Samstag, 16. Februar 2019
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Wie zielführend sind regionalisierte Ausschreibungen für die Windenergie?


Paul Lehmann, Erik Gawel, Charlotte Geiger, Klaas Korte, Jan-Niklas Meier, Felix Reutter und Philip Tafarte
Bild: Adobe Stock

Die Windenergie wird bislang überwiegend im Norden Deutschlands genutzt. Zunehmend wird die Sorge geäußert, dass dieses regionale Ungleichgewicht die Systemintegration erneuerbarer Energien erschwert und die Erreichung nationaler und regionaler Ausbauziele gefährdet. Vor diesem Hintergrund prüfen die Regierungsfraktionen gegenwärtig die Einführung regionalisierter Ausschreibungen. Dieser Beitrag untersucht die Frage, wie zielführend dieser Vorschlag sein kann.

Der Ausbau der erneuerbaren Energien schreitet innerhalb Deutschlands mit unterschiedlichen Geschwindigkeiten voran. Das gilt insbesondere für die Windenergie an Land (aber auch für die Photovoltaik, siehe Abb. 1).


Abb. 1 Räumliche Verteilung der Nutzung von Windenergie und Photovoltaik vor und nach Einführung des Ausschreibungssystems

Von Anfang an wurden Windkraftanlagen schwerpunktmäßig im Norden Deutschlands aufgestellt. Seit die Höhe der Förderung der Windenergie im Erneuerbare- Energien-Gesetz (EEG) nicht mehr staatlich festgelegt, sondern im Rahmen von Ausschreibungen wettbewerblich ermittelt wird, droht sich dieser Trend weiter zu verstärken. In den ersten Ausschreibungsrunden haben Anlagen im Süden Deutschlands kaum Zuschläge erhalten (siehe Abb. 1). Politik und Wirtschaft sehen diese Entwicklung zum Teil kritisch. Michael Class, Vorstandsvorsitzender des Windkraft-Projektierers juwi AG, betonte das kürzlich in einem Standpunkt für den Tagesspiegel Background [1] und verwies auf einen entsprechenden Appell der deutschen Windindustrie [2]. Seine Hauptsorge: Der auf den Norden konzentrierte Ausbau der Windenergie verschärfe bestehende Netzengpässe zwischen Nord- und Süddeutschland. Zudem trüge die regionale Ungleichverteilung des Ausbaus zu Akzeptanzproblemen bei. Gleichzeitig würden bestehende Flächenpotenziale in Süddeutschland nicht genutzt, obwohl diese für die Erreichung der Energiewendeziele zwingend notwendig seien. Landespolitiker, vor allem aus Süddeutschland, schlagen in die gleiche Kerbe. Ihre Befürchtung: Unter den gegenwärtigen Rahmenbedingungen könnten sie möglicherweise ihre regionalen Energiewendeziele nicht mehr erreichen.

In Baden-Württemberg musste jüngst mit Blick auf die Ausschreibungsergebnisse für Windkraft sogar das Ziel, bis 2020 10 % des landesweit produzierten Stroms aus Windkraft zu erzeugen, gekippt werden [3]. So beklagt der baden-württembergische Umweltminister Franz Untersteller (Bündnis 90/Die Grünen): „Wenn die Kriterien so bleiben, dann wird die Windkraft in Baden- Württemberg schlicht und ergreifend ausgebremst“ [4]. Und die rheinland-pfälzische Umweltministerin Ulrike Höfken (ebenfalls Bündnis 90/Die Grünen) fordert: „[S]üdliche Bundesländer [dürfen] im Ausschreibungsverfahren nicht das Schlusslicht bilden“ [5].

Forderung nach regionalisierten Ausschreibungen für Windenergie

Vor diesem Hintergrund wird zunehmend eine Regionalisierung der EEG-Ausschreibungen gefordert. Damit soll erreicht werden, dass mehr Windkraftanlagen südlich von häufig auftretenden Netzengpässen gebaut werden. Im Appell der deutschen Windindustrie werden diese entlang der „Mainlinie“ verortet. Gelingen könnte das beispielsweise, indem separate Ausbaumengen für Nord- und Süddeutschland festgelegt und ausgeschrieben werden. Alternativ könnte man an einer gemeinsamen Ausschreibung festhalten, Gebote aus dem Süden aber durch Boni bevorteilen.

