Montag, 20. November 2017
-   Editorial
Gemischte Aussichten

Liebe Nutzerin, lieber Nutzer,

Franz Lamprecht - Chefredakteur „et“die Perspektiven für die Wärmeversorgung sind gemischt. Einerseits müssen im Transformationsprozess auch im Wärmemarkt Effizienz und Einsatz von erneuerbaren Quellen forciert sowie für mehr Flexibilität dieser mit dem Strommarkt verknüpft werden. Eine neue Studie im Rahmen des Projektes „SolnetBW“ zeigt zum Beispiel, dass Nah- und Fernwärmenetze in Baden-Württemberg bis zu einem Anteil von 15 Prozent mit solarthermischer Energie gespeist werden können. Und im Bereich von Wärmenetzen sorgen erste Wärmespeicher für eine Entkoppelung von Strom- und Wärmeproduktion und damit für mehr Wirtschaftlichkeit.

Andererseits ist die gegenwärtige Lage für die vorwiegend auf Kraft-Wärme-Kopplung (KWK) basierende Fernwärmeversorgung angespannt. Viele der Bestandsanlagen sind aufgrund der niedrigen Börsenstrompreise nicht im Geld. Die Energiewendeziele sorgen langfristig dafür, dass es durch den Zubau erneuerbarer und den Rückbau thermischer Stromerzeugung begrenzte Wachstumsperspektiven für die KWK gibt. Dennoch bieten sich Einsatzmöglichkeiten in den Städten, wo die erneuerbaren Energien eben nicht so breit eingesetzt werden können wie anderswo.

Im Titelschwerpunkt dieser „et“ wird gezeigt, wie unter solchen Voraussetzungen die KWK-basierte Fernwärmeversorgung auch in Zukunft wirtschaftlich und ökologisch sinnvoll eingesetzt werden kann. In einem Interview mit einem Objektversorger wird auch diese, im Transformationsprozess bedeutsamer werdende Perspektive dargestellt. Schließlich ist der ausführliche Rechtsartikel zur „Umsetzung der EU-Effizienzrichtlinie durch die KWK-Kosten-Nutzenverordnung“ von Interesse, deren Einpassung in das Energiewirtschaftsrecht neue Fragen für die Rechtsauslegung und -anwendung aufwirft.

Die jüngsten Energiewende-Eckpunkte der Regierungskoalition bringen für die KWK Licht und Schatten, indem sie die Not bei Bestandsanlagen auf Gasbasis lindern, andererseits aber das ursprüngliche Ausbauziel real senken wollen. Das Weißbuch zum Strommarkt 2.0 sieht in der KWK einen wesentlichen Baustein für die Integration des städtischen Strom- und Wärmesektors – auch die weiteren Aussichten für die KWK-basierten Wärmenetze sind durchwachsen.

Eine interessante Lektüre wünscht Ihnen

Signatur Franz Lamprecht

Franz Lamprecht
Chefredakteur „et“

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