Montag, 27. März 2017
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NRW-Klimaschutzkongress 2016: Von der Klimakrise zur Klimawende

Beim Klimakongress der EnergieAgentur.NRW Mitte November 2016 standen die großen Herausforderungen der Klimapolitik im Mittelpunkt. Zudem stellte das NRW-Umweltministerium ein neues Förderprogramm mit 100 Mio. € für Klimaschutz und Klimaanpassung in Kommunen vor. Einen ersten Vorgeschmack auf in Vorbereitung befindliche Angebotspakete für die drei Zielgruppen „Kommunen“, „Unternehmen“ und „Bürger/innen“ konnte man sich in der Historischen Stadthalle Wuppertal verschaffen, wo sie im Rahmen eines „Marktes der Möglichkeiten“ vorgestellt wurden. Die Veranstaltung mit 650 Vertreterinnen und Vertretern aus Politik, Wissenschaft, Wirtschaft und Verwaltung machte deutlich, dass die Klimawende vielschichtig, international und ganzheitlich werden sollte.

„Der Klimawandel nimmt immer konkretere Züge an, deshalb gilt es, jetzt weltweit zügig zu handeln. Auch wir in NRW müssen als Energie- und Industrieland unserer Verantwortung nachkommen und unseren Teil zum Klimaschutz beitragen“, sagte NRW-Umwelt- und Klimaschutzminister Johannes Remmel zum Auftakt der Veranstaltung. „Das bedeutet, viele Bereiche in Wirtschaft und Gesellschaft neu zu denken und zu gestalten. Es ist erfreulich, dass viele der Unternehmen in Nordrhein-Westfalen die Chancen bereits erkannt haben, die sich ihnen durch Klimaschutz und Energiewende bieten: So wuchs der Umsatz in der Klima- und Umweltwirtschaft zwischen 2009 und 2012 um durchschnittlich 15,6 %“, so Remmel weiter.

Innovative Konzepte seien insbesondere in der Energiewirtschaft gefragt, die neben der Strom- auch eine Wärmewende angehen muss. In der Industrie müssten zudem die Produktionsprozesse weiter in Richtung Effizienz und weniger Emissionen entwickelt werden – und im Verkehrssektor dringend neue Konzepte für einen erheblich CO2-ärmeren Transport von Menschen und Gütern her, etwa durch Nutzung alternativer Antriebe.

Für nachhaltige Projekte vor Ort bedarf es, das machte Stadtwerke Düsseldorf-Chef Udo Brockmeier deutlich, keiner Katastrophenmeldungen bezüglich Klimaänderung, sondern es zeigt sich, dass die Bürger Lust auf solche Aktivitäten haben. Und bei Großanlagen wie dem neuen Kraftwerk „Fortuna“ in Düsseldorf sorgt neben der Rekord-Effizienz auch eine gelungene Architektur für Akzeptanz. Die rhythmisierte Fassade gliedert das Volumen maßstäblich und verleiht dem Bauwerk aus vielen Blickpunkten in der Stadt seine Identität stiftende, logo-artige Gestalt.

Klimapolitik als Hoffnungsträger für den blockierten Multilateralismus

Für Claus Leggewie, Leiter des Kulturwissenschaftlichen Instituts in Essen (KWI) und Mitglied des Wissenschaftlichen Beirats der Bundesregierung für Globale Umweltveränderungen, hat der Multilateralismus via UN-System trotz erheblicher Widerstände und zahlreicher Rückschläge im Jahr 2015 mit der Erklärung der nachhaltigen Entwicklungsziele (SDG) bis 2030 und dem Paris-Abkommen zum globalen Klimaschutz eine wichtige gemeinsame Zielorientierung hervorgebracht, die zu Recht als historischer Erfolg eingestuft wird. Die insgesamt 17 nachhaltigen Entwicklungsziele tragen vieldimensionalen Herausforderungen Rechnung und sind als gemeinsame Übereinkommen aller Nationen von enormer Bedeutung als Klammer für den globalen Zusammenhalt. Dabei geht es im Kern um den kooperativen Schutz globaler Güter.

Die Umsetzung des Paris-Abkommens und die UN Agenda 2030 sind also, so Leggewie, ein wichtiger Modernisierungs-, Gerechtigkeits- und Friedensprozess sowie Hoffnungsträger für den blockierten Multilateralismus. Erfolg und Misserfolg der Klimapolitik hängen jedoch an der Fähigkeit, die verschiedenen Aktionsebenen – globale Leitplanken, den weltweiten Ratifikationsprozess und die entsprechenden Roadmaps – mit regionalen, nationalstaatlichen und lokalen Planungen zu verbinden und in Einklang zu bringen.

Wege zu einem dekarbonisierten Industriestandort

Die Diskussion über die Umsetzung der Klimaschutzziele konzentriert sich zurzeit meist auf die Frage der Dekarbonisierung der Energiebereitstellung, insbesondere der Stromerzeugung. Für Manfred Fischedick, Vizepräsident des Wuppertal Institut für Klima, Umwelt, Energie, greift die Debatte damit deutlich zu kurz. Erforderlich ist eine intensive Auseinandersetzung mit den Möglichkeiten der Gestaltung einer Wärmewende, den Umsetzungsoptionen einer Verkehrswende und den Optionen für eine Dekarbonisierung der Industrie. Auch wenn die NRW- Industrie ihren Energieverbrauch überproportional reduziert hat, muss hier, insbesondere um dem NRW-Klimaschutzplan zu genügen, noch mehr getan werden.

Fischedick nannte fünf Minderungsoptionen: Erstens sollte die Energieeffizienz erhöht werden. Zweitens sollte die Emissionseffizienz gesteigert werden, was über Brennstoffwechsel, aber auch über Power to X-Technologien erreicht werden kann. Dieser Wandel sollte durchaus als Chance für die Unternehmen verstanden werden. Ein vielversprechendes konkretes Beispiel ist das branchenübergreifende Großprojekt Carbon2Chem, bei dem die bei der Stahlherstellung anfallenden Hüttengase für die Produktion von Chemikalien genutzt, CO2 in Erdölersatz für die chemische Industrie umgewandelt wird. Der dritte Punkt ist die Steigerung der Materialeffizienz. Das bedeutet Minderung der Materialverluste, Recycling, intelligentes Produktdesign. Viertens sollte die Produktnutzungseffizienz, speziell über Shared Economy-Ansätze, gesteigert werden. Und schließlich geht es, Fünftens, darum, über nachhaltige Konsummuster den Dienstleistungsbedarf zu senken.

Franz Lamprecht

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