Donnerstag, 27. April 2017
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gat im Zeichen des Klimaschutzplans 2050

Der Termin der gat (Gasfachliche Aussprachetagung) 2016 (8.–10.11.) war gut gewählt. Kurz vor Beginn der Veranstaltung ging die Ausgestaltung des Klimaschutzplans 2050 in die „heiße Phase“. Dies sorgte für besondere Aktualität des wichtigsten Leitforums der deutschen Gaswirtschaft in Essen.

Gut nachvollziehbar, dass die Frage nach den Konsequenzen für die Branche besonderes breiten Raum einnahm. So betonte DVGW-Vizepräsident Michael Riechel die Notwendigkeit, die Vorteile von Erdgas noch stärker gegenüber der Politik herauszustellen, damit Erdgas auch über das Jahr 2030 hinaus ein wichtiger Bestandteil im deutschen Energiemix bleibt. Gleichzeitig war man sich einig, dass höhere CO2-Preise notwendig sind, damit der Zertifikatehandel einen effektiven Beitrag zur Reduzierung der Klimagase leisten kann. Insbesondere weil derzeit vor allem die Kohlekraftwerke von dem Überangebot profitieren.

Auf ein anderes Potenzial wies Tim Kehler, Vorstand der Initiative Zukunft ERDGAS, hin. Durch die Modernisierung veralteter Heizkessel seien bis zu 60 % CO2-Einsparung möglich. Darüber hinaus wurde betont, dass die einzelnen Sektoren „Wärme“, „Mobilität“ und „Stromerzeugung“ nicht isoliert betrachtet werden können. So gebe es das Problem fehlender Stromnetze, um die elektrische Energie aus dem windreichen Norden in den verbrauchsstarken Süden zu transportieren. Dessen ungeachtet müssten aber vor allem Maßnahmen umgesetzt werden, die schnell, effizient und kostengünstig zu einer Reduzierung von CO2 beitragen, war zu hören.

Daher sieht Klaus Schäfer, Vorstandsvorsitzender der Uniper SE, Deutschland am Scheideweg. Es komme jetzt darauf an, durch den verstärkten Einsatz von Erdgas die Klimagase zu reduzieren. Auf den weiteren Ausbau der erneuerbaren Energien und die Serienreife neuer Technologien könne man nicht warten, da die Ziele für 2020 nicht erreicht würden und die Vorgaben für 2050 in der Folge umso schwerer zu realisieren seien. „Wir müssen jetzt mehr Druck für Gas machen“, so sein Appell.

Das kann keine Batterie

Ein weiterer wichtiger Punkt war die saisonale Speicherung von EE-Strom. Gerade bei strombasierten Wärmeerzeugern bestünde eine erhebliche Differenz zwischen dem Strombedarf im Sommer und im Winter. Die notwendige Energie langfristig zu speichern schaffe keine Batterie, dies sei nur mit dem Gasnetz möglich, wurde berichtet. Welches Potenzial brach liegt, beschrieb Dimosthenis Trimis, Leiter der DVGW-Forschungsstelle am Engler-Bunte-Institut. „Umgerechnet fünf Gigawattstunden EE-Strom werden jährlich nicht verwertet, da sie wegen mangelnder Stromnetzkapazitäten nicht eingespeist werden können“. Als Lösung verwies der Forscher auf die Power2-Gas-Technologie und die Einspeisung in die bestehende Gasinfrastruktur. Ein erprobtes Verfahren, bei dem die Wirkungsgrade der Anlagen allerdings noch weiter angehoben werden können.

Was die Klimaziele für den Energieträger konkret bedeuten, machte Thomas Bruckner von der Universität Leipzig im Detail deutlich. Nach dem Pariser Klimaabkommen haben sich die Unterzeichnerstaaten verpflichtet, die Erderwärmung bis zum Ende des Jahrhunderts nicht über 2 Grad Celsius ansteigen zu lassen. Besser noch: den Anstieg auf 1,5 Grad Celsius zu begrenzen. Um diese Vorgaben zu erreichen, müsse der CO2-Ausstoß beim 2 Grad-Ziel bis 2050 um 80 % verringert werden, beim 1,5 Grad-Ziel ist eine Minderung von 95 % zu erreichen. Im ersten Fall geht der Wissenschaftler davon aus, dass Erdgas auch im Jahr 2050 noch Bestandteil der Energieversorgung ist, dafür aber die Power2-Gas-Technologie keine große Rolle spielt. Im zweiten Fall sei es umgekehrt: Erdgas kommt nicht mehr zum Einsatz, dafür aber findet die Umwandlung von Ökostrom in Gas breite Verwendung.

Wer nichts macht, dem geht es gut

Auf die besondere Situation der Stadtwerke wurde im Panel „Energiewende vor Ort“ eingegangen. Trianel-Geschäftsführer Sven Becker mahnte hier verlässliche Rahmenbedingungen für die kommunale Versorgungswirtschaft an. In den 2000er Jahren hätten zahlreiche Stadtwerke im Vertrauen auf die Politik in konventionelle Erzeugungsanlagen investiert und seien damit ein unternehmerisches Risiko eingegangen. Die Realität habe dann aufgrund fehlender Konstanz im Energierecht anders ausgesehen und Kraftwerksbetreiber vor erhebliche Probleme gestellt. Wer dagegen nichts gemacht habe, stehe heute meist wirtschaftlich gut da.

Kunden zu halten, sei mittlerweile recht anstrengend, berichtete Dietmar Spohn, Chef der Stadtwerke Bochum, mit Blick auf die zahlreichen Konkurrenzangebote. Allein in der Region gebe es 310 Wettbewerber beim Strom und 218 beim Gas. In diesem Umfeld setze man in der Revierstadt auf die Netze und neue Angebote wie das Heizungscontracting. Einer Flatrate, wie sie zurzeit vereinzelt diskutiert wird, erteilte Peter Flosbach von der Dortmunder Energie- und Wasserversorgung eine Absage. Er sehe darin keinen Mehrwert, da die Kosten für die Verbraucher auf dem Niveau der Grundversorgung liegen und somit wenig attraktiv seien.

ETS greift nicht

Auf gute Resonanz stieß ein erstmals auf der Fachmesse durchgeführter „GasTalk“. Die Veranstaltung startete am Tag nach der amerikanischen Präsidentenwahl mit der Frage, was dies für den internationalen Klimaschutz bedeute. Konkret war das natürlich nicht zu beantworten, doch war die Sorge zu spüren, dass es der internationale Klimaschutz künftig schwerer haben könnte. Mit Blick auf die nationalen Klimaziele empfahl Prof. Dr. Marc Oliver Bettzüge, Direktor des Energiewirtschaftlichen Institutes der Universität Köln, zuerst die günstigsten und effizientesten Maßnahmen zur CO2-Minderung zu ergreifen. Ein Ansatz, der auf der gat unter dem Begriff „low hanging fruits“ thematisiert wurde und die Potenziale von Erdgas nachhaltig unterstrich.

Gerd Lengsdorf, Fachjournalist, Bonn

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