Mittwoch, 16. August 2017
-   Bericht aus Brüssel
Debatte über den Energiefahrplan 2050

Sabine Froning

Bericht aus BrüsselDer Minister für Handel, Industrie und Tourismus, Neoklis Sylikiotis, zuständig auch für das Energieportfolio, präsentierte Anfang Juli in Brüssel vor dem Ausschuss für Industrie, Forschung und Energie (ITRE) die energiepolitischen Prioritäten seines Ministeriums während der zypriotischen Präsidentschaft. Nachdem mit der Einigung über die Energieeffizienz-Richtlinie eines der größeren Dossiers mehr oder weniger abgeschlossen ist, beschränken sich diese primär auf die Förderung der transeuropäischen Energieinfrastruktur sowie die Sicherheit der Offshore-Exploration, Prospektion und Öl- und Gasförderung. Des Weiteren sprach er über die Bedeutung des „Energy Star“-Kennzeichnungsprogramms, um das Ziel von 20 Prozent Energieeinsparung bis 2020 zu erreichen. Hinsichtlich der Marktdurchdringung erneuerbarer Energiequellen wies Sylikiotis darauf hin, dass es an der Zeit sei, die politischen Optionen und Ziele für das Jahr 2030 zu untersuchen. Die Europäische Kommission hatte hierfür bereits Optionen aufgezeigt.

Parlamentarier debattieren über die EU Energy Roadmap

Auch wenn der Rat seine Schlussfolgerungen schon verabschiedet hat, wollten die Europarlamentarier nicht auf eine Debatte über den Energiefahrplan 2050 verzichten und mit einem Initiativbericht zum Thema Zeichen setzen. Mitte Juli eröffneten sie die Debatte. Der Schwerpunkt lag auf der Frage nach neuen Zielsetzungen für 2030. Berichterstatterin Niki Tzavela betrachtet dabei wie auch die Kommission den Ausbau erneuerbarer Energien und der Infrastruktur sowie die Energieeffizienz als „Optionen ohne Reue“. Im Hinblick auf die Investitionssicherheit müsse ein Konsens über die künftigen Rahmenbedingungen geschaffen werden. Einige Parlamentarier, darunter der deutsche EVP-Abgeordnete Herbert Reul, setzten sich dafür ein, die drei 20–20–20 Ziele durch ein alleiniges CO2-Reduktionsziel zu ersetzen, während sich die Schattenberichterstatter der sozialistischen Gruppe, der Grünen und der Liberalen, sich für die Beibehaltung eines Ziels für erneuerbare Energien aussprachen. Die Berichterstatterin des Umweltausschusses, die Rumänin Romana Jordan Cizelj erinnerte daran, dass die Roadmap weiter verbessert werden müsse, um auch dem Wärme- und Kältemarkt besser Rechnung zu tragen. Andere Abgeordnete hoben hervor, dass nicht nur Großprojekte sondern auch lokale Lösungen gefördert werden müssen. Sie alle können sich nun über in der Sommerpause an Änderungsanträge zum Berichtsentwurf von Niki Tzavela machen. Die Abstimmung des Berichts im Plenum soll im Januar 2013 erfolgen.

