Freitag, 20. Juli 2018
-   Der Kommentar
Wäre keine Netzregulierung besser – für UK ?

Sara Knight

Der et KommentarDeutschlands Energiewelt beobachtet zurzeit ein Scharmützel zwischen Verteilnetzbetreibern und Bundesnetzagentur. Am 17. Januar behandelte das Oberlandesgericht Düsseldorf die Beschwerde von etwa 1.100 Netzbetreibern gegen die von der Bundesnetzagentur im Oktober 2016 festgelegte Höhe der Zinssätze, mit denen Strom- und Gasnetzbetreiber ihr in die Netzstruktur investiertes Eigenkapital rechnerisch für der nächste Regulierungsperiode verzinsen dürfen: 6,91 Prozent in Vergleich zur gegenwärtige 9,05 Prozent für Neuinvestititonen und 5,12 Prozent von jetzt 7,14 Prozent für Altanlagen im Zeitraum 2019 bis 2023 für Strom-, und 2018 bis 2022 für Gasnetzbetreiber.

„Oh dear“, könnten auch britische Netzbetreiber zu den vorgeschlagenen Zinssätzen bemerken: „so wenig ?“ Die Netzregulierung der National Grid und 14 Verteilernetzfirmen - Distribution Network Operators DNOs – wird RIIO genannt: Revenue set with Incentives for delivering Innovation and Outputs (Erlöse = Anreize + Innovationen + Ziele/Ergebnisse), eingeführt in 2013 für alle Gas- und Stromübertragungsnetzbetreiber, und in 2015 für Stromverteilnetzbetreiber. Eine Schüsselinnovation der RIIO sollte der Fokus auf Outputs – ob das Netz zuverlässig funktioniert, ob Kunden mit Serviceleistungen zufrieden sind usw. – und nicht der Inputs sein. Eine weitere Änderung war die Erweiterung der Regulierungsperiode von fünf auf acht Jahre. RIIO-Regulierung verlangte von National Grid und jedem DNO einen Business Plan 2015-2023, der zeigt, wie und zu welchen Kosten sie die vom Regulator Ofgem erwünschten Outputs erreichen werden. Nachdem der Plan akzeptiert wurde, legte Ofgem bilateral für jeden Netzbetreiber eine Erlösobergrenze auf Basis der Plankosten fest. Ein Bonus-Malus-System hebt oder reduziert die Erlösobergrenze - ein guter, realistischer und deswegen von Ofgem schnell akzeptierter Businessplan bringt z.B. ein Plus von 2,5 Prozent. Insgesamt können sich die Boni auf 6,5 Prozent des erlaubten Basiserlöses addieren. Für die DNOs scheint die Regulierung bestens zu funktionieren. Die Rendite auf das regulatorische Eigenkapital liegt für DNOs bei 7,2-11,6 Prozent, für Übertragungsnetzbetreiber bei 9,4-11,5 Prozent. Der Durchschnitt liegt für die DNOs für den Achtjahreszeitraum bei 9 Prozent, für die Übertragungsnetzbetreiber bei 10,2 Prozent.

Diese Höhe war nicht ungewollt. Wie Ofgem mitteilte, war die Absicht bei RIIO-1, dass Firmen mit Bestleistungen eine niedrige zweistellige Eigenkapitalverzinsung erreichen können. Die Schlechtesten würden dann nicht mehr als ihre Fremdkapitalkosten verdienen. In der Praxis aber ist die Mehrheit der Netzfirmen dabei, „starke Erlöse am oberen Ende unsere Erwartungen in jedem Sektor zu erreichen,“ muss Ofgem inzwischen gestehen. Die Verbraucherorganisation Citizens‘ Advice Bureau (CAB) äußerte sich besonders kritisch. Ofgems Anreizsystem sei „fundamental asymmetrisch“ zum Vorteil der Firmen. Ihre Analyse ergibt, dass, summiert über die 8-Jahre Regulierungsperiode, Verbraucher um die 7,5 Milliarden £ zu viel zahlen werden. Es bleibt eine offene Frage für die CAB, ob Energienetzfirmen „jemals und überhaupt“ zweistellige Rendite verdienen dürften. Sie argumentiert, Energienetzfirmen machen grundsätzlich risikoarme Geschäfte – deswegen wären zweistellige Renditen unangemessen, auch wenn es um außergewöhnliche Leistungen geht. De Facto beklagt die Organisation, RIIO-Anreize resultieren „in hervorragenden Belohnungen für durchschnittliche Leistung.“ Regulierer Ofgem erkennt inzwischen die Probleme und plant Verbesserungen, die allerdings erst in 2021 und 2023 zur Geltung kommen. Und brachte im Sommer 2017 einen Konsultationsprozess für RIIO-2 ins Rollen. Ein ausgearbeitetes Konsultationsdokument wird im ersten Quartal 2018 erwartet, gefolgt von einem Entscheidungsdokument in Q2 2018. Leider werden Verbraucher in der Zwischenzeit bis 2021 und 2023 wahrscheinlich weiterhin erhöhte Netzkosten zahlen. Eine schlechte Nachricht für die Politik, da ein Ziel der Regierung Theresa May lautet: UK-Haushalte und Wirtschaft sollten die niedrigsten Energiekosten in Europa haben.

Zu diesem Zweck wurde eine unabhängige Überprüfung der UK-Energiestrategie bei Professor Dieter Helm (University of Oxford) beauftragt, die vorschlagen soll, wie Kosten des Stromsystems langfristig reduziert werden können, während gleichzeitig UK seine Klimaziele erreicht. Ein Fazit seiner Analyse mit dem Titel „Cost of Energy Review“ (veröffentlich im Oktober 2017 und konsultiert bis 5. Januar 2018) lautet, die RIIO-Regulierung sollte nicht in ein RIIO-2 aktualisiert werden, sondern komplett abgeschafft werden. Stattdessen soll ein neuer staatlicher National System Operator und regionale System Operators Auktionen für die notwendigen Netzdienstleistungen organisieren. Weiter sollten die separaten Lizenzen für Erzeugung, Verkauf und Netzbetrieb zu einer einzigen Lizenz zusammengeführt werden, um Wettbewerb zwischen Verkauf, Netz und Lastmanagement zu stärken.

Es gibt viele Möglichkeiten im Markt, durch Auktionen die Kosten eruieren zu lassen, die besser sind als wenn Ofgem versucht, sie vorherzusagen. Eine bessere Vorgehensweise wäre deswegen, „einfach zu akzeptieren, dass Vorhersagen ein hoffungsloses Unterfangen sind.“ Jede neue RIIO- Preisformel würde „wahrscheinlich zusammenbrechen“. Besser wäre es „eine Position der weitgehenden Ignoranz einzunehmen als zu versuchen, Totex (Capex plus Opex) für die nächsten 10 Jahre vorher zu sagen.“ Geht UK neue Wege, nach dem Motto „Besser keine Regulierung als eine schlechte Regulierung“? Es sieht nicht so aus – Ofgem‘s Machinerie zur Entwicklung eines RIIO-2 ist bereits voll im Gange.

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