Samstag, 18. November 2017
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Blockchain ist keine disruptive Technologie für Peer-to-Peer-Handel von Strom

Der Wirbel um die Blockchain-Technologie zeichnete düstere Zukunftsszenarien für Energieversorgungsunternehmen in Deutschland. Die Blockchain besitzt jedoch aktuell kein disruptives Potenzial im Peer-to-Peer-Handel von Strom zwischen Prosumenten und Konsumenten, so eine neue Untersuchung des Forschungsinstituts ewi Energy Research & Scenarios (ewi ER&S). Laut der Studie stehen Plattformen für Peer-to-Peer-Stromhandel (z. B. mittels Blockchain) keine organisatorischen oder regulatorischen Hürden gegenüber. Allerdings behindern Steuern und Umlagen auf den Endverbraucherpreisen die wirtschaftliche Anwendung von Peer-to-Peer-Transaktionen. Weitere Kosten für die technologisch bedingte Dezentralität benachteiligen öffentliche Blockchain-Plattformen zusätzlich.

Peer-to-Peer-Stromhandel ist mit bestehenden Strukturen und Regularien des Stromsystems vereinbar, so der Schluss der Autoren. Dies gilt insbesondere, solange sich die Nutzung auf Erstanwender beschränkt. Peer-to-Peer-Stromhandel zwischen Haushalten verlagert das Erfüllungsrisiko der Transaktionen meist auf die Energieversorger der Haushalte. Die Energieversorgungsunternehmen tragen dadurch zusätzliche Kosten. Energieversorgungsunternehmen können jedoch ihre Verträge mit den Haushalten anpassen und die zusätzlichen Kosten an die Peer-to-Peer-Nutzer weitergeben. Das aktuelle System ist jedoch nicht für große Peer-to-Peer-Strommengen ausgelegt. Umfassender Einsatz eines Peer-to-Peer-Stromhandels verlangt nach einer neuen Form des Informationsaustauschs zwischen Netzbetreibern und Peer-to-Peer-Nutzern. Diese Begrenzung fiele weg beim Handel von Zertifikaten statt Strom.

Strom kann physikalisch beschrieben werden als homogenes Wirtschaftsgut. Das zunehmende Umweltbewusstsein in der Bevölkerung hat aber dazu geführt, dass elektrische Energie heute auch als heterogenes Wirtschaftsgut verstanden wird (z. B. „grüner, regionaler Strom“). Der Peer-to-Peer-Stromhandel kann solche heterogenen Eigenschaften in seine Transaktionen mit einbeziehen. Dies legt den individuellen Nutzen und damit auch die Zahlungsbereitschaft der Konsumenten für solche Eigenschaften offen. Solche Informationen könnten die Finanzierung erneuerbarer Energien effizienter gestalten und Innovationen in der Branche fördern. Energiepolitik, Regulierung und die Struktur des Versorgungssystems sollten also Peer-to-Peer-Plattformen ermöglichen und anwenden, um Effizienzpotenziale innerhalb des Versorgungssystems und der Energiepolitik zu heben.

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