Dienstag, 12. Dezember 2017
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Erneuerbare: Rekorde bei der Erzeugung – Flaute bei der Versorgungssicherheit

Der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) und das Zentrum für Sonnenenergie- und Wasserstoff-Forschung (ZSW) melden ein anhaltendes Wachstum bei den erneuerbare Energien für das 1. Quartal 2017 und werten dies als Erfolg der Energiewende im Strombereich. Sieht die Situation für die Versorgungssicherheit tatsächlich so rosig aus, wie die Zahlen es suggerieren?

Der Anteil der erneuerbaren Energien am Bruttostromverbrauch lag in den ersten drei Monaten des laufenden Jahres bei 32 % [1]. Aber was steckt hinter dieser Aussage? Zunächst ist festzuhalten, dass es sich bei dieser Zahl keineswegs um einen konstanten Wert handelt. Vielmehr unterliegen die Anteile – der Witterung entsprechend – extremen Schwankungen: von nahezu Null bis zu seltenen Rekordwerten für einzelne Viertelstunden, wie z. B. 86,3 % Lastabdeckung gegen 13:00 am 8.5.2016.

Stand der Dinge

Lediglich Biomasse und Wasserkraft (Abb. 1) weisen ein konstantes Erzeugungsband auf (< 10 GW). Wobei auch die Wasserkraft nicht gänzlich unabhängig von Witterungsverhältnissen ist: Gegenüber dem Vorjahreszeitraum wurden im 1. Quartal 2017 etwa 20 % weniger Strom aus Wasserkraftwerken gewonnen, weil die Niederschlagsmenge geringer war. Der Ausbau von Biomasseanlagen ist aus Nachhaltigkeitsgründen begrenzt. Das Potenzial dieser beiden Energiequellen ist damit nahezu ausgeschöpft.

Die Zuwächse bei Windkraft offshore um ca. 37 % und Photovoltaik um 29 %, die auf außergewöhnlich gute Witterungsbedingungen im März zurückzuführen sind, werden von ZSW und BDEW besonders hervorgehoben. Die absoluten Zahlen sind ernüchternder: Die Erzeugung von PV-Strom stieg um 1,4 TWh, Wind-offshore-Strom um 1,3 TWh. Die 27.270 Windenergieanlagen an Land [2] produzierten, trotz des starken Zubaus von 10 % [3], nur 3 % mehr als im 1. Quartal 2016.

Neue Herausforderungen für die Energiewende

Quasi als „Vorgeschmack“ auf den Anfang der 2020er Jahre, wenn die letzten Kernkraftwerke in Deutschland vom Netz gehen, trat in den ersten drei Monaten des laufenden Jahres der Fall auf, dass 34 % (8 TWh) weniger Strom aus Kernkraftwerken zur Verfügung standen [4]. Die Erneuerbaren (Wasser, Wind, PV, Biomasse), aus denen zusammengenommen 2,5 TWh mehr Strom erzeugt wurden, konnten damit den Rückgang bei der Kernenergie nicht ausgleichen. Die Differenz – und damit die Sicherheit der Stromversorgung – deckten Kohle- und Gaskraftwerke (Tab.). Zusätzlich wurde die Lage durch eine hohe Stromnachfrage aus dem Ausland (z. B. Frankreich) verschärft.

Tab.: Stromerzeugung 1. Quartal 2017/2016
in TWh 1. Quartal 2017 1. Quartal 2016 Veränderung zum 1. Quartal 2016
Kernenergie 15,9 24,0 –34 %
Braunkohle 38,4 38,6 0 %
Steinkohle 31,9 30,9 3 %
Erdgas 27,5 23,3 18 %
Wasser 4,3 5,3 –19 %
Wind onshore 22,4 21,7 3 %
Wind offshore 4,8 3,5 37 %
Photovoltaik 6,0 4,6 29 %
Biomasse 11,7 11,5 2 %
Quelle: BDEW

Eine der größten Herausforderungen der Energiewende wird beim Blick auf den Zeitraum Mitte bis Ende Januar 2017 deutlich (Abb. 2). In diesem Zeitraum gab es eine ausgeprägte Dunkelflaute: fast kein Wind und kaum Sonne. Ohne hinreichendes Energieangebot aus erneuerbaren Quellen nutzt auch die hohe installierte Leistung von Wind onshore (ca. 46 GW), Wind offshore (ca. 4 GW) und PV (ca. 42 GW) wenig [5]. Selbst wenn das Drei- oder Vierfache der Windenergieanlagen installiert gewesen wäre, hätten die Anlagen bei diesen ungünstigen Wetterverhältnissen nahezu keinen Strom produziert. Die vorhandenen EE-Technologien können keine zuverlässige, ununterbrochene Versorgung gewährleisten. Solange keine Lösung für dieses Problem gefunden ist, brauchen wir weiterhin Kohle- und Gaskraftwerke.

Anmerkungen

  1. BDEW Presseinformation vom 24.4.2017, Berlin/Stuttgart, abrufbar unter: www.bdew.de/internet.nsf/id/20170424-pi-erneuerbare-energien-halten-wachstumskurs-de  ↩

  2. Stand Ende des Jahres 2016; Quelle: BWE.  ↩

  3. Vgl. BMWi: Zeitreihen zur Entwicklung der erneuerbare Energien in Deutschland.  ↩

  4. Veränderte Revisionsplanung.  ↩

  5. Stand März 2017; Quelle: AGEE-Stat.  ↩

„et“-Redaktion

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