Eine entsprechende Bundesratsinitiative von Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz und Thüringen gab es bereits 2015 [6]. Auch im Koalitionsvertrag der aktuellen Bundesregierung wurde relativ allgemein festgehalten, dass für die Ausschreibungen ein Mindestanteil „südlich des Netzengpasses“ festgelegt werden soll [7]. Im Zuge der Verhandlungen über ein Energiesammelgesetz haben die Regierungsfraktionen Ende Oktober nun die Einrichtung einer entsprechenden Arbeitsgruppe beschlossen. Konkret soll diese den Vorschlag prüfen, „bei Wind an Land in den Ausschreibungen einen Süd-Bonus von 0,3 Cent/kWh zu vergeben“ [8]. Im aktuellen Appell der Windindustrie heißt es zu einer regionalisierten Ausschreibung: „Sie lässt sich einfach und effektiv ausgestalten und hat vernachlässigbare Effekte auf die EEG-Umlage“ [9]. Doch ist es tatsächlich so einfach?

Kosteneffizienz als Kernargument für regional neutrale Ausschreibungen

Zunächst ist zu bedenken, welche Ziele grundsätzlich mit der Einführung der Ausschreibungen verfolgt wurden. Neben einer besseren Steuerung der Ausbaumengen ging es vornehmlich auch darum, den Ausbau kostengünstiger zu gestalten. Durch den expliziten Wettbewerb von Bietern bzw. Standorten sollten insbesondere die Stromgestehungskosten reduziert werden. Diese sind maßgeblich von der Windhöffigkeit des jeweiligen Standorts abhängig. Da der Wind im Norden durchschnittlich stärker weht als im Süden, ist eine räumliche Ungleichverteilung beim Ausbau der Windenergie die logische Folge und genau im Sinne einer Minimierung der Stromgestehungskosten.

Ob die Umstellung von einer Festvergütung auf Ausschreibungen in der Realität tatsächlich zu einer nennenswerten Senkung der Stromgestehungskosten geführt hat, ist freilich umstritten [10]. Klar ist aber: Eine Regionalisierung der Ausschreibungen würde gerade diesem Ziel zuwiderlaufen. Kleinere Gebotszonen erhöhen zudem die Gefahr, dass strategisch geboten und Marktmacht ausgeübt wird.

Mehr Netzintegration durch regionalisierte Ausschreibungen?

Zweifellos ist eine regionale Verteilung der Windenergie, die allein unter dem Aspekt der Stromgestehungskosten optimiert wird, volkswirtschaftlich nicht effizient. Neben den Stromgestehungskosten müssen zusätzlich auch weitere volkswirtschaftliche Kosten des Windenergieausbaus berücksichtigt werden. Dazu gehören nicht zuletzt die langfristigen Kosten der Netzintegration von neuen Windenergieanlagen. Vor diesem Hintergrund kann es sinnvoll sein, dass Windenergie auch in bedeutsamem Umfang in Süddeutschland ausgebaut wird. Aber ist eine weitergehende Regionalisierung der Ausschreibungen dafür tatsächlich das richtige Instrument?

Zunächst sei daran erinnert, dass es im EEG schon jetzt Instrumente gibt, die zur Behebung der Netzengpassproblematik beitragen sollen. Dieses Ziel wurde insbesondere mit der Einführung des sog. Netzausbaugebiets verfolgt. Dieses legt eine Obergrenze für den Zubau der Windenergie in Norddeutschland fest. Damit erfolgt schon heute eine mengenmäßige regionale Differenzierung des Ausschreibungssystems [11]. Zum Netzausbaugebiet gehören bislang der nördliche Teil Niedersachsens, Bremen, Schleswig-Holstein, Hamburg und Mecklenburg-Vorpommern (vgl. Abb. 2). Zudem sind die Ausschreibungen durch das Referenzertragsmodell auch preislich bereits indirekt regional differenziert. Das Referenzertragsmodell gleicht bei Geboten Windertragsunterschiede teilweise aus – zumindest soweit Standorte mindestens 70 % des Referenzwindertrags aufweisen. Hauptanliegen des Referenzertragsmodells ist es, Überrenditen auf guten Standorten zu vermeiden. Gleichzeitig verbessert es aber auch die Wettbewerbschancen von relativ windschwachen Standorten im Süden Deutschlands.



