Samstag, 24. Juni 2017
-   Editorial
Veränderte Rollen

Liebe Nutzerin, lieber Nutzer,

Franz Lamprecht - Chefredakteur „et“der Ausbau der Erneuerbaren und die wachsende Dezentralisierung der Stromerzeugung stellen das Verteilnetz vor große Herausforderungen: 97 Prozent der erneuerbaren Energien sind daran angeschlossen. Der bislang kaum gesteuerte, millionenfache Ausbau kleiner Anlagen kam in seinem gewaltigen Umfang wohl für meisten Beobachter überraschend. Und so steht man ähnlich da wie in Goethes berühmter Ballade „Der Zauberlehrling“: „Die ich rief, die Geister, werd’ ich nun nicht los.“ Angesichts der vielen Nutznießer kann kaum verblüffen, dass bei der Reform des EEG keine radikale Wende stattfindet, ein „In die Ecke, Besen! Besen! Seid’s gewesen“ nicht möglich war.

Die EEG-Novelle deckelt zwar den Ausbau, aber trotzdem könnte sich in diesem Rahmen die bestehende erneuerbare Leistung innerhalb von zehn Jahren verdoppeln. Wie das integriert werden kann, ist, diplomatisch ausgedrückt, noch völlig offen. Denn schon heute platzt das Verteilnetz aus allen Nähten, stellt die neue Rolle des Einsammelns von dezentraler, fluktuierender Erzeugung so manchen Verteilnetzbetreiber vor große Probleme.

Im Titelblock dieser „et“ werden anhand eines Fallbeispiels strategische Überlegungen angestellt, wie Verteilnetzbetreiber ihre veränderte Rolle und neuen Handlungsfelder definieren und ausfüllen können. Sodann wird in einem Interview der regelbare Ortsnetztransformator, eine kostengünstige Alternative zum Netzausbau, vorgestellt und erläutert.

Zwar ist es erstrebenswert, möglichst viele Meter Kupfer durch intelligente Maßnahmen zu ersetzen. Doch auch bei einer solchen Ausgangslage ist klar, dass das Verteilnetz ausgebaut und ertüchtigt werden muss. Das ist leicht gesagt, aber schwer getan. Die Verteilnetzbetreiber stehen bei den dafür nötigen Investitionsentscheidungen vor den gewaltigen Hürden der Bürgerakzeptanz und regulatorischer Hindernisse: Konkret betrifft sie der sog. Zeitverzug in der Anreizregulierung. Dabei geht es darum, dass Investitionen in der Nieder- und Mittelspannung erst mit einem mehrjährigen Zeitverzug durch den Regulierer anerkannt werden.

Nicht zuletzt angesichts dessen muss auch die Anreizregulierung eine veränderte Rolle einnehmen und Investitionsanreize stärker in den Mittelpunkt stellen, natürlich unter Aufrechterhaltung der Kosteneffizienz. Dabei darf auch darüber nachgedacht werden, inwiefern die Systematik der Stromnetzentgelte noch zeitgemäß ist.

Eine anregende Lektüre wünscht Ihnen

Signatur Franz Lamprecht

Franz Lamprecht

Chefredakteur „et“

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