Samstag, 29. April 2017
-   Editorial
Back-Up für „Dunkelflauten“ sichern

Liebe Nutzerin, lieber Nutzer,

Franz Lamprecht - Chefredakteur „et“nach der EEG-Novelle ist vor dem neuen Strommarktdesign. Denn das hausgemachte Problem der Stromwende, dass auch modernste Gas- und Kohlekraftwerke kaum noch ein wirtschaftliches Auskommen haben, wird immer drängender. Grund für die Misere ist die Regelung, dass die Erneuerbaren mit Brennstoffkosten nahe Null vorrangig ins Netz einspeisen, mit der Folge stark reduzierter Einsatzzeiten für konventionelle Erzeugungskapazitäten und drastisch gesunkener Verdienste. Kraftwerksstilllegungen und hinausgeschobene Neuinvestitionen sind die Konsequenz.

Dabei sind diese Anlagen eine auf absehbare Zeit unverzichtbare Versicherung insbesondere gegen sog. „Dunkelflauten“, wenn weder die Sonne scheint, noch der Wind weht. Angesichts dieser Lage ist die konzentrierte, ergebnisorientierte Diskussion über einen neuen Strommarktrahmen überfällig. Unabhängig davon, ob sich die Politik am Ende für eine Weiterentwicklung des bestehenden Energy-Only-Marktmodells oder für Kapazitätsmechanismen mit marktwirtschaftlichen Elementen entscheidet, die Bereitstellung gesicherter, ständig verfügbarer und effizienter Stromerzeugungskapazitäten muss für die Betreiber die Chance bieten, im Geld zu sein.

Diese Punkte sind es, die im Titelblock dieser „et“ kontrovers aufgegriffen werden. Zum Thema trägt auch der Vorschlag, eingebettet in generelle Überlegungen zu „Wettbewerbsperspektiven für den Strommarkt in der Energiewende“ in der Rubrik Zukunftsfragen, bei, dies über ein spezielles Energiehandelsprodukt umzusetzen. In derselben Rubrik finden Sie auch das Interview mit dem Vorsitzenden des Wissenschaftlichen Beirats beim Bundesministerium für Wirtschaft und Energie, Achim Wambach, mit prägnanten Vorschlägen für eine wirksame Klimapolitik.

Um diese, das zeigt der dort ebenfalls abgedruckte aktuelle „Energiewende-Index Deutschland 2020“ von McKinsey, ist es nicht gut bestellt. Es zeichnet sich ab, dass wichtige Zwischenziele der Energiewende für 2020 – Senkung des Primärenergieverbrauchs um 20 % gegenüber 2008 und Reduktion der CO2-Emissionen um 40 % gegenüber 1990 – verfehlt werden. Eine Aufholjagd erscheint unrealistisch. Um Fehlsteuerungen zu vermeiden und politischer Unglaubwürdigkeit vorzubeugen, ist eine Neujustierung von ambitionierten, aber realistischen Zielen und Maßnahmen sinnvoll.

Eine anregende Lektüre wünscht Ihnen

Signatur Franz Lamprecht

Franz Lamprecht

Chefredakteur „et“

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