Die Europäische Kommission hat grünes Licht für vorübergehend kostenlose Zertifikate für Kraftwerke in Bulgarien, Polen, Rumänien und der Tschechischen Republik gegeben. Im Mai hatte die Kommission bereits die Anträge Zyperns, Estlands und Litauens genehmigt. Bei den Beschlüssen stützte sich die Kommission auf Vorschriften, die für bestimmte Mitgliedstaaten Ausnahmen von der allgemeinen Regel vorsehen, wonach der Energiesektor ab 2013 alle Zertifikate ersteigern oder auf dem Markt erwerben muss. Nach der Änderung der Emissionshandelsrichtlinie im Jahr 2009 hatten zehn Mitgliedstaaten die Möglichkeit, vorübergehend eine Befreiung von der Vorgabe zu beantragen, dass im Energiesektor ab 2013 alle EU-EHS-Zertifikate über Versteigerungen zugeteilt werden. Im September 2011 beantragten acht dieser Mitgliedstaaten vorübergehend kostenlose Zertifikate. Insgesamt werden in den sieben Ländern, deren Anträge bereits genehmigt wurden, etwa 673 Millionen Emissionszertifikate im Zeitraum 2013 bis 2020 kostenlos zugeteilt. Die Zahl der Zertifikate wird jedes Jahr reduziert. Die Mitgliedstaaten werden strenge Überwachungs- und Durchsetzungsvorschriften einführen, um dafür zu sorgen, dass dem wirtschaftlichen Wert dieser Zertifikate ein mindestens ebenso hoher Betrag für die Modernisierung ihrer Stromerzeugung gegenübersteht. Die Beurteilungen des ungarischen und des polnischen Antrags stehen noch aus und werden in Kürze abgeschlossen.

Mehr finanzielle Mittel für die Initiative „Intelligente Städte und Gemeinschaften“

Fast drei Viertel der Menschen in Europa leben in Städten, und auch 70 Prozent des Energieverbrauchs in der EU fallen dort an. Daher möchte die Europäische Kommission mit der Gründung einer Europäischen Innovationspartnerschaft für Intelligente Städte und Gemeinschaften („Smart Cities and Communities“) die Entwicklung intelligenter städtischer Technologien vorantreiben. Dazu sollen Forschungsressourcen in den Bereichen Energie, Verkehr und Informations- und Kommunikationstechnologien (IKT) gebündelt und auf eine begrenzte Zahl von Demonstrationsprojekten konzentriert werden, die in Partnerschaften mit Städten umgesetzt werden. Ins Leben gerufen wurde die Initiative „Intelligente Städte und Gemeinschaften“ bereits 2011. Für das erste Jahr (2012) wurden ihr Mittel in Höhe von 81 Millionen Euro zugewiesen, die ausschließlich für die Bereiche Verkehr und Energie bestimmt sind. Gefördert werden Demonstrationsprojekte in einem dieser beiden Sektoren, Kombinationen der beiden Bereiche sind jedoch bislang nicht vorgesehen. Ab 2013 werden die Mittel auf 365 Millionen Euro erhöht. Das Programm deckt nun nicht nur die Bereiche Energie und Verkehr, sondern auch die Informations- und Kommunikationstechnologien ab. Alle geförderten Demonstrationsprojekte müssen nun einen Zusammenhang mit allen drei Bereichen aufweisen.

Service
   Heftbestellung / Abo
   Termine
   „et“ online lesen
   Shop
   Verlagsverzeichnis
   Jahresinhalte
   Mediadaten
   "et" für Autoren
   Kontakt

Energiekarriere

Das neue Karrieremagazin energiekarriere jetzt kostenlos lesen!
Energiekarriere
Online lesen
Download als PDF


Sommer-Special 2017

Intelligente Energieinfrastruktur

Jahrgangs-CD

Suche

Aktuelles Heft
Inhalt der Ausgabe 8/2017
Schwerpunkt: E-Mobility
IT: Das Interimsmodell – Herausforderungen für die Marktteilnehmer
Elektromobilität: Green Fuels als Ergänzung; Koordinierung mit erneuerbaren Energien
Zukunftsfragen: Smart Energy zur Flexibilisierung und Verbrauchssenkung
mehr...
 
EW Medien und Kongresse GmbH
Montebruchstraße 20 | D-45219 Essen | Telefon: +49 (02054) 9532-0 | Telefax:  +49 (02054) 9532-60

Aktuelles Heft  | Zukunftsfragen  | Topthema  | Weitere Themen  | Termine  | Heftbestellung  | Mediadaten  | Ansprechpartner

Copyright 2012 by ONexpo  |  anmelden  |  Impressum |  AGB