Freitag, 23. Juni 2017
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Ein Diskussionsbeitrag zur Ausgestaltung des Ampelkonzepts über dezentrale Flexibilitätsmärkte

Michael Gerecht und Fabian Wälter

Der Zubau erneuerbarer Energien in Verbindung mit einem verzögerten Netzausbau und regulatorischen Vorgaben, z. B. der Spitzenkappung nach §11 EnWG, führt systematisch und dauerhaft zu Engpässen im Übertragungs- und Verteilnetz. Aufgrund der hohen Entschädigungszahlungen bei Eingriffen in die Erzeugung von regenerativen Erzeugungsanlagen bietet es sich an, preisgünstigere Flexibilitäten auf der Erzeugungs- und Lastseite zu motivieren und ihren geplanten Einsatz netzdienlich anzupassen. Damit werden nicht nur Kosten beim Netzbetreiber eingespart. Über die Vergütungen wird zusätzlich ein kommerzieller Anreiz gegeben, vorhandene Anlagen überhaupt erst für einen flexiblen Einsatz zur Verfügung zu stellen. In einer nun abgeschlossenen Untersuchung wurden die wirtschaftlichen Potenziale analysiert und Ideen für ein Marktdesign entworfen.

Engpässe im Verteilnetz sind bereits heute betriebliche Herausforderung im Tagesgeschäft

Der Ausbau der Stromerzeugung auf Basis erneuerbarer Energien (EE) stellt eine Herausforderung für die Betriebsführung elektrischer Verteilnetze dar, weil diese historisch nicht darauf ausgelegt worden sind. Ende 2015 war in den Verteilnetzen eine kumulierte Leistung von etwa 88 GW angeschlossen – was einem Anteil von 94 % an der Gesamtleistung aller EE-Anlagen entspricht.

Die hohe dezentral installierte EE-Leistung führt zu Situationen, in denen die lokale Erzeugung den Verbrauch übertrifft, wodurch die überschüssige Energie in die vorgelagerten Netzebenen rückgespeist wird. Sobald dieser Leistungsfluss die vorhandene Netzkapazität in Übertragungs- oder Verteilnetzen überschreitet, muss zur Wahrung der Versorgungssicherheit teils erheblich in den Betrieb der EE-Anlagen eingegriffen werden (sog. Einspeisemanagement, siehe Abb. 1). Im Jahr 2015 bezifferte sich die Ausfallarbeit durch diese Eingriffe auf 4.722 GWh, die zu Ansprüchen auf Entschädigungszahlungen von 478 Mio. € führten.

Angesichts der langfristigen Zubauprognosen und der Verzögerung beim Netzausbau ist auch zukünftig keine Entschärfung dieser angespannten betrieblichen Situation zu erwarten. Durch die kürzlich verabschiedete Spitzenkappung werden regelmäßig auftretende Netzengpässe bereits als Planungsgrundsatz etabliert. Zusätzlich verschärfen sich die betrieblichen Herausforderungen der Netzbetreiber im Zuge der Energiewende weiter, z. B. durch die Entwicklung klassischer Konsumenten zu sog. Prosumern, die Einführung von Elektromobilität und anderen Speichern. Diese Veränderungen eröffnen aber perspektivisch auch Möglichkeiten für die Verteilnetzbetreiber, aktiv in den Lastfluss durch den Zugriff auf Flexibilitäten auf Netzkundenseite einzugreifen. In diesem Kontext wird als „Flexibilität“ die physikalische Fähigkeit verstanden, den Strombezug zu erhöhen bzw. die Erzeugungsleistung zu verringern.

Den vollständigen Artikel finden Sie in Ausgabe 5/2017

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