Donnerstag, 20. September 2018
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Norwegen als Impulsgeber bei Gasversorgung, E-Mobilität und flexibler Nachfrage

Deutschland und Norwegen sind in Energiefragen traditionell miteinander verbunden. Aktuell steht die künftige Rolle von Gas, Elektromobilität und die Flexibilisierung der Nachfrage auf der Agenda. Auf dem 21. Deutsch-Norwegischen Energieforum diskutierten am 12.10.2017 in Berlin auf Einladung der Königlich Norwegischen Botschaft und der Wirtschaftsförderung „Innovation Norway“ rund 120 Teilnehmer die Entwicklungen in beiden Ländern.
Seit über 40 Jahren liefert Norwegen an Deutschland Erdgas. 2016 waren dies 44,94 Mrd. m3. Die Gasvorkommen sind noch immer immens und das Pipelinesystem ist dicht ausgebaut. Frode Leversund, Gassco AG, berichtete, dass zwei Drittel aller geschätzten Gasvorkommen noch gar nicht gefördert wurden. Zudem zeige sich, dass viele Gasquellen länger lieferten als zu Projektbeginn angenommen. Derzeit stammt etwa ein Viertel des europäischen Gasverbrauchs aus Norwegen.

Weltweit wird die Nachfrage nach Gas bis 2040 weiter steigen. Carsten Rolle, Weltenergierat - Deutschland, betonte, dass dies auch weitere Investitionen in die Gasförderung bedeute. Die höchsten Nachfrage-Zuwächse seien in China und im Nahen Osten zu erwarten. In Europa werde der Gasverbrauch bis 2040 nach Szenarien der IEA nur noch leicht auf rund 450 Mrd. m3 steigen. Die größten Abnehmer bleiben auch weiterhin Industrie und Energiewirtschaft. Neue Lieferländer kommen mit Algerien, Indonesien, Indien oder Mexico hinzu.

Stark verändern werde sich der Gasmarkt durch die steigende Produktion von Flüssiggas (LNG). Die Regionen Amerika, Naher Osten, Asien und Europa mit derzeit unterschiedlichen Gaspreisen werden stärker zusammenwachsen. Zugleich erhöhen sich mit zunehmender Vielfalt der Produzenten und mehr Handel die Versorgungssicherheit und der Wettbewerb. Aufgrund der massiven unkonventionellen Gasförderung in den USA gebe es inzwischen ein Überangebot auf dem Weltmarkt. „Gas wird zunehmend sehr kurzfristig dorthin verkauft, wo die Preise am höchsten sind“, erläuterte Rolle. Insgesamt sei es verwunderlich, dass trotz hoher Versorgungssicherheit in Europa auf politischer Ebene viel über die sichere Gasversorgung debattiert werde.

Frontrunner bei der Elektromobilität

Bei der Elektromobilität ist Norwegen im internationalen Vergleich ein Frontrunner, wie der Norwegische Botschafter Petter Ølberg herausstellte. Auch wenn es keinen Elektrofahrzeug-Hersteller im Land gäbe, verfüge Norwegen über viel Erfahrung, wie den E-Autos durch Anreize in kürzester Zeit der Durchbruch gelinge. Tore Lied Tönnesen, BMW Group, berichtete, dass in Norwegen im ersten Halbjahr 2017 rund 35 % der Neuzulassungen elektrische Fahrzeuge waren. Für Deutschland lag dieser Wert bei etwa einem Prozent. Nach Einschätzung von Andreas Schröter, DNVGL, wird in Europa 2025 etwa die Hälfte aller neuen Autos elektrisch betrieben sein. Weltweit sei dies bis 2035 zu erwarten. Die größten Verkaufszahlen gebe es schon jetzt in China, wo 2016 rund neue 500.000 E-Fahrzeuge registriert wurden. Ein Haupttreiber sei neben geringeren CO2-Emissionen vor allem die Eindämmung der Luftverschmutzung.

Angesichts des wachsenden Marktes für Elektroautos seien urbane Ladekonzepte eine zentrale Herausforderung, erläuterte Tönnesen. Zu einem überwiegenden Teil würden die Fahrzeuge zuhause geladen und bräuchten dort eine entsprechende Infrastruktur. In Deutschland gebe es zu 28 % Eigenheime und zu 72 % Mehrfamilienhäuser, von denen viele über eine Garage verfügten. In den USA gebe es mit 52 % deutlich mehr Einfamilienhäuser. In China überwiegen hingegen Apartments in Hochhäusern, so dass der Bedarf einer öffentlichen Ladeinfrastruktur deutlich größer sei.

Sowohl für eine flexible Stromnachfrage als auch für ein netzoptimiertes Laden von Elektrofahrzeugen sind Preissignale nötig, die für den Verbraucher ein angepasstes Verhalten attraktiv machen. Hierzu muss sich der Strommarkt weiterentwickeln. Die skandinavischen Strombörse Nordpool, die 1996 den Handel zwischen Norwegen und Schweden etablierte, baut ihr Geschäft in Europa aus. Ab 2018 ist ein grenzüberschreitender Intraday-Binnenhandel geplant, an dem sich auch Deutschland beteiligt. 

Astrid Sonja Fischer

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