Montag, 23. Juli 2018
-   Veranstaltungen

Die Energiewende nachhaltig realisieren

Mit einem äußerst günstigen Timing – im Lichte der COP23 und der Sondierung einer neuen Regierungskoalition – veranstaltete am 14.11.2017 die BP Europa SE in Düsseldorf ihr 16. BP Forum, das unter dem Titel „Das nächste Kapitel der Energiewende – Worauf kommt es für Nordrhein-Westfalen an?“ stand. Die diskutierten Leitlinien für eine zukünftige Energiepolitik griffen dabei deutlich über die Landesperspektive hinaus. Die Aufgabe lautet, die langfristig gesteckten Energiewendeziele mit Blick auf das energiepolitische Zieldreieck – ergänzt um den Faktor „Planbarkeit“ – nachhaltig zu realisieren.

Einleitend stellte der Gastgeber, Wolfgang Langhoff, Vorsitzender des Vorstandes der BP Europa SE, eine Online-Umfrage vor, die den Teilnehmern des Forums im Vorfeld gestellt wurde. Ihre Ergebnisse: In der Energiepolitik korrekturbedürftig sei insbesondere der Aspekt Technologieoffenheit – gefolgt von Wirtschaftlichkeit. Kontrovers ist der Einstieg in den Kohleausstieg; er wird von einer knappen Mehrheit der Teilnehmer befürwortet. Beiträge zum Ausbau erneuerbarer Energien sehen die Teilnehmer insbesondere beim Infrastrukturvorhaben und im Potenzial von Batteriespeichern.

2030 zählt

Das genannte Themenbündel prägte auch den Eröffnungsvortrag von Prof. Dr. Andreas Pinkwart, Minister für Wirtschaft, Innovation, Digitalisierung und Energie des Landes Nordrhein-Westfalen. Er spannte den Bogen von der Frage der Gewährleistung der Versorgungssicherheit am Industriestandort NRW bis hin zu den Klimaschutzzielen 2050. Seine Folgerung: „Es ist nicht einfach“, die Ziele zu realisieren, und „es ist nicht inkrementell zu machen“.

Falsch sei, für 2020 symbolische Entscheidungen über das Knie brechen. Pinkwart forderte eine strategische Planung, mit der man das 2030-Ziel verbindlich erfüllt. Klar sei aus seiner langjährigen politischen Erfahrung, dass es immer schwieriger werde, Ziele zu realisieren, je später sie angegangen werden. Damit die Energiewende im Bund rund wird, brauchen Unternehmen und Investoren Planbarkeit.

Stellschrauben ergeben sich für ihn im (smarten) Netzausbau und in der besseren Verwertung erneuerbarer Energie. Es könne nicht sein, dass Überschussstrom ins Ausland verschenkt werde und keine Verbraucher in der energieintensiven Industrie finde. Das Marktdesign müsse angepasst werden, da die Abregelung erneuerbarer Anlagen nicht ökonomisch ist. Ein Ausstieg aus konventioneller Erzeugung bezeichnete Pinkwart aus NRW-Perspektive als unverantwortlich. Die Herausforderung liege darin, NRW als Vorzeigeland für neue Wertstoffe zu etablieren.

Wandel ohne Brüche

Diese Impulse wurden im Diskussionspanel aufgenommen. Moderiert von Dr. Katrin Prüfig diskutierte Wolfgang Langhoff mit dem Vizepräsidenten des Wuppertal Instituts, Prof. Dr.-Ing. Manfred Fischedick, und Dr. Frank Weigand, Chief Financial Officer (CFO) der RWE Generation SE.

Weigand verwies auf die Besonderheit des Industriestandorts NRW. Die dort etablierten geschlossenen Wertschöpfungsketten müssten erhalten bleiben. Mit einem schnellen Ausstieg aus der rheinischen Braunkohle riskiere man nicht nur Strukturbrüche in der Region und steigende Industriestrompreise, sondern gefährde auch die Versorgungssicherheit. Für einen Strukturwandel sei die Wahrung der Balance im energiepolitischen Zieldreieck gefragt.

NRW stehe bei der CO2-Einsparung aktuell wirklich gut da, so Fischedick. Herausforderungen ergäben sich für 2030 bzw. danach. Da kommen große Anstrengungen auf die Industrie zu. Politisch müsse man daher an alle emissionsrelevanten Sektoren heran, insbes. an den Wärmemarkt und die Mobilität.

Glaubwürdigkeit gegenüber den Zielen

Mit der Feststellung, dass es darum gehe, „den Klimaschutz zu fördern, ohne disruptiv zu sein“, pointierte Langhoff die Diskussion. Technologieoffenheit ist für ihn ein zentrales Merkmal eines solchen Ansatzes. Wichtig sei nun, gerade in der Mobilitätsfrage nicht alles auf das Pferd E-Mobilität zu setzen, um nicht von einer Monokultur in die nächste zu verfallen.

Deutlich wurde auch in der anschließenden Fragerunde, dass es nicht die eine Lösung gibt, sondern ein Denken in Alternativen nötig ist. Die Aufforderung an die Politik lautet, eine ökologisch-ökonomische Diskussion zu führen und Umsetzungsschritte klar nach außen zu kommunizieren. Denn auch das machten die Beteiligten deutlich: Deutschland ist dabei, seine Vorreiterrolle abzugeben, wenn es gegenüber seinen Zielen nicht glaubwürdig ist.

Thomas Falk

Suche

Aktuelles Heft
Inhalt der Ausgabe 6/2018
Schwerpunkt: Innovative Dienstleistungen
Energieeffizienz und Energieeinsparung
Was wünschen die Kunden? Angebote gemeinsam entwickeln
Entwicklung der CO2-Emmissionen in Deutschland
mehr...
EW Medien und Kongresse GmbH
Kaiserleistraße 8a | D-63067 Offenbach am Main | Telefon +49 (069) 7104487-0 | Telefax: +49 (069) 7104487-459

Aktuelles Heft  | Zukunftsfragen  | Topthema  | Weitere Themen  | Termine  | Heftbestellung  | Mediadaten  | Ansprechpartner

copyright by Friese Media GmbH 2012  |  anmelden  |  Impressum |  AGB  |  Datenschutz