen Ölpreise, aber auch der zunehmende Wettbewerb auf dem Gasmarkt, insbesondere unter der Überschrift „Shale Gas/LNG“. Immer wieder wird darauf hingewiesen, dass die Gasmärkte überliquide seien.

Breiter und lebhafter Wettbewerb im Gasmarkt

Was bedeutet das? Der Einsatz von Gas zur Stromerzeugung in Deutschland steigt im Vergleich zu den letzten Jahren an, während die Kohlestromproduktion leicht zurückgeht. In Folge der gesunkenen Gaspreise ist ein breiter und lebhafter Wettbewerb zu beobachten. Moderne Gaskraftwerke mit hohen Wirkungsgraden sind je nach Einsatzbedingungen profitabel. Eingriffe des Staates in den Markt zugunsten von Gas sind somit weder erforderlich noch sinnvoll. Das gilt für Eingriffe in das EU-ETS genauso wie für die Vorschläge, die Kohleverstromung zu verteuern. Im Ergebnis würde damit nur eine Produzentenrente zum Vorteil der meist ausländischen Gasproduzenten politisch vergeben.

Anmerkung

  1. Zur Entwicklung aktueller Preise siehe auch: http://www.kohlenstatistik.de/17–0-Deutschland.html  ↩

„et“-Redaktion

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