Donnerstag, 27. April 2017
-   Editorial
Die digitale Welle reiten

Liebe Nutzerin, lieber Nutzer,

Franz Lamprecht - Chefredakteur „et“auf dem Weg in eine dezentralere und vernetztere Energiewelt spielt Digitalisierung eine Schlüsselrolle. Im Mittelpunkt steht das Internet der Dinge. Fluchtpunkt des Ganzen ist die digitale Vision. Ein Beispiel dafür liefert der populäre amerikanische Zukunftsforscher Jeremy Rifkin. Für diesen Bestsellerautor geht es langfristig um ein weltumspannendes „Super-Internet der Dinge“, das Energie, Kommunikation und Logistik miteinander verwebt. Konsequenz davon sei, dass, wenn die Infrastruktur einmal gebaut ist, die Grenzkosten vieler Produktionsprozesse auf nahezu Null sinken. Das wäre eine komplett neue Form des Wirtschaftens, denn ohne Grenzkosten kein Gewinn.

Soweit wird es wohl nicht kommen, der moderne transatlantische Prophet macht die Rechnung meist ohne einen mächtigen Spieler, die Politik. Die deutsche Volkswirtschaft hinkt bei der digitalen Durchdringung hinterher. Das hat die Regierung verstanden und unter anderem Anfang letzten Jahres den ständigen Bundestagsausschuss „Digitale Agenda“ ins Leben gerufen, der entscheidende Weichen für den digitalen Wandel stellen soll.

Smart Meter und intelligente Messsysteme als zentraler Schnittpunkt zwischen Energie- und Datenwelt sind der Einstieg in die zukünftige Energiewelt. Nach einer langen Warteschleife wurden im Februar dieses Jahres endlich Eckpunkte für das Verordnungspaket „Intelligente Netze“ vorgelegt. Demnach zeichnet sich hierzulande eine nach Technologie und Verbrauchsgruppen gestufte Markteinbringung der intelligenten Messsysteme ab, die 2017 beginnen und 2032 abgeschlossen sein soll.

Für die Energieversorger und Dienstleister kommt es darauf an, wie auf unserem Titel angedeutet, die digitale Welle zu reiten. Konkret heißt das, dadurch die Beschaffung zu optimieren, die Kundenbedürfnisse zu antizipieren und dabei volatile Einspeisung und Verbrauch auszubalancieren. Im Titelschwerpunkt dieser „et“ wird gezeigt, dass Smart Meter als Grundstein eines Smart Market nur funktioniert, wenn die wesentlichen Marktakteure – Politik, Industrie, Endkunden – im Kräftegleichgewicht sind; und erläutert, dass der Aufbau einer komplexen Prozess- und IT-Infrastruktur dafür schon heute in Angriff genommen werden muss.

Eine anregende Lektüre wünscht Ihnen

Signatur Franz Lamprecht

Franz Lamprecht

Chefredakteur „et“

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