Samstag, 29. April 2017
-   Editorial
Die Unvollendete

Liebe Nutzerin, lieber Nutzer

Franz Lamprecht - Stellv. Chefredakteur der „et“das Thema Stromnetze ist ein Dauerbrenner in der energiepolitischen Diskussion, immer öfter erweisen sie sich als Nadelöhr. Neben Problemen bei der Anbindung von Offshore-Windparks und fehlender Nord-Süd-Übertragungskapazität haben auf der Verteilungsebene Netzbetreiber zunehmend mit der Einbindung fluktuierender regenerativer Erzeugung zu kämpfen.

Es zeigt sich immer mehr, dass die Komponisten der Energiewende in Berlin eine energiepolitische Symphonie entgegen der ursprünglichen Bedeutung des Begriffs geschaffen haben, die zwar weltweit berühmt, ansonsten aber unausgewogen und ersichtlich unvollendet ist. Von Harmonie kann keine Rede sein, Hauptthema (erneuerbare Erzeugung) und Seitenthema (Netze) passen allein schon vom Tempo her nicht zueinander. Ändert sich nichts, dann kommt statt einer Auferstehungs- eher eine tragische Symphonie heraus. Und dem Publikum droht, immer höhere Eintrittspreise für immer bescheidenere Orchesterdarbietungen zahlen zu müssen.

Die gegenwärtige Crux aufzulösen ist ein Balanceakt zwischen Markt und Staat, wobei nach Letzterem immer häufiger gerufen wird. Dazu zählt (wieder) der Gedanke einer einheitlichen (staatlichen) Netzgesellschaft auf Übertragungsebene. Die von der Koalition Anfang März in Aussicht gestellte Umsetzung der Clusteranbindung von Offshore-Windparks im Laufe des Jahres und der zehnjährige Netzentwicklungsplan als Grundlage für den Bundesbedarfsplan sind wichtige Antworten, reichen aber sicherlich nicht aus. Zu überlegen wären weitere Schritte wie die Festschreibung systemkonformer Mindestanforderungen auf allen Stufen der Bereitstellungskette – und natürlich endlich ein investitionsadäquates Regulierungsregime.

Die genannten Herausforderungen im Verteilnetzbetrieb greifen wir im Titelblock dieser „et“-Ausgabe auf. Im Mittelpunkt steht neben der wachsenden Komplexität der Prozesse für den Netzbetreiber insbesondere durch neue Direktvermarktungsmöglichkeiten von Strom aus EEG-Anlagen die Frage, wer denn „Netz in Zukunft am besten kann?“ Die Antwortsuche sollte dem Netzgeschäft neue Impulse geben.

Eine interessante Lektüre wünscht Ihnen

Signatur Franz Lamprecht

Franz Lamprecht

Stellv. Chefredakteur „et“

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