Montag, 21. August 2017
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Die Zukunft der Energiewende

Was bewirkt die Digitalisierung des Energiesektors an Disruption und wo ist das höchste Innovationspotenzial zu verorten? Wie kann sich aus der hohen Anzahl dezentraler, erneuerbarer Energieanlagen ein integriertes und effizientes Energiesystem mit Zukunft entwickeln? Und schließlich: Was sind das für Märkte und Geschäftsmodelle, die Erfolg in der stark transformierten Energiewelt versprechen? Beim dena-Kongress, der größten branchenübergreifenden Veranstaltung zur Energiewende in Deutschland, diskutierten am 22.–23.11.2016 in Berlin rund 700 Teilnehmer über zentrale Fragen zur Zukunft der Energiewende.

„Integrated Energy“: digital trifft dezentral

„Für ein zukunftsfähiges Energiesystem genügt es nicht, Überschussstrom in andere Sektoren zu leiten“. Für Andreas Kuhlmann, Vorsitzender der dena-Geschäftsführung, ist „Integrated Energy“ mehr als Sektorkopplung, es kommt vielmehr auf ein optimiertes Zusammenspiel unterschiedlicher Faktoren in einem komplexen Ganzen an. Hierzu gibt es noch viel zu erforschen, die dena-Leitstudie „Integrated Energy“ soll hierzu viele wertvolle Erkenntnisse liefern.

Ein wichtiger Baustein ist z. B. das Projekt „C/cells“, ein Energiesystem mit autonomen Zellen, das derzeit im Rahmen des vom BMWi initiierten Förderprogramms SINTEG als eines von fünf Schaufenstern getestet wird. Vorgestellt wurde es von Gesamt-Projektleiter Albrecht Reuter, Vorstand Fichtner IT Consulting AG. Im Mittelpunkt stehen 50 Zellen, Ziel ist ein weitgehend automatisierter regionaler Energieaustausch, der zur Systemstabilität beiträgt. Die Zellen sind zwar autonom, aber nicht autark. Neue Geschäftspotenziale stecken in der Energiedienstleistung im Sinne von z. B. rundum Sorglos-Paketen für ein smartes Quartier.

Der Rahmen macht die Musik. Klaus Mittelbach, Vorsitzender der ZVEI-Geschäftsführung, zufolge hat das Digitalisierungsgesetz endlich zu einer Aufbruchsstimmung für den Rollout von intelligenten Zählern und Messsystemen geführt. Erfolgversprechende innovative Geschäftsmodelle können die Entwicklung deutlich beschleunigen. Um hier mitzuhalten, dürfen wir nicht dem alten Denken verhaftet bleiben, sondern müssen von Airbnb, Uber und Co. lernen. Wachsam sein muss auch die Regulierung, denn es ist eine hohe geschäftsmodellgetriebene Veränderung der Energiewirtschaft zu erwarten, der sie gerecht werden muss.

Jürgen Fischer, CEO, Danfoss Cooling Segment, plädierte für eine nahtlose Verzahnung von thermischer und elektrischer Energie. Er geht davon aus, dass dies in zehn Jahren stark verbreitet sein wird. Bezüglich Speicher bieten zum Beispiel Kühlanlagen in Supermärkten ein großes Potenzial. Ein Hindernis für die Energiewende ist sicherlich, dass der klassische Heizungsmonteur mit Digitalisierung nicht viel zu tun haben will.

Ralf Christian, CEO Energy Management Division, Siemens AG, verwies u.a. darauf, dass beim Warmwasser ein noch größeres Speicherpotenzial gegeben ist als bei der Elektromobilität. Statt Märkte zu regulieren wäre es wichtiger, einen Rahmen für funktionierenden Wettbewerb zu schaffen. Und wir sollten stärker ins Ausland schauen, vieles was wir jetzt anstreben ist dort bereits in irgendeiner Form realisiert. Wie zum Beispiel Smart Meter in Kalifornien, wo Wirtschaftlichkeit eine große Rolle spielt.

Marcus Fendt, Geschäftsführer, The Mobility House GmbH, plädierte für eine Form der „Integrated Energy“, bei der die Batterien von Elektrofahrzeugen mit dem Stromsystem verknüpft werden. Er erwartet, dass die Elektromobilität in zehn Jahren einen Anteil von 25 % im Verkehr umfasst und einen integralen Baustein des Energiesystems bildet.