Abb. 2 Netzausbaugebiet, potenzielle Standorte für Windkraftanlagen sowie entsprechender relativer Referenzvertrag

Wenn nun erkannt werden würde, dass die bisherigen Ansätze zur regionalen Steuerung im Sinne der Netzintegration nicht zielführend sind, könnte auch deren Anpassung erwogen werden. Sollte sich also beispielsweise herausgestellt haben, dass die Grenze des Netzausbaugebiets zu weit nördlich liegt und besser an der Main-Linie verlaufen sollte, dann könnte man dies auch schlicht durch eine Neueinteilung des Netzausbaugebietes lösen. Mithin ist nicht ersichtlich, dass es für die Lösung von Netzengpassproblemen unbedingt einer weiteren Regionalkomponente in den EEGAusschreibungen bedarf.

Grundsätzlich ist allerdings zweifelhaft, ob überhaupt mit einer simplen Aufteilung Deutschlands in zwei Ausschreibungszonen für die Windkraft konkrete Netzengpässe in Zukunft effektiv vermieden werden können. Dazu bedürfte es vermutlich einer viel kleinräumigeren Steuerung. Auch gibt es Alternativen zu regionalisierten Ausschreibungen: Beispielsweise könnte der räumliche Ausbau der Windenergie auch durch eine stärkere Beteiligung der Anlagenbetreiber an den jeweiligen Netzausbaukosten oder eine allgemeine Beteiligung von Stromerzeugern an regional zu differenzierenden Netzentgelten (G-Komponente) netzdienlicher gesteuert werden [12]. Generell sollte bei einem solchen Ansatz aber ein technologieübergreifendes und diskriminierungsfreies Instrumentarium für eine Netzengpassorientierte Standortsteuerung angestrebt werden. Netzengpässe sind nicht allein der Stromeinspeisung einer einzelnen Technologie geschuldet. Ein auf eine einzelne Technologie(gruppe) beschränktes Steuerungsinstrument wäre mithin ineffizient [13].

Darüber hinaus verbirgt sich hinter der Diskussion um eine Regionalisierung der EEG-Ausschreibungen der Gedanke, dass sich primär die Erneuerbaren an das bestehende Stromsystem anpassen müssen. Mittelfristig muss sich jedoch das Stromsystem auch an die Erfordernisse einer erneuerbaren Stromerzeugung anpassen – durch den intelligenten räumlichen Ausbau von Netzen, Speichern, flexiblen Reservekraftwerken und Nachfragemanagement.

Berücksichtigung regionaler Potenziale und Erneuerbaren-Ziele durch regionalisierte Ausschreibungen?

Als eher irreführend erweist sich das Argument, dass es regionalisierter Ausschreibungen bedarf, um die verfügbaren Flächenpotenziale in Süddeutschland zu nutzen (siehe etwa die potenziellen Standorte in Abb. 2). Es stimmt zwar: Sehr wahrscheinlich müssen auch Flächen in Süddeutschland in größerem Umfang bebaut werden, um die Energiewendeziele letztlich zu erreichen. Voraussetzung dafür ist jedoch zunächst, dass im Süden planerisch substanziell Flächen für die Windenergienutzung bereitgestellt werden. Dass dies nicht immer der Fall ist, zeigt das Beispiel Bayern (Stichwort 10H-Regelung). Insofern Flächen verfügbar sind, kann es dort in Zukunft auch mit dem gegenwärtigen Ausschreibungsregime zu einem Ausbau der Windenergie kommen. Damit ist jedenfalls zu rechnen, wenn die deutschlandweiten Ausschreibungsmengen adäquat fortgeschrieben und erhört werden und geeignete Standorte im Norden Deutschlands zunehmend knapp werden. Gunstlagen werden dann zuerst, Ungunstlagen zu höheren Preisen später genutzt.

Wird hingegen (zu Recht) beklagt, dass der deutschlandweite Ausbau der Windenergie nicht im notwendigen Maße erfolgt, muss eine Diskussion über die verlässliche Entwicklung und Höhe der Ausschreibungsmengen (und ggf. auch die Höchstpreise sowie die Leistungsfähigkeit des Instruments selbst) geführt werden, eine weitere Regionalisierung der Ausschreibungen hilft hier nicht weiter. Gegebenenfalls könnte jedoch eine Anpassung des Referenzertragsmodells geprüft werden. Ein maßgeblicher Anteil der Standorte im Süden Deutschlands weist nämlich Winderträge von unter 70 % des Referenzertrags auf (siehe Abb. 2). Für diese Standorte sieht das Referenzertragsmodell gegenwärtig keine zusätzlichen Anpassungen der Gebotswerte mehr vor.

