Mittwoch, 16. Januar 2019
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FICHTNER Talks: Die Branche lernt das Dienen

Dr. Albrecht Reuter

Eigentlich wollten die Teilnehmer der diesjährigen FICHTNER Talks am 25.09.2018 in der liebevoll renovierten Stuttgarter Villa Levi über die „multiplen Ds der Energiewende“ diskutieren und Themen wie Digitalisierung, Disruption, Datenschutz und Datensicherheit, sowie Dekarbonisierung und andere erörtern. In eindrucksvoller Erinnerung blieb jedoch „das Dienen“ – als Grundhaltung als Geschäftsmodell, als Kulturwandel der Branche.

 „Digitalisierung findet statt“ ist eine triviale und doch grundlegend wegweisende Feststellung der Tagung.

Pausendiskussionen vor der Villa Levi  Foto: Fichtner
Digitalisierung ist der Ermöglicher der Energiewende, ohne sie kann es keine Dekarbonisierung geben. Sie ist Integrator der erneuerbaren Energien. 

Zum Glück erleichtern die Überkapazitäten von Kraftwerken und Netzen, die unsere Elterngeneration aufgebaut haben, derzeit noch den Transformationsprozess. Es ist heute kein Infrastrukturprojekt mehr ohne Digitalisierung denkbar.

Aber die Grundfesten der Energiewende wanken. Denn wir stellten fest, dass trotz aller Bekundungen und politischer Beschlüsse zum einen die Dekarbonisierung in Deutschland nicht stattfindet und zum anderen der Energieverbrauch steigt statt wie geplant sinkt. Der Ruf nach technologieneutralen und wirkungsvollen Lenkungsmechanismen zur Treibhausgasminderung sowie nach einer breit angelegten Effizienzoffensive wurde laut.

Obwohl die Branche unisono den Begriff der Energieautarkie am liebsten aus ihrem Wortschatz streichen würde, zitierte ein Manager eines Energiekonzerns eine hausinterne Studie, wonach Kunden sich mehr Autonomie oder gar Autarkie wünschten und das am liebsten und ausschließlich mit Strom.

Dies führte zur Diskussion der Entsolidarisierung derer, die im Falle eines Falles doch noch das Rückgrat der Netzversorgung nutzen wollen. Flächendeckende Elektromobilität wird jedenfalls nicht ohne Netzverstärkung funktionieren; schon gar nicht, wenn E-Trucks ins Spiel kommen. Auch hier stellt sich die Frage, wer für die Infrastrukturkosten aufkommen soll.

Der These, dass Stadtwerke in Zukunft wohl keine Kilowattstunden mehr verkaufen werden, wurde nicht widersprochen. Im Gegenteil; mit fortschreitender Digitalisierung wird es immer leichter, die Preise des Einheitsgutes kWh zu jedem Zeitpunkt und überall zu vergleichen. Die Margen schwinden, das Geschäft mit der kWh, jedenfalls im Haushaltkundenbereich, wird immer weniger lukrativ. Die Veredelung der elektrischen Energie in Form von Dienstleistungen z.B. im Mobilitätsbereich, Smart Home oder Heating Services, Gesundheitswesen, Bildung, Unterhaltung etc. könnte den Königsweg darstellen.

„Kreatives Dienen und damit Geld verdienen“

So könnte man die Erkenntnis zusammenfassen. Dienen bezieht sich dabei nicht nur auf Kunden, sondern mindestens ebenso auf das eigene Personal, also die kreativen Menschen, welche die Energiewende tragen und gestalten sollen. Diese sind rar. Also wird die Energiebranche sich zukünftig bei den bewerben und nicht umgekehrt. Und das natürlich auch mit digitalen Mitteln und Einbeziehung der sozialen Medien. Logisch konsequent haben wir in der FICHTNER Talks-Diskussion die Innovation zur Chefsache erklärt - unterstützt durch die Pressemeldung, dass Dieter Zetsche seinen Posten als Vorstandschef an Mercedes-Entwicklungschef Ola Källenius abgibt.

 

Die traditionellen FICHTNER Talks finden jährlich im September statt und diskutieren aktuelle, oft kontroverse Zukunftsthemen. Fichtner organisiert den Rahmen für die fachliche Auseinandersetzung und moderiert den Dialog. Die rund 100 Gesprächspartner aus allen Infrastrukturbereichen, der Politik und auch aus der Wissenschaft halten sich an die Chatham House Rules, um eine offene Diskussionskultur zu gewährleisten.

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