Montag, 10. Dezember 2018
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Die Zukunft der Energiewende

Dr. Tigran Heymann/Manuel Schrepfer

Vor allem die vergangenen Monate im politischen Berlin haben gezeigt, dass noch kein wirklicher Konsens bei der Umsetzung der Energiewende gefunden werden konnte. Über die Chancen, Risiken und vor allem die zukünftige Ausgestaltung der Energiewende wurde im Rahmen der 27. BBH-Energiekonferenz diskutiert.Vor allem die vergangenen Monate im politischen Berlin haben gezeigt, dass noch kein wirklicher Konsens bei der Umsetzung der Energiewende gefunden werden konnte. Über die Chancen, Risiken und vor allem die zukünftige Ausgestaltung der Energiewende wurde im Rahmen der 27. BBH-Energiekonferenz diskutiert. 

Nachdem BBH-Partnerin Dr. Ines Zenke die Teilnehmer begrüßt und ein Scheitern der Energiewende (bei aller anstehenden Arbeit) verneint hatte, stellte der Abgeordnete und Umweltminister a.D. Jürgen Trittin in seiner Keynote fest: Die Energiewende ist kein deutscher Sonderweg. Die Nutzung der Kernenergie sei EU-weit rückläufig, die Atomkraft schlicht nicht mehr wettbewerbsfähig. Die deutsche Energiewende habe die erneuerbaren Energien für die Welt preiswert gemacht. „Global boomen die erneuerbaren Energien“, so Trittin. Deutschland stehe aber aktuell international im Abseits und müsse zusehen, den Anschluss nicht zu verlieren. 

Die Energiewende sei längst nicht mehr eine Frage des Ob, sondern des Wie, erklärte Dr. Rolf Martin Schmitz, CEO der RWE AG, in seinem Vortrag. Und: „Das Thema Atomkraft ist durch“ – für einen (Noch-)Kernkraftwerksbetreiber ein zumindest in der Deutlichkeit unerwartetes Bekenntnis. Im Bereich Klimaschutz sei die Energiewirtschaft schon lange ein verlässlicher Partner. Im Zugzwang sieht er dagegen die Sektoren Verkehr, Bauwesen und Landwirtschaft, die ebenso einen Beitrag leisten müssten. 

Wie die Industrie die Energiewende stemmen kann, erläuterte der Hauptgeschäftsführer des BDI Dr. Joachim Lang. Er forderte die Entwicklung des Klimaschutzes statt einer Symbolpolitik. Notwendig sei dabei eine effiziente Verteilung der Ressourcen: Einsparungen im Gebäudesektor durch energetische Gebäudesanierung sei etwa viel günstiger, als Einsparungen im Automobilbereich durchzusetzen. 

BBH-Partner Prof. Christian Held läutete am Nachmittag eine ebenso unterhaltsame Debatte u.a. mit dem Präsidenten der Bundesnetzagentur, Jochen Homann ein, der ein regionales Problem für die Versorgungssicherheit sieht: Überkapazitäten im Norden, Stromdefizite im Süden. Auch Thomas Weber, Geschäftsführer der EAM GmbH & Co. KG, erinnerte daran, dass die Energiewende auch eine wichtige Netz-Komponente besitzt: Ohne Netzstabilität keine zuverlässige Energieversorgung. Besonders die Verteilnetzebene, an der die Mehrzahl der EE-Anlagen angeschlossen ist, benötige die notwendigen Kompetenzen und Daten, um auch weiterhin Systemdienstleistungen zu erbringen.

Die Netzstabilität hat natürlich auch eine finanzielle Komponente: Investitionsanreize funktionieren über Renditen. Die Renditen, die sich hinter der von der BNetzA festgelegten EK-Verzinsung verbergen, seien allerdings zu niedrig, um die notwendigen Investitionen zu tätigen, so BBH-Partner Rudolf Böck, seines Zeichens Wirtschaftsprüfer und Steuerberater. „Die Netzbetreiber brauchen Investitionssicherheit statt Rechtsstreitigkeiten“, sagte Böck. Man müsse grundsätzlich überlegen, ob der aktuelle Regulierungsrahmen, der alternative Finanzierungsmöglichkeiten ausschließt, nicht überholt sei. Rechtssicherheit bekäme man auch dann, wenn man die Beschlüsse der BNetzA anerkennt und nicht dagegen klage, entgegnete darauf Jochen Homann, mit einem kleinen Augenzwinkern, das zumindest die Teilnehmer in der ersten Reihe bemerkten. Welche Rolle der Energieträger Gas zukünftig spielt, darüber war man unterschiedlicher Auffassung. Während MdB Andreas Rimkus (SPD) befand, die Zukunft liege im Gas, plädierte Johannes Lackmann, Geschäftsführer der WestfalenWIND GmbH, für mehr Elektrifizierung. MdB Sandra Weeser (FDP) betonte, dass der Strompreis auch sozial sein müsse. 

Diskutiert wurde nicht zuletzt auch, welchen Einfluss der RWE/E.ON-Deal auf den Markt haben könnte. Thomas Weber sah einerseits durch die Beteiligungen von E.ON an Netzinfrastrukturen einen größeren Co-Player an der Seite der Verteilnetzbetreiber, andererseits eine mögliche Konzentration der „Nachfragemacht“ gegenüber Dienstleistern. Jochen Homann wies das – auf recht nonchalante Art – von der Hand: Die Beschaffung werde durch das BKartA geregelt, die Netze durch die Regulierung. Ob das wirklich so einfach ist, wird sich zeigen.

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