Blockchain-Herausforderungen

Die deutsche Energiewirtschaft beginnt sich auf ein neues digitales Verfahren für Transaktionen vorzubereiten, das die Branche nachhaltig verändern könnte. Blockchain ist eine Technologie für den sicheren Austausch und die Speicherung von Daten, die einen direkteren Austausch zwischen dezentralen Energieerzeugern und -verbrauchern erlaubt. Transaktionen können auf Basis der Technologie verifiziert, validiert und zu Blöcken zusammengefasst werden.

Wie Christoph Burger, Senior Lecturer an der ESMT Berlin, in seiner Erläuterungen der gemeinsamen Studie von dena und ESMT zeigen konnte, gibt es durchaus Potenziale für Handelsplattformen, Abrechnung, Zählwesen, Mobilität und Netzmanagement. In der Umfrage unter 70 Führungskräften gab die Hälfte an, bereits mit der Blockchain-Technologie zu experimentieren oder dies zu planen. In neuen und entstehenden Märkten hat Blockchain das Potenzial, zur dominierenden Technologie zu werden. Sie kann die Effizienz von Transaktionen erhöhen, direkten Austausch ermöglichen und gleichzeitig die Kosten senken, zum Beispiel bei Lade- und Abrechnungstransaktionen für Elektrofahrzeuge.

Die Stadt der Zukunft

Bundesumweltministerin Barbara Hendricks sprach über die Stadt der Zukunft. Besonders Städte verfügen über große Energie- und Ressourcenpotenziale, sind aber Problem und Lösung zugleich. Sie verursachen einerseits einen hohen Anteil der Emissionen, andererseits sind sie der Ort mit einem riesigen Potenzial für die Lösung des Problems. Beim energieeffizienten Bauen sollte man, so die Ministerin, den sozialen Aspekt nicht aus den Augen verlieren: „Wohnen muss bezahlbar bleiben“. Als neuen Ansatz hob sie den Ideenwettbewerb „Energieeffizientes Bauen begehrlich machen“ hervor, den die dena für das Bundesumweltministerium durchführt.

Ebenfalls den sozialen Aspekt der Energiewende in den Städten betonte Reinhard Brehmer, Geschäftsführer, Aspern Smart City Research GmbH & Co. KG (ASCR) der mit seiner Forschungsgesellschaft die Energiezukunft in einem Stadtentwicklungsgebiet im Nordosten Wiens untersucht. Er verwies auf die entscheidende Rolle der Bewohner für den Erfolg von smarten Technologien: „Wenn die nicht wollen, dann nützt das Ganze gar nichts.“

Einen Appell für konkretes Handeln lieferte Andreas Holm, Institutsleiter, Forschungsinstitut für Wärmeschutz e. V. (FIW). Smarte Lösungen müssen vor allem einfach, effizient und praktikabel sein: „Hier gibt es mehr als nur Nachholbedarf. Wir müssen einfach mal anfangen!“

Prof. Dr. Lamia Messari-Becker, Lehrstuhl für Gebäudetechnologie und Bauphysik, Universität Siegen und Mitglied des Sachverständigenrats für Umweltfragen (SRU) forderte einen starken Fokus auf soziale Belange inklusive Wohnen, über alle Parteien hinweg, und eine Aufklärungswelle für alle Bürger in Anbetracht des Wandels und der damit verbundenen Herausforderungen. Viele Begriffe rund um den Klimawandel seien für die breite Öffentlichkeit nicht verständlich, sie müssten mit Themen wie Heimat und Lebensqualität verbunden und besser kommuniziert werden.

Neue Debatte

Dena-Chef Andreas Kuhlmann stellte klar, dass es nun darauf ankommt, Dinge richtig einzuordnen, damit eine neue Debatte entsteht. Denn bei vielem haben wir noch die Vorstellung von 2000, den Ausbau der Erneuerbaren und den Kernenergieausstieg im Kopf. Heute befinden wir uns in einer ganz anderen Welt, die gekennzeichnet ist durch Digitalisierung und Sektorkopplung. „Es gibt viel Potenzial auch in Zukunft Energiewendelabor Nr. 1 zu sein. Es herrscht Aufbruchstimmung und die wollen wir mithelfen, zu organisieren.“

Franz Lamprecht

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