Mittwoch, 16. Januar 2019
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Norwegische Erfahrungen mit Sektorkopplung und CO2-Reduktion

Astrid Sonja Fischer 

Mit „Sektorkopplung bzw. sector coupling“ hat es nach „Energiewende“ nun ein zweiter deutscher Energiebegriff in den internationalen Sprachraum geschafft. In Bezug auf die Umsetzung lohnt der Blick nach Norwegen. Der größte Erdöl- und Gasexporteur Europas nimmt die Dekarbonisierung ernst. Über die Erfahrungen mit Elektro- und Wasserstoffmobilität, die Speicherung von CO2, kohlendioxidfreie Regionen und Strom aus Wasserkraft und Wind tauschten sich Branchenvertreter auf dem Norwegischen Energieforum im Oktober 2018 in Berlin aus.

Im Jahr 2017 stammten 40 % der deutschen Gasimporte aus Norwegen. Petter Ølberg, Botschafter Norwegens in Deutschland, prognostizierte zur Eröffnung der Konferenz, dass die Kohleausstiegsdiskussion in Deutschland zu einer Renaissance von Gas führen werde. Erdgas sei in Norwegen verlässlich verfügbar und werde emissionsarm gefördert: „Erdgas ist nicht nur eine fossile Energie – es kann grün werden,“ so der Botschafter. Auch Ingvil Smines Tybring-Gjedde, Staatssekretärin, Ministerium für Petroleum und Energie, betonte den „Green Shift“ in der norwegischen Energiepolitik. Neben dem hohen Anteil an erneuerbaren Energien verfüge das Land über umfangreiche Speicherkapazitäten für CO2, die auch für deutsche Unternehmen eine Option seien.

Dreistufiger Ansatz zur CO2-Reduktion

Tor Martin Afinse, Equinor (zuvor Statoil), schlug einen dreistufigen Ansatz zur Reduktion der CO2-Emissionen vor:  So könne bis 2020 der CO2-Ausstoß durch den Ersatz von Kohle um 20 % gesenkt werden. Bis 2030 wären dann 40 % durch die Kombination von Gas und erneuerbaren Energien möglich und bis 2050 könnten die CO2-Emission durch Kombination von Wasserstoff und erneuerbaren Energien um 95 % gesenkt werden. Wasserstoff lasse sich über Carbon Capture and Storage (CCS) aus Erdgas CO2-frei erzeugen. Die Abscheidung und Speicherung von CO2, die in Deutschland auf wenig Akzeptanz stoße, werde in Norwegen bereits erfolgreich praktiziert: 2017 seien in einer Tiefe von 1.000 bis 2.000 m rund 1,36 Mio. t CO2 und insgesamt bisher 22,3 Mio. t verpresst worden. Die dafür genutzten Öl- und Gaslagerstätten seien geeignet, das CO2 über sehr lange Zeiträume im Boden zu verschließen, betonte Afinse.

Staatssekretärin Ingvil Smines Tybring-Gjedde
Foto: Innovation Norway
Wasserstoff und Elektromobilität können im Verkehrssektor helfen, die Klimaziele von Paris zu erreichen. Jan Wegner von der Nationalen Organisation Wasserstoff- und Brennstoffzellentechnologie (Now), berichtete von derzeit rund 50 existierenden Wasserstofftankstellen in Deutschland und Plänen, bis 2020 das Netz auf 100 Stationen auszubauen. Wasserstoff werde in Deutschland zunehmend im Busverkehr und auf kleineren Linien im Bahnverkehr, beispielsweise auf der Verbindung von Bremerhaven nach Buxtehude, eingesetzt.

Bei der Elektromobilität ist Norwegen Vorreiter mit einem Anteil von 25 % am europäischen Markt. Im September waren 15 % der norwegischen Neuzulassungen elektrische Fahrzeuge, berichtete Paal Christian Myhre, Meshcrafts. Der Anbieter von Ladeinfrastruktur baut in der norwegischen Stadt Kristiansund ein Smart Grid mit 86.000 Kunden auf.

Jan Kjetil Paulsen, Bellona Foundation, berichtete von staatlichen Förderprogrammen, um den Schiffsverkehr zu elektrifizieren. Bei den Fähren gebe es inzwischen 70 Schiffe, die mit Batterien betrieben würden und auch bei kleineren Frachtschiffen und im Bereich Tourismus käme die Technologie zum Einsatz. Die Region um die norwegische Fjord-Gemeinde Geiranger wurde als erstes CO2-emissionsfreies Gebiet eingestuft. Für größere Frachter sei hingegen Wasserstoff die geeignete Option.

Das Seekabel NordLink zwischen Tonstad in Norwegen und Wilster in Deutschland soll ab 2020 die Strommärkte direkt verbinden. Die Stromerzeugung aus norwegischer Wasserkraft kann die deutsche Produktion aus Photovoltaik und Wind ergänzen. Norwegische Energieunternehmen sind bereits im deutschen Strommarkt tätig: So bestehen Kooperationen zwischen Equinor und E.ON beim Windpark Arkona. Statkraft vermarktet in Deutschland unter anderen Strom aus Windparks, bei denen die 20-jährige Förderung durch das Erneuerbare-Energie-Gesetz ausgelaufen ist.

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