Einwenden mag man, dass ohne regionalisierte Ausschreibungen einzelne Bundesländer gerade im Süden Deutschlands ihre selbst gesetzten Erneuerbaren-Ziele nicht erreichen können. Dann stellt sich jedoch die Frage, warum die von den Ländern gesetzten Ziele überhaupt maßgeblich für die bundesweite Verteilung der Windenergie sein sollten. Natürlich können die Länderziele durchaus legitime regionale Kosten- und Nutzenerwägungen des Windenergieausbaus widerspiegeln (etwa Überlegungen hinsichtlich regionaler Wertschöpfung, regionaler Schutzinteressen von Mensch und Umwelt, die nur regional angemessen bewertet werden können, Präferenzen für regionalen Klimaschutz).

Diese stehen aber potenziell in Konkurrenz zueinander und zu Erwägungen, die über die Ländergrenzen hinausgehen. So spielt eine unter Windhöffigkeit oder Netzintegration bundesweit optimierte räumliche Verteilung der Windenergie bei der Festlegung der Länderziele wohl eine eher untergeordnete Rolle. Gerade diese Kriterien müssen aber auch maßgeblich sein für die Ausgestaltung bundesweiter energiepolitischer Maßnahmen, wie die EEG-Ausschreibungen. Gewisse Reibungen zwischen den bundesweiten EEG-Ausschreibungen und der Länderpolitik sind damit unvermeidbar – sind sie doch schlicht Ergebnis von parallelen politischen Abwägungen auf unterschiedlichen räumlichen Skalen (Bundesebene vs. Landesebene). Die Forderung, dass die Bundespolitik die Erreichung von Länderausbauzielen für Windenergie in vollem Umfang gewährleisten muss, kann vor diesem Hintergrund ökonomisch jedenfalls nicht begründet werden.

Mehr Akzeptanz durch regionalisierte Ausschreibungen?

Darüber hinaus kann in Frage gestellt werden, ob mit einer regionalisierten Ausschreibung der Akzeptanz des Windenergieausbaus unbedingt ein Dienst erwiesen wird. Zwar kann sie zu einer regional gleichmäßigeren Verteilung von lokalen Kosten und Nutzen des Windenergieausbaus führen. Insoweit das als gerechter verstanden wird, kann sich die Akzeptanz der Energiewende insgesamt tatsächlich erhöhen (es sind aber auch andere Gerechtigkeitsvorstellungen denkbar).

Allerdings führt der Ausbau der Windenergie an windschwächeren Standorten im Süden Deutschlands notwendigerweise auch dazu, dass insgesamt mehr Anlagen benötigt werden, um die Energiewendeziele zu erreichen; Akzeptanzprobleme können sich dann auch verstärken. Außerdem zeigen wissenschaftliche Studien, dass die Akzeptanz von Windenergieanlagen nicht nur von deren räumlicher Verteilung abhängt, sondern maßgeblich von den Partizipationsmöglichkeiten im Planungs- und Genehmigungsverfahren oder der fi nanziellen Beteiligung und Kompensation der lokalen Bevölkerung. Akzeptanz braucht also zuvorderst lokale, nicht regionale Lösungen [14].

Risiken und Nebenwirkungen regionalisierter Ausschreibungen

Wie zielführend eine regionalisierte Ausschreibung tatsächlich ist, bleibt damit unsicher. Die möglicherweise begrenzten Nutzen müssen mit (ebenfalls kritisch zu prüfenden) möglichen Nachteilen abgewogen werden. Das gilt umso mehr, als beide maßgeblich von der letztlichen Ausgestaltung der Regionalisierung abhängen.

Die Wirkungen einer regionalisierten Ausschreibung werden insbesondere durch zwei Parameter bestimmt. Zunächst müssen Regionalzonen bestimmt werden (Anzahl und genauer Verlauf der Grenzen). Zudem muss festgelegt werden, auf welche Weise (Preis- oder Mengendifferenzierung) und wie stark zwischen den Zonen diff erenziert werden soll. Eine Schwierigkeit besteht dabei darin, dass die vorgebrachten Argumente für eine Regionalisierung (Netzintegration, Nutzung regionaler Potenziale, Erreichung der Länderziele, Akzeptanz) teils unterschiedliche Ausgestaltungen hinsichtlich dieser Parameter erfordern können. Die gleichzeitige Erreichung aller möglichen Ziele mittels eines Instruments wird daher kaum je möglich sein. Zudem ist zu erwarten, dass die Steuerungsparameter nicht allein unter Kosten- und Nutzenerwägungen ausgestaltet werden.

