Samstag, 15. Dezember 2018
-   ZUKUNFTSFRAGEN

Energie-Abhängigkeit verharrt auf hohem Niveau

„et“-Redaktion

Erneuerbare Energien und Braunkohle sind die einzigen heimischen Energiequellen, die in Deutschland in größerem Umfang genutzt werden. Bei Mineralöl, Erdgas und Steinkohle beträgt der Importanteil derzeit mehr als 90 %. Wichtigster Energielieferant Deutschlands ist Russland.

Nach Angabe der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe wurden 2017 in Deutschland rund 70 % des Energiebedarfs durch Importe gedeckt (Abb. 1). 1990 hatte der Anteil noch bei 58 % gelegen. Der starke Anstieg der Importabhängigkