Dienstag, 17. Oktober 2017
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Schweizerischer Stromkongress 2017

Wohin geht die große Reise? Diese Frage stellte sich der diesjährige Schweizerische Stromkongress im Spannungsfeld der Energiestrategie 2050, veranstaltet vom Verband Schweizerischer Elektrizitätsunternehmen (VSE) und Elektrosuisse Mitte Januar in Bern, mit über 400 Teilnehmern. War der erste Tag den großen Umwälzungen und Chancen durch die Digitalisierung sowie Vorbereitung auf Krisensituationen (Blackout) gewidmet, ging es am zweiten um die Sichtweise der nationalen Regulierung und den den Blick auf neue Geschäftsmodelle.

Die Welt ist im Fluss. „Während in der Hotelbranche die Grenzen zwischen Hotel und Hotelgast verschwimmen, und in der Taxibranche zwischen Fahrer und Gefahrenem, verwischen in der Strombranche die Grenzen zwischen Produzent und Verbraucher“, sagte VSE-Präsident Kurt Rohrbach in seiner Eröffnungsrede und stellte die Frage nach dem Gemeinsamen dabei. Eines sei klar, auch heute schläft man noch in einem Hotelbett, braucht ein Auto, was zeige, dass Assets nach wie vor unverzichtbar sind. Das Problem dabei sei ein gegenwärtiges Überangebot. Es müsse also im Stromsektor gezielter und marktnäher investiert werden. Die Herausforderung der Stromwirtschaft bestehe darin, „neue Geschäftsmodelle und Dienstleistungen zu finden, um ihre festen Werte – Strom, Anlagen und Netze – gewinnbringend zu vermarkten“. Wohin aber geht der Markt?

„Energiewelten“ 2035

Da die Herausforderungen aufgrund der hohen Komplexität des Umfelds quantitativ kaum belastbar zu bewältigen sind, hat der VSE einen deskriptiven, qualitativen Ansatz für seinen Blick in die Zukunft, speziell das Jahr 2035, gewählt. Diese Welten beschreiben aus heutiger Sicht vier extreme, aber vorstellbare Energiewelten: Trust World, gekennzeichnet durch Abschottung und nationaler zentraler Energieproduktion mit einer sicheren, zuverlässigen und bewährten Energieproduktion in der Schweiz; Trade World mit guter Vernetzung der Schweiz in Europa und zentralen Großkraftwerken, gekennzeichnet durch eine preiswerte und verlässliche Energieversorgung; Local World mit Produktion nach dem Motto „Energie aus dem Quartier für das Quartier“ und schließlich Smart World mit starker europäischer Vernetzung der Schweiz und mit auf wirtschaftlicher erneuerbarer Energie und Speichern beruhender Stromversorgung, in der Apps und Tools das Leben leichter machen. Welche dieser Welten am wahrscheinlichsten ist, lässt sich heute keineswegs sagen. Der VSE geht von einer Kombination aus und wird das Werk jährlich fortschreiben, damit eine qualitative Orientierungshilfe für die Politik und die Strategiebildung in den Unternehmen vorliegt.

Was die Verhandlungen über ein Stromabkommen mit der EU anbelangt, herrscht Funkstille. Benoît Revaz, Direktor des Bundesamtes für Energie warnte davor, dass die Schweiz keine Energieinsel sei und der Stromaustausch mit den EU-Nachbarn täglich stattfinde. Wichtig sei es, neue, marktbasierte Modelle zu entwickeln, welche die Interessen der Marktteilnehmer optimal berücksichtigten.

Energie im Kontext der Nachhaltigkeit

Vielbeachtet war der Vortrag „Energie im Kontext der Nachhaltigkeit“ des in Zürich geborenen Ko-Präsidenten des Club of Rome (seit 2012), Prof. Dr. Ernst Ulrich von Weizsäcker. Bei der Erledigung der Hausaufgaben im Rahmen des Paris-Abkommens sieht man schon heute, dass es auch in der neuen regenerativen und dezentraleren Energiewelt Probleme gibt, insbesondere mit Naturschutz und Raumordnung. Ein Ausweg besteht darin, den Energiebedarf neu zu definieren, stark auf Energieeffizienz zu setzen, und zu zeigen, dass dieser Weg ohne große Wohlstandsverluste umsetzbar ist. Hierzu empfiehlt er, die Energie- und Rohstoffpreise parallel zu den Effizienzgewinnen anzuheben.

Weitere Höhepunkte waren der Vortrag des Generalsekretärs des World Energy Council, Christoph Frei, über neue Energierealitäten und die Bewältigung der Großen Wende, eine Diskussion von Nationalräten aus sechs verschiedenen Parteien über die zukünftige Energiepolitik sowie die Elevator Pitches von drei Schweizer Startups zu den Themen Crowdfunding für Solardächer, Bitcoins für die breite Masse sowie Gebäude-Applikationen als Perspektiven für Energieversorger.

„et“-Redaktion/FL

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