Eine Regionalisierung der Ausschreibungen eröffnet Politik und Wirtschaft immer auch Verhandlungsräume zur Durchsetzung ihrer jeweiligen regionalen Partikularinteressen. Was dann letztlich von den erhofften Vorteilen einer Regionalisierung übrig bleibt, ist unklar. Auch die Auswirkungen einer Regionalisierung auf Stromgestehungskosten und EEG-Umlage wären dann möglicherweise nicht mehr so gering, wie behauptet wird.

Fazit: Regionale Steuerung des Windenergieausbaus breit denken

Grundsätzlich gilt: Es bedarf mehr räumlicher Koordination beim Ausbau der Windenergie, wie auch beim Ausbau anderer Erzeugungstechnologien. Jedoch sollte man nicht reflexartig darauf verfallen, alle Koordinationsbedarfe allein durch Nachjustierungen im EEG-Förderregime lösen zu wollen. Wichtig wäre zunächst eine Verständigung darauf, welche Ziele mit dem EEG primär adressiert werden sollen – und welche nicht. Das zur Verfügung stehende Instrumentarium zur Erreichung der unterschiedlichen Ziele ist viel breiter und reicht von Anpassungen bei der regionalen Standortplanung und -genehmigung bis hin zur Weiterentwicklung von Strommarktdesign und Netzregulierung. Hier braucht es einen intelligenten und abgestimmten Instrumentenmix.

Beim EEG selbst besteht Handlungsbedarf vor allem bei den gesetzlich festgelegten Gesamt- Ausschreibungsmengen. Diese reichen nach heutigem Kenntnisstand bei Weitem nicht aus, sollen die langfristigen Energiewendeziele der Bundesregierung erreicht werden. Erst wenn diese Politikoptionen ausgeschöpft sind, sollte kritisch geprüft werden, ob eine weitergehende Regionalisierung noch zusätzliche Vorteile bringt. Dazu müsste auch gezeigt werden, warum es nicht ausreicht, bereits bestehende regionale Steuerungskomponenten im EEG (Netzausbaugebiet, Referenzertragsmodell) zu ertüchtigen.

Insgesamt betrachtet sollte klar sein, dass regionalisierte Ausschreibungen manche der zugrundeliegenden Koordinationsbedarfe gar nicht (z. B. Defizite bei der Flächenausweisung) oder nur sehr ungenau (z. B. Netzengpässe) adressieren können.

Literatur

[1] Vgl. Class, M.: Windausbau regional steuern. In: Tagesspiegel background, 26.09.2018, abrufbar unter: https://background.tagesspiegel.de/windausbau-regional-steuern/

[2] Vgl. o.V.: Regionale Steuerung einführen! Appell zur Einführung einer regionalen Steuerung gemäß Koalitionsvertrag der Bundesregierung im „Energiesammelgesetz“, 15. November 2018, abrufbar unter: http://www.juwi.de/fileadmin/user_uplo-ad/01_Downloads/Appell_regionale_Steuerung_mit_Logos_V1.pdf?utm_cam-paign=Background&utm_medium=Email&utm_source=Tagesspiegel_Newsletter

[3] Vgl. o.V.: Umweltminister gibt Windkraft-Ziel auf. 10 Prozent Windstrom laut Untersteller bis 2020 nicht mehr realistisch. In: Rhein-Necker-Zeitung, 13. Juni 2018, abrufbar unter: https://www.rnz.de/politik/suedwest_artikel,-umweltminister-gibt-windkraftziel- auf-10-prozent-windstrom-laut-untersteller-bis- 2020-nicht-mehr-re-_arid,365248.html

[4] Vgl. Faltin, T.: Neue Vergabekriterien im Erneuerbare- Energien-Gesetz. Windkraft-Ziele kaum noch erreichbar. In: Stuttgarter Nachrichten, 10. November 2017, abrufbar unter: https://www.stuttgarter-nachrichten.de/inhalt.neue-vergabekrtierien-im-erneuerbare-energien-gesetz-windkraft-ziele-sind-kaum-nocherreichbar.66108bf3-9234-4373-aefb-0c0d20ec500f.html

[5] Vgl. o.V.: Grünen-Landesministerin erneuert Forderung nach regionalisierten Ausschreibun-gen, abrufbar unter: https://www.erneuerbareenergien.de/archiv/gruenen-landesministerin-erneuert-forderung-nachregionalisierten-ausschreibungen-150-434-109360.html

[6] Vgl. Bundesrat: Entschließung des Bundesrates zum Erfordernis einer Regionalisierungskomponente für die Ausschreibung bei Wind an Land 511/15, Berlin, 29. Oktober 2015.

