Sonntag, 18. November 2018
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Wie eine Cloud aus Versorgern Dienstleister macht


Michel Nicolai

Energiewende und Digitalisierung beschreiben nicht nur zwei Megatrends der Energiebranche, sondern vermutlich auch die größten Herausforderungen für Energieversorgungsunternehmen (EVU) in den kommenden Jahren. Wer sich hierfür die richtigen Partner zur Begleitung und Umsetzung sucht, wird den entscheidenden Schritt voraus sein, was Kundenservice und damit Marktanteile anbelangt. Ein Start-up aus Köln hat es sich zur Aufgabe gemacht, genau dieser Partner für EVU zu sein und sie mit seiner innovativen Cloudlösung in die digitale Energiezukunft zu begleiten. Und aus reinen Versorgern moderne Dienstleister zu machen.

Die e·pilot Cloud, die erstmals auf der E-world 2018 präsentiert wurde, ist eine echte Multi- Produkt-Plattform. Ziel ist es, die Zusammenarbeit aller Marktakteure, also EVU, Dienstleister, Hersteller und Endkunden, innerhalb der Energiewelt radikal zu vereinfachen. So erlaubt es die Softwarelösung, die Vermarktung, Steuerung und Abwicklung von Energieprodukten vollständig zu digitalisieren – und damit die Entwicklungszeiten von Innovationen enorm zu reduzieren: Was heute noch 9 bis 18 Monate dauert, ist in Zukunft eine Frage von wenigen Minuten – das begrenzt Zeit- und Kostenrisiken für EVU auf ein Minimum. Das Start-up richtet sein Angebot an alle Versorger, vom kleinen Stadtwerk bis zum großen Player, die bestehende und neue Energiedienstleitungen oder -produkte schnell, professionell und kosteneffizient digital vertreiben möchten.

Wie die Cloud funktioniert

EVU können mit wenigen Clicks sofort vermarktbare Produktwelten mit echtem Mehrwert für ihre Kunden generieren. Damit werden EVU zu hochattraktiven eCommerce- Anbietern für smarte Energiewelten – und das auch mit außergewöhnlichen Verknüpfungen: So können beispielsweise auch Produktangebote von Partnern wie dem Musik- Streamingdienst Spotify oder Anbietern aus dem Film- und Serienstreaming in Sekunden mit eigenen Stromtarifen kombiniert und als Bundles innerhalb des Webangebots des jeweiligen EVU vermarktet werden. Aber auch klassischere und sehr viel komplexere Energiewelten wie „Autarkes Wohnen“ können aus Einzellösungen wie Photovoltaik, Speicher, Ladestation und passender Stromflatrate kombiniert werden – und stehen sofort als stimmige Produktwelt digital für die Vermarktung bereit. Derzeit gibt es bereits die Themen Solar, Speicher, Ladeinfrastruktur, Gasheizung und Strom (Normal- oder Flatrate- Tarif) im Angebot (siehe Abb.).

Es wird nichts „auf Halde“ entwickelt. Neue Produkte und Features werden erst dann in die Überlegungen mit aufgenommen, wenn die e·pilot-Kunden sie wirklich brauchen und dann gemeinsam mit ihnen umgesetzt. Die Umsetzungsdauer ist dementsprechend schnell und dauert ca. zwei bis sechs Wochen. Aktuell sind die Produkte Breitband und Hausanschluss in Bearbeitung. Bis Ende des Jahres sollen, sofern der Markt es will, 20 bis 30 Produkte auf der Plattform angeboten werden.

So geht das Unternehmen beim Thema Bundling Wege, die es so heute noch nicht gibt. Zuvor scheiterte das noch an den komplexen Prozessen im Hintergrund: Schließlich ist hier das Zusammenspiel verschiedener Partner bzw. Gewerke gefragt, sodass das Endprodukt für den Kunden wie eine Alles-auseiner- Hand-Lösung des Versorgers aussieht. Diese Problematik bzw. Komplexität für EVU löst das Unternehmen. Damit vereinfacht es die Zusammenarbeit aller Marktpartner, die zur Erbringung von Produkten und Dienstleistungen in der Energiewelt zusammenarbeiten. Denn das Unternehmen bietet innerhalb der Cloudwelt ein großes Netzwerk aus Partnern, das durch die Community ständig erweitert wird. Durch einfaches „Partnering“ wie bei XING oder LinkedIn ist eine sofortige Zusammenarbeit über e·pilot möglich.

