Mittwoch, 23. August 2017
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Stromerzeugungsstruktur in der EU

Eine nachhaltige Energieversorgung kommt den Zielen Versorgungssicherheit, Wirtschaftlichkeit und Umweltverträglichkeit gleichermaßen nach. Gegenwärtig gibt es keinen Energieträger, der alle Kriterien zugleich erfüllen könnte. Daher ist es richtig, die Vor- und Nachteile der Erzeugungstechniken entsprechend der jeweiligen Strukturen in den Ländern ausgewogen zu kombinieren.

Entwicklung der gesamten Stromerzeugung in der EU 2015

Das Statistische Amt der Europäischen Union (Eurostat) veröffentlicht regelmäßig Stromdaten für die europäischen Länder auf Basis einzelner Energieträger. Eine Auswertung zeigt, dass Kernenergie, Kohle und Gas im Jahr 2015 für 70 % der Stromerzeugung in der EU standen [1]. Erneuerbare Energien (EE) umfassten einen Anteil von 30 %, davon entstammten 12 % der traditionellen Wasserkraft. Zwischen 2011 und 2015 hat sich die Struktur der Stromerzeugung in der EU deutlich verschoben (siehe Abb.). Während konventionelle Energieträger insgesamt weniger zum Einsatz kommen, ist ein starker Anstieg der Erneuerbaren in der EU zu verzeichnen. Weitgehend stellt sich der europäische Energiemix ausgewogen dar.

Der größte Stromerzeuger Europas ist mit Abstand Deutschland (628 TWh), gefolgt von Frankreich (563 TWh), der drittgrößte, das Vereinigte Königreich (339 TWh), hat bereits ein nahezu halb so hohes Niveau. In Italien und Spanien liegt es jeweils etwa bei 280 TWh.

Ein Vergleich der Daten von 2015 mit den 2011er-Daten zeigt, dass sich die Bruttostromerzeugung in der EU um 63 TWh (2 %) vermindert hat. Die höchsten, absoluten Rückgänge weisen das Vereinigte Königreich (- 28 TWh), Belgien, Italien und Spanien auf. Deutschland dagegen verzeichnet einen deutlichen Anstieg (+ 38 TWh), darauf folgen Schweden und Frankreich.

Deutschland weist zwar einen Anstieg der Stromerzeugung auf, kompensiert als Netto-Exporteur aber auch Rückgänge seiner Nachbarländer. Diese Situation ergibt sich aus der schwankenden Produktion von Strom und Sonne und einer wenig flexiblen Nachfragestruktur.

Auffällig ist, dass häufig die Länder, die bei der Stromerzeugung stark auf Erdgas setzen, mehr Strom importieren als exportieren, wie das Vereinigte Königreich, Italien, Belgien oder die Niederlande. So decken Luxemburg/Niederlande sowie Belgien ihren Strombedarf zu jeweils 29 % durch Stromimporte ab [2]. Auch wenn nicht auf den ersten Blick erkennbar, liefern deutsche Kraftwerke hierzu wesentliche Beiträge.

Entwicklung der Erdgasverstromung

Die einzigen Mitgliedstaaten der EU, in denen die Stromerzeugung aus Erdgaskraftwerken im Betrachtungszeitraum von 2011 bis 2015 gestiegen ist, sind Rumänien (+ 12 %), Tschechien (+ 8 %) und Polen (+ 2 %). In allen übrigen EU-Staaten dagegen ist sie erheblich gesunken. Insgesamt betrug der Erdgasanteil am EU-Strommix etwa 15 % (497 TWh). Die größten Anteile daran hatten Italien und das Vereinigte Königreich.

Die rückläufige Entwicklung ist insbesondere auf die hohen Gaspreise in den vergangenen Jahren zurückzuführen. Seit Anfang 2014 hat sich die Gaspreisentwicklung allerdings umgekehrt. Mit sinkenden Preisen ist auch die Stromerzeugung aus Gaskraftwerken wieder gestiegen.

Entwicklung der Kohlenverstromung

Die Kohle stellte 2015 mit einem Anteil von nahezu einem Viertel eine wichtige Energiequelle für die Stromproduktion in der EU dar. Daran hatten Deutschland, Polen und das Vereinigte Königreich die höchsten Anteile. In Deutschland stellt die Kohle mit knapp 42 % eine bedeutende und stabile Säule der Stromerzeugung dar.

Insgesamt war die Kohlenverstromung im Zeitraum 2011 bis 2015 rückläufig. Mit einem drastischen Anstieg von 80 % dagegen lag der Verbrauch von Kohle in den Niederlanden auf einem Rekordniveau. Das lag vor allem an den niedrigen Kohlepreisen sowie der Inbetriebnahme neuer Kohlekraftwerke. Deutliche Zuwächse waren auch in Portugal (+ 50 %) und Spanien (+ 17 %) zu verzeichnen. Mögliche Ursachen sind auch hier die Nutzung des liquiden Weltmarktes bei günstiger Logistik, aber auch die Erhöhung der Versorgungssicherheit, insbesondere in Portugal mit einem Anteil von etwa 50 % erneuerbaren Energien.

Entwicklung der EE-Stromerzeugung

Die erneuerbaren Energien sind die einzige Energieform, die in allen Mitgliedstaaten Zuwächse bei der Stromerzeugung aufweisen. Insgesamt ist von 2011 bis 2015 ein Anstieg um 45 % zu verzeichnen. Besonders ausgeprägt waren in diesem Zeitraum die Zuwächse in Ländern mit günstigen Förderbedingungen, wie in Deutschland (+ 83 TWh) und im Vereinigten Königreich (+ 54 TWh) sowie in Ländern mit guten geographischen Standortbedingungen. Länder wie Österreich mit einem EE-Anteil von 78 % in 2015 (davon 62 % Wasserkraft), Schweden mit 63 % (davon 47 % Wasserkraft) oder Finnland mit 45 % (davon 24 % Wasserkraft) können ihre geologischen Vorteile hinsichtlich der relativ zuverlässigen Wasserkraft nutzen.

Ohne Wasserkraft, deren Potenzial in der EU ausgeschöpft ist, entfiel nahezu ein Drittel der Stromerzeugung aus Erneuerbaren auf Deutschland (28 %), 13 % auf das Vereinigte Königreich und 12 % auf Spanien und damit über 50 % allein auf drei Länder.

Fazit

Die Stromproduktion der EU in den Jahren 2011 bis 2015 ist geprägt durch einen deutlichen Zuwachs bei den Erneuerbaren und durch starke Rückgänge bei der Erdgasverstromung sowie einer Reduktion des Kohleneinsatzes in der Stromversorgung. Auffällig ist, dass die strukturelle Entwicklung in der EU nicht signifikant von der Entwicklung in Deutschland abweicht. Allerdings gibt es einige Besonderheiten. Nur in Deutschland und Belgien hat sich der Anteil der Kernenergie an der Stromerzeugung signifikant vermindert. In Deutschland ist es zu einem deutlichen Anstieg der gesamten Stromerzeugung gekommen, während in den meisten anderen EU-Ländern leichte bis mäßige Rückgänge bei der eigenen Erzeugung zu verzeichnen sind. Ein großer Teil der Rückgänge wurde durch den positiven Austauschsaldo Deutschlands ausgeglichen. Einige Länder, allen voran die Niederlande, haben aus Gründen der Wettbewerbsfähigkeit und Versorgungssicherheit den Einsatz von Kohle ausgeweitet.

Quellen

  1. Einschließlich Öl und Sonstige.  ↩

  2. Quelle: EURELECTRIC.  ↩

„et“-Redaktion

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