[7] Vgl. CDU/CSU/SPD: Ein neuer Aufbruch für Europa. Eine neue Dynamik für Deutschland. Ein neuer Zusammenhalt für unser Land. Koalitionsvertrag zwischen CDU, CSU und SPD. 19. Legislaturperiode. Berlin, 2018, S. 72.

[8] Vgl. Vereinbarung zum Energiesammelgesetz und zur Umsetzung des Beschlusses des Koalitionsausschusses am 8.10.2018, https://www.klimareporter.de/images/dokumente/2018/10/181030_Energiesammelgesetz_Kompromiss-Papier_final1262.pdf.

[9] Vgl. o.V. (siehe Fn. 2).

[10] Vgl. Gawel, E.; Amberg, M: Ausschreibungen im EEG – eine Auswertung der bisherigen Erfahrungen. Energiewirtschaftliche Tagesfragen Jg. 68 (2018), Heft 7/8, S. 24-30; Lieblang, L.A.: Ein Jahr danach: Erste empirische Ergebnisse der Ausschreibungen für Windenergie an Land gemäß EEG 2017. Zeitschrift für Energiewirtschaft Jg. 42 (2018), S. 315-328.

[11] Um Netzengpässe zu berücksichtigen, wurde zudem für die gemeinsamen Ausschreibungen für Wind und PV (§ 10 GemAV) eine auf Landkreisebene differenzierte Verteilnetzkomponente eingeführt.

[12] Vgl. Friedrichsen, N.; Hilpert, J.; Klobasa, M.; Marwitz, S.; Sailer, F.: Anforderungen der Integration der erneuerbaren Energien an die Netzentgeltregulierung – Vorschläge zur Weiterentwicklung des Netzentgeltsystems, Abschlussbericht im Auftrag des Umweltbundesamtes, Climate Change Nr. 34, Dessau-Roßlau: 2016; Korte, K.; Gawel, E.: Räumliche Koordination im liberalisierten Strommarkt: angemessene Anreize für die Einspeisung. Wirtschaftsdienst Jg. 98 (2018), Heft 1, S. 60-67.

[13] Vgl. Korte, K.; Gawel, E. (s. Fn. 12).

[14] Vgl. Schweizer, P.-J.; Renn, O.; Köck, W.; Bovet, J.; Benighaus, C.; Scheel, O.; Schröter, R.: Public participation for infrastructure planning in the context of the German “Energiewende”. Utilities Policy Jg. 43 (2016), S. 206-209; Lienhoop, N.: Acceptance of wind energy and the role of financial and procedural participation: An investigation with focus groups and choice experiments. Energy Policy Jg. 118 (2018), S. 97-105.

[15] Kartengrundlage: Verwaltungsgebiete 1:1.000.000 (VG1000) Stand: 01.01.2018 ©GeoBasis-DE / BKG 2018. Datenquellen: Eigene Darstellung auf Basis von
(1) DWD GMS, in: Service GM, Satzbeschreibung für digitale Weibulldaten (Skalen- und Formparameter); 2014. Offenbach,
(2) Masurowski F. Eine deutschlandweite Potenzialanalyse für die Onshore-Windenergie mittels GIS einschließlich der Bewertung von Siedlungsdistanzenänderungen [Dissertation]. Osnabrück; 2016,
(3) Leistungskennlinie für Ertragsberechnung durch Anlagenhersteller bereitgestellt und
(4) Referenzertrag für Nordex N131/3000, 134 m Nabenhöhe, FGW e.V. – Fördergesellschaft Windenergie und andere Dezentrale Energien, abrufbar unter: https://wind-fgw.de/wp-content/uploads/2018/06/neuer_Ref_Nordex.pdf 
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Prof. Dr. P. Lehmann, Juniorprofessor für Umwelt- und Energieökonomik und Leiter der BMBF-Nachwuchsforschungsgruppe MultiplEE an der Universität Leipzig sowie Mitarbeiter im Department Ökonomie, Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung – UFZ, Leipzig;

Prof. Dr. E. Gawel, Leiter des UFZ-Departments Ökonomie und Direktor des Instituts für Infrastruktur und Ressourcenmanagement der Universität Leipzig;

C. Geiger, J.-N. Meier und P. Tafarte, Mitarbeiter in der BMBF-Nachwuchsforschungsgruppe MultiplEE sowie im UFZ-Department Ökonomie;

K. Korte und F. Reutter, Mitarbeiter im UFZ-Department Ökonomie

lehmann@wifa.uni-leipzig.de

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