Montag, 29. Mai 2017
-   Editorial
Knifflige Frage

Liebe Leserin, lieber Leser,

sie ist hierzulande so selbstverständlich, dass man sie erst wahrnimmt, wenn sie fehlt und buchstäblich die Lichter ausgehen und Heizungen kalt bleiben: Versorgungssicherheit ist ein hohes Gut und bildet gemeinsam mit der Wirtschaftlichkeit und der Umweltverträglichkeit eines der zentralen energiepolitischen Ziele. Nur selten bietet die im internationalen Vergleich hohe Zuverlässigkeit im Alltag konkreten Anlass für Diskussionen.

Im Systemtransformationsprozess der Energiewende kommt jedoch im Strombereich zunehmend Volatilität ins Spiel. Die asynchrone Entwicklung von fluktuierend einspeisenden erneuerbaren Energieanlagen und verschiedenen Flexibilitäten, insbesondere des schleppenden Netzausbaus, erhöht über den wachsenden Redispatchbedarf das Fehlerrisiko schon heute.

Versorgungssicherheit bei Energie hat viele Facetten, zeitliche und räumliche. In breiter Form gedacht, geht es bei diesem Thema heute um die Verwundbarkeit kritischer Infrastrukturen. Die Antwort darauf heißt „Resilienz“. Gemeint ist die Fähigkeit von Systemen, Störungen abfangen und egalisieren zu können – damit das Energiesystem dauerhaft stabil bleibt. Das ist in Zeiten abrupter energiepolitischer Richtungswechsel wichtiger denn je.

„Der Kopf ist rund, damit das Denken die Richtung wechseln kann“, bemerkte der französische Künstler Francis Picabia. Das gilt einmal mehr für die Versorgungssicherheit, verstanden als Energiesicherheit. Im Titelblock dieser „et“ wird zum einen dieser Komplex neu fokussiert, ein strategisches Gesamtkonzept entwickelt und daraus notwendige Systemeigenschaften abgeleitet; zum anderen wird untersucht, welche Einsparpotenziale bei den Kosten der Versorgungssicherheit durch eine stärkere Kooperation beim Strom in Europa erschließbar sind.

Es gilt, die knifflige Frage, wieviel Sicherheit es denn sein soll (und was sie kosten darf), bei größeren Veränderungen in einem gesellschaftlichen (und politischen) Aushandlungsprozess immer wieder neu zu beantworten. Gelingt dies nicht, können Akzeptanz und Opferbereitschaft rund um die Energiewende darunter leiden.

Eine anregende Lektüre wünscht

Signatur Franz Lamprecht

Franz Lamprecht
Chefredakteur „et“

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