Dienstag, 18. September 2018
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Speicher – von großem Wert für die saubere Energiewende in Europa

Energiespeicher gewinnen nicht nur in Deutschland mit seinem vergleichsweise hohen Anteil an wetterabhängigen erneuerbaren Stromerzeugungsquellen an Gewicht, sondern auch in Europa. Das zeigen die schnell wachsenden Unternehmen auf diesem Gebiet und die zunehmende Marktnähe der Technologien. Dabei haben neue dezentrale Speicher durchaus das Potenzial, die bisherige Energiewelt umzukrempeln. Treiber sind technologische Fortschritte und sinkende Kostenentwicklung, sowie der europäische energie- und klimapolitische Rahmen. Das zeigte eine Eurelectric-Veranstaltung im letzten Dezember in Brüssel.

Tudor Konstantinescu, EU-Kommission (links im Bild), und Kristian Ruby, Generalsekretär von Eurelectric, betonen die wichtige Rolle der Speicher für das neue Energiesystem (Foto: John Staples) 

Es wird Zeit, dass bei der Deckung des zunehmenden Flexibilitätsbedarfs auf adäquate nachhaltige Speicherlösungen zurückgegriffen werden kann. Aufstrebende Technologien wie Batterien oder Wasserstoff müssen in Zukunft bewährte Lösungen wie Reservoirund Pumpspeicherkraftwerke ergänzen. Dies ist wichtig, da zur Erreichung der Klimaziele flexible fossile Kraftwerke in Europa zurückgefahren werden müssen.

Kristian Ruby, Generalsekretär von Eurelectric, brachte die Ausgangslage auf einer Tagung seines Verbandes im Dezember in Brüssel auf den Punkt. Speicher seien eine Schlüsseltechnologie der notwendigen Flexibilitäten des zukünftigen Stromsystems in Europa. Das unterstreiche auch die von den nationalen Stromverbänden und CEOs aller wesentlichen Energieunternehmen am 6.12.2017 beschlossene Langzeitvison (siehe Vision for the European Electricity Industry unter www.eurelectric.org). Dabei vorwiegend nur an Batterien zu denken, greife zu kurz, man müsse den gesamten Mix an Möglichkeiten im Auge behalten, insbesondere die Wasserstoffoption. Bei der Implementierung neuer Technologien stellten sich immer dieselben Grundsatzfragen, so auch hier: Wer soll Eigentümer sein?

Tudor Konstantinescu, Principal Adviser to the Director General DG Energy, betrachtet die Eigentümerschaft von Speichern durch Netzbetreiber von wenigen Ausnahmen abgesehen als ausgeschlossen. Im Papier der EU zu Speichern (Commission staff working document energy storage – the role of electricity, SWD 2017 61 final) lassen sich einige fundamentale Prinzipien der Speichermarktentwicklung herauslesen. Etwa, dass Speicher am Strommarkt diskriminierungsfrei teilnehmen können sollten, also bei der Vergütung mit anderen Flexibilitätsoptionen gleichgestellt sind. Die EU sieht rasche Kostenent wicklungen nach unten bei der Speicherung, aber die großformatige Integration ist eine Herausforderung. Kosteneffiziente Nutzung dezentraler Speichersysteme und deren Integration soll in einer nichtdiskriminierenden Weise erfolgen, was einen entsprechenden Rahmen impliziert.

Gefragt sind standardisierte Marktprodukte von Verteil- und Übertragungsnetzbetreibern. Ein wichtiger Punkt ist eine integrierte Betrachtung, welche die Berücksichtigung bei der Infrastrukturausbauplanung einschließt, insbesondere auch grenzüberschreitende Lastflüsse. Genauso wichtig ist dem Papier zufolge der nichtdiskriminierende Zugang von Marktakteuren zu den Speichern. Wichtig für diesen Bereich sind auch die EU Network Codes sowie die grenzüberschreitende regionale ÜNB-Kooperation.

Wie die Diskussion auf der Eurelectric- Veranstaltung zeigte, führt der Weg zur Wirtschaftlichkeit bei den Batteriespeichern über modularen Aufbau sowie Mehrfachnutzung und Servicebereitstellung für mehrere stakeholder. Und: Europa könnte gegenüber Asien in der Batterieproduktion durch Übernahme des japanischen Setdesigns aufholen.

Generelles Ziel der EU wie Deutschland ist ein flexibles und anpassungsfähiges Stromsystem, bei dem Speicher eine wichtige Rolle spielen werden. Hierzu muss sektorübergreifend gedacht werden. Bleibt die Schlüsselfrage für die wirtschaftliche Integration neuer Technologien, die auch bei den Speichern nicht anders ist, nämlich wie der Bereich reguliert wird.

Dafür ist, so eine Schlussfolgerung der Brüsseler Veranstaltung, ein gut gemachtes Marktdesign gefragt, in dem die Speicher ihre Stärken im Wettbewerb in die Waagschale werfen können, und zwar entlang der gesamten Wertschöpfungskette.

„et“-Redaktion/FL

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