Montag, 27. März 2017
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FGE-Seminar 2016: Verteilnetze in der Energiewende

Am 25.11.2016 fand das FGE-Seminar „Verteilnetze in der Energiewende“ in Aachen statt. Dieses wurde vom Institut für Elektrische Anlagen und Energiewirtschaft (IAEW) der RWTH Aachen in Zusammenarbeit mit der Forschungsgesellschaft Energie (FGE e.V.) ausgerichtet. Mehr als 120 Teilnehmer diskutierten teilweise kontrovers über die bereits erreichten Erfolge, aber auch weiterhin bestehenden Herausforderungen der Energiewende. Die Vielzahl von Diskussionen und Wortbeiträgen zeigte noch offene Fragestellungen, aber auch innovative Lösungsansätze im Kontext der Energiewende auf. Zur positiven Diskussionsatmosphäre des im zweijährigen Turnus stattfindenden Seminars trug wie immer das universitäre Umfeld bei.

Zusammen mit Industrie- und Forschungspartnern adressierte das IAEW zentrale Anforderungen an Verteilnetzbetreiber sowie Fragestellungen im Bereich der Planung und des Betriebs von Verteilnetzen im Kontext der Energiewende. Darüber hinaus wurden mögliche Lösungsansätze für innovative Betriebskonzepte und Planungsverfahren präsentiert.

Einleitend wurden im Rahmen eines Vortrags von Daan Six (Flemish Institute for Technological Research) und Tim Bongers (IAEW) die aus der Veränderung des Energieversorgungssystems resultierenden internationalen Herausforderungen als auch Möglichkeiten für Verteilnetzbetreiber dargestellt. Vor dem Hintergrund „The Game is Changing“ präsentierte Six bestehende, weiterentwickelte und neue Rollen der Verteilnetzbetreiber. Dabei wurden insbesondere die Rollen des Verteilnetzbetreibers als Datenmanager sowie als Nachfrager von netzdienlichen, marktbasiert bereitgestellten Flexibilitäten thematisiert.

Inwiefern Flexibilität der Erzeugungs- und Verbrauchsanlagen vom Netznutzer nicht nur marktdienlich sondern auch netzdienlich genutzt werden kann, stand im Fokus des Vortrags von Daniel Telöken (Westnetz GmbH) und Kilian Geschermann (IAEW). Im Rahmen des Forschungsprojektes „Das proaktive Verteilnetz“ entwickeln sie zusammen mit weiteren Partnern aus Industrie und Wissenschaft Anforderungen und Regeln für die Nutzung von marktbasiert bereitgestellten Flexibilitäten, um gezielt Netzengpässe zu vermeiden und somit kostenintensiven Netzausbau einzusparen. Erste Untersuchungen zeigten, dass die Nutzung von Flexibilitätsoptionen im Rahmen der Ausbauplanung gesamtwirtschaftlich günstiger als der konventionelle Netzausbau ist.

Der Nutzen von netzbetrieblichen Maßnahmen unter Berücksichtigung einer unsicheren Entwicklung der Versorgungsaufgabe im Rahmen der Grundsatzplanung von Verteilnetzen war Thema des nachfolgenden Vortrags von Lukas Verheggen (IAEW). Er bestätigte, dass insbesondere betriebliche Maßnahmen wie die Nutzung von Einspeise- und Lastmanagement unter Berücksichtigung von Unsicherheiten wesentliche Beiträge für ein gesamtkosteneffizientes Planungsergebnis liefern können.

Die Auswirkungen der Novellierung der Anreizregulierungsverordnung auf die Ausbauplanung innerhalb von Mittel- und Niederspannungsnetzen kennzeichneten einen weiteren Schwerpunkt des Seminars. Marius Sieberichs (IAEW) verdeutlichte, dass durch die Novellierung der Anreizregulierungsverordnung bei kapitalkostenintensiven Ausbaumaßnahmen unter Vernachlässigung des Erweiterungsfaktors die durchschnittlichen Projektrenditen steigen können. Zudem wurde ersichtlich, dass der Realisierungszeitpunkt für ein renditeoptimales Ergebnis mit der Einführung des Kapitalkostenabgleichs an Bedeutung verliert. Anreize für den gezielten Einsatz betrieblicher Maßnahmen können durch den neu eingeführten Effizienzbonus gesetzt werden – jedoch ist die Bonuszahlung bei weitem nicht für alle Netzbetreiber realisierbar.

Sören Patzack von der Forschungsgemeinschaft für Elektrische Anlagen und Stromwirtschaft e.V. (FGH) berichtete über die Ermittlung planungsrelevanter Netznutzungsfälle für elektrische Verteilnetze. In der Vergangenheit konnte die auslegungsrelevante Netzbelastung mithilfe von abgeschätzten Starklast- und Schwachlastfällen realitätsnah abgebildet werden. Zukünftig sind jedoch aufgrund von neuartigen Kunden mit anderen Gleichzeitigkeiten, aber auch durch die zunehmende Nutzung von innovativen Netzbetriebsmitteln und Netzbetriebskonzepten neue Methoden erforderlich, um planungsrelevante Netznutzungsfälle zu ermitteln. Patzack stellte eine hierfür geeignete Methode vor, auf deren Basis robuste Anwendungsregeln für die Netzplanung abgeleitet werden können.

Als weiteres Thema stand die Ausgestaltung von verschiedenen Blindleistungsmanagement-Konzepten im Fokus. Julian Lichtinghagen (IAEW) präsentierte Projektergebnisse aus einer Studie zusammen mit der Centralschweizerischen Kraftwerke AG. Demnach kann innerhalb der untersuchten schweizer Mittel- und Niederspannungsnetze die Netzanschlusskapazität durch die Blindleistungsbereitstellung von Erzeugungsanlagen deutlich erhöht werden. Signifikante Unterschiede zwischen den Blindleistungsmanagementkonzepten bezüglich der maximal integrierbaren Erzeugungsleistung sowie den auftretenden Wirkleistungsverlusten sind in den durchgeführten Untersuchungen nicht zu verzeichnen. Wesentliche Differenzen ergeben sich hingegen im Blindleistungsverhalten der untersuchten Netze.

Ein Ausblick in die zukünftige Weiterentwicklung innovativer Verteilnetze wurde durch Marco Stienecker (Institute for Power Generation and Storage Systems, RWTH Aachen) und Jens Priebe (IAEW) gegeben. Im Rahmen ihres Vortrags wurde deutlich, dass die Schlüsselkomponenten für Netze mit Gleichstromtechnik und deren Betrieb heute im Grundsatz realisierbar sind. Dennoch gibt es Herausforderungen in der Umsetzung. Insbesondere beim Netzschutz besteht aktueller Forschungsbedarf.

„et“-Redaktion

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