Dienstag, 27. Juni 2017
-   Editorial
Hohe Kunst des Steuerns und Regelns

Liebe Nutzerin, lieber Nutzer,

Franz Lamprecht - Chefredakteur „et“das Energiekonzept der Bundesregierung sieht tiefgreifende Strukturver-änderungen vor, insbesondere auch die Entwicklung zu kleinteiligeren Versorgungskonzepten, mit Blick auf die Rolle großer Offshore-Windparks für die Energiewende, aber eben nicht nur. Bei dem im Bereich der Energiewirtschaft in der Vergangenheit politisch aufgeladenen Reizwort „dezentral“ geht es heute, dies gleich vorweg, um weitaus mehr als das Blockheizkraftwerk im Keller des Rathauses, das Windrad am Stadtrand oder die Photovoltaikanlage auf dem Schuldach. Smart Grids bzw. virtuelle Kraftwerke, die Verknüpfung und automatisierte Steuerung bzw. Regelung regenerativer und effizienter fossiler Anlagen, Speicher und schaltbarer Lasten, kommen der Sache schon näher.

Damit eine europäisch eingebundene, auf sehr viele Schultern verteilte Stromversorgung für die größte Volkswirtschaft Europas funktioniert, bedarf es auf absehbare Zeit zum einen eines stabilen und flexiblen Backups durch zentrale Systeme, zum anderen müssen adäquate Bottom-up-Konzepte greifen. Denn vor allem der aus den zunehmenden fluktuierenden Einspeisungen erwachsende Flexibilitätsbedarf bringt die bewährten Top-down-Steuerungen auf der Erzeugungs-, Netz- und Speicherseite an ihre Grenzen.

Eine einheitliche Definition der dezentralen Stromerzeugung gibt es nicht. Wie die Autoren im Titelblock dieser „et“ feststellen, besteht ein wichtiges Merkmal derselben darin, dass die Anlagen an die Verteilerebene angeschlossen sind oder für den Eigenverbrauch genutzt werden, was die Anlagengröße begrenzt. Eine Einschränkung auf bestimmte Erzeugungstechnologien lässt sich kaum durchhalten, denn es gibt, wie ebenfalls gezeigt wird, für dezentrale Versorgungskonzepte verschiedene Technologien – im Bereich der Erzeugung, der Last, des Netzausbaus und der Speicher.

Es geht auf dem Weg zu mehr Dezentralität im Stromsektor, soviel ist klar, um die hohe Kunst des Steuerns und Regelns. Vielleicht kann der Gedanke von Aristoteles, dem großen antiken Philosophen und Begründer der abendländischen Wissenschaft, „das Ganze ist mehr als die Summe seiner Teile“, die Aufgabe gedanklich gut umreißen. Heute, weit mehr als zwei Jahrtausende später, sind wir dank moderner Informations- und Kommunikationstechnik in der Lage, dies im Rahmen der Energiewende umzusetzen.

Eine anregende Lektüre wünscht Ihnen

Signatur Franz Lamprecht

Franz Lamprecht

Chefredakteur „et“

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