Und das funktioniert ganz einfach: Man kann seine eigenen Partner kostenlos zu e·pilot einladen oder per Suche Partner finden, die im Umkreis tätig sind. Zudem schlägt die Software auch geeignete Partner vor: Möchte ein EVU z. B. Smart-Home-Lösungen anbieten, ihm aber sowohl die Kontakte zu Herstellern als auch zu Elektrikern fehlen, die diese umsetzen können, zeigt ihm e·pilot die entsprechenden Kontakte automatisch an, sobald es nach dem Produkt sucht. Es ist auch möglich, in der Cloud zu definieren, welche Art von Zusammenarbeit man sucht: einen Full-Service-Partner oder nur jemanden, der den Vertrieb abdeckt. Diese Community wird mit jedem neuen EVU und Partner größer.

Erhöhter Komfort für die EVU-Kunden 

Die Überlegungen im Hintergrund haben natürlich auch direkte Auswirkungen auf den Komfort für EVU-Kunden: Das aufgeräumte Frontend im jeweiligen Versorger-Look and Feel führt den Kunden mit wenigen, einfach zu beantwortenden Fragen zum Wunschpaket – und schlägt sinnvolle Ergänzungen vor: Interessiert er sich zum Beispiel für das Thema Mobilität, fragt ihn die Cloud, ob er nicht den Strom für sein Auto selbst produzieren und zum Solar-Angebot geführt werden möchte. Und das alles kinderleicht: Durch die intuitiv zu bedienende Eingabe ist die Gefahr eingeschränkt, dass der Kunde bei zu langatmigen Nachfragen abspringt und die Anfrage verpufft. So ist das Zusammenstellen komplexer Energieprodukte so einfach wie Onlineshopping. Im Hintergrund werden die Abwicklungsschritte in e·pilot über intelligente Prozessstrecken geführt und alle eingebundenen Wunschpartner des EVU sinnvoll und kollaborativ in die Prozessabläufe integriert.

Für Endkunden arbeitet das Start-up zusätzlich auch an einem Endkundenportal, das im dritten Quartal 2018 veröffentlicht werden soll. Darin können Kunden wie in einem ganz normalen Onlinekonto arbeiten, Statusupdates einsehen, zu ihren Produkten weitere Informationen erhalten oder auch Störungen oder die derzeitige Energieproduktion bei vorhandenen Photovoltaikanlagen angezeigt bekommen. Für die EVU liegt hierin eine riesige Chance: Sie können neue Themen einfach via Kundenportal anteasern und die Kundenbetreuung auf eine neue Ebene bringen, was wiederum die Bindung festigt und die Innovationsbereitschaft des EVU unterstreicht. 

Echte Mehrwerte für Versorger 

Mit seiner Cloud und den darin verknüpften Angeboten will e·pilot den Erlös- und Margeneinbrüchen im Kerngeschäft der EVU neue Geschäftsfelder entgegensetzen. Denn ein hochinnovatives und regionales Produktportfolio, das optimal auf den bestehenden Kundenstamm zugeschnitten ist, verspricht mittelfristig mehr Erfolg als ein bundesweiter Strom- und Gasvertrieb. Dabei spielen die bestehenden Kundendaten der EVU eine wesentliche Rolle: Mit Unterstützung von e·pilot werden diese fortlaufend angereichert und qualifiziert, um sie künftig noch erfolgreicher nutzen zu können – so werden EVU in die Lage versetzt, ihr volles Marktpotenzial nutzbar zu machen. 

Produktseitig werden mit Pilotpartnern gerade die Themen Hausanschluss und Breitband umgesetzt. Zusätzlich soll die Cloud in den nächsten Monaten auch das Thema Billing unterstützen. Auch für das nächste Jahr hat man sich viel vorgenommen: e·pilot wird ein Ecosystem werden. Damit agiert das Unternehmen ganz anders, als es heute in der Energiewirtschaft oder bei Start-ups der ersten Generation der Fall ist. Diese sind nämlich eher daran interessiert, alles in der eigenen Lösung zu halten. Man möchte nur innerhalb des eigenen Systems agieren und sich abschotten, um Abhängigkeit zu erzeugen. 

Bei e·pilot ist man aber überzeugt: Die digitale Welt sieht anders aus. In der IT-Landschaft der Zukunft müssen alle Systeme miteinander kommunizieren können. Die Daten müssen dorthin transportiert werden, wo sie benötigt werden. Natürlich kann und wird nicht alles in der e·pilot Cloud bereitgestellt werden können; aber es soll Schnittstellen zu anderen Lösungen geben, um auch Teilprozesse übernehmen zu können. Nur so ist es möglich, echte Mehrwerte für Versorger anzubieten.

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M. Nicolai, CEO e·pilot GmbH, Köln
info@epilot.cloud

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