Mittwoch, 16. Januar 2019
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„Einmal Energiewende bitte! – und wer zahlt die Zeche?“


„et“-Redaktion/FL


Der Wettbewerb der Klimaschutzoptionen entscheidet über den Erfolg der Energiewende. Diese wiederum erfordert einen Masterplan. Und: Erdgas heute, grüne Gase morgen, wobei heute getroffene Entscheidungen die Kosten von morgen determinieren. Das war die klare Botschaften des fünften Energiepolitischen Dialogs der Open Grid Europe. Zu der Veranstaltung mit dem Titel „Einmal Energiewende bitte! – und wer zahlt die Zeche?“ kamen knapp 160 Gäste aus Politik, Wirtschaft und Verbänden in den Erich Brost-Pavillon auf dem Gelände der Zeche Zollverein in Essen.

Für Dr. Jörg Bergmann, Sprecher der Geschäftsführung der Open Grid Europe, ist und bleibt die Energiewende die größte gesamtgesellschaftliche und generationsübergreifende Herausforderung. Bisher habe man sich in Deutschland jedoch auf eine Stromwende fokussiert. Die verbindlichen Klimaschutzziele könnten jedoch nur erfüllt werden, wenn es einen ganzheitlichen Ansatz zur Umsetzung der Energiewende gibt. „Um die Klimaschutzziele in 2050 zu erreichen, braucht es einen Masterplan mit zeitlich gestaffelten Zwischenzielen. Der Kohleausstieg ist dabei ein Element – aber eben nur eins. Neben der Erstellung dieses Masterplans müssen wir bereits heute die nächsten konkreten Schritte gehen.“


Die Teilnehmer der Podiumsdiskussion in diesem Jahr (v.l.n.r.): Udo Sieverding, Verbraucherzentrale NRW; Michael Geßner, Ministerium für Wirtschaft, Innovation, Digitalisierung und Energie des Landes NRW; Sandra Berndt (Moderatorin); Dr. Jörg Bergmann, Open Grid Europe; Thomas Jorberg, GLS Bank; Michael Wübbels, VKU
Foto: OGE


Seitens der Politik gab es Zuspruch für den Ansatz der Sektorenkopplung, der volkswirtschaftlich sinnvollen Verknüpfung der Strom- und Gasnetze zu einer effizienteren Energieinfrastruktur. „Wir haben in Nordrhein- Westfalen vielfältige und leistungsstarke Unternehmen, die auch im internationalen Wettbewerb stehen. Wir brauchen konkurrenzfähige Energiepreise, um den Standort und den Wohlstand zu sichern. Deshalb begrüße ich die Sektorenkopplung sowie jede Maßnahme, die zeigt, dass Klimaschutz und Wirtschaft kein Widerspruch sind“, sagte Michael Geßner, Leiter der Abteilung Energie im Ministerium für Wirtschaft, Innovation, Digitalisierung und Energie des Landes Nordrhein-Westfalen.

Die kostengünstige Photovoltaik hat das Potenzial eine Dynamik zu entwickeln, die unsere heutige Vorstellung der neuen Energiewelt komplett über den Haufen werfen könnte. Auf jeden Fall werden wir immer mehr dezentrale Energielösungen bekommen. Das schließt die Sektorenkopplung in Form von Power-to-Heat und Power-to-Gas ein, für die man auch auf Prosumerebene die Voraussetzungen schaffen sollte – so Udo Sieverding, Bereichsleiter Energie und Mitglied der Geschäftsleitung Verbraucherzentrale NRW.

Während die gleichgewichtige und gleichzeitige Beachtung des energiepolitischen Zieldreiecks aus Wirtschaftlichkeit, Versorgungssicherheit und Klimaschutz in der Diskussionsrunde weit überwiegend außer Frage stand, forderte Thomas Jorberg, Vorstandssprecher GLS Bank, eine Priorisierung zugunsten des Klimaschutzes und Neuausrichtung der beiden anderen Schenkel des energiepolitischen Zieldreiecks auf dieser Basis. Dazu gehört auch ein flexiblerer Verbrauch.

Die Transformation im Energiesektor hat kosteneffizient zu erfolgen. Insbesondere müssen die dafür notwendigen Investitionen angereizt werden. Für diese Modernisierung der Erzeugungsanlagen und Netze müsse es verlässliche Rahmenbedingungen geben. So Michael Wübbels, Stellvertretender Hauptgeschäftsführer, Leiter der Abteilung Energiewirtschaft Verband kommunaler Unternehmen e.V. (VKU).

Wie die Diskussion zeigte, ist die Nutzung von Erdgas bereits heute ein wichtiger Beitrag für bezahlbaren und effizienten Klimaschutz. Bergmann appellierte zum Schluss: „Wir müssen heute beginnen, erprobte Technologien wie Power-to-Gas für den industriellen Maßstab einsatzfähig zu machen. Aktuell fehlt hierzu der passende Rahmen. Die Politik muss ermöglichen, dass Unternehmen dies während einer Erprobungsphase im regulierten Rahmen umsetzen, um die erforderlichen Erfahrungen sammeln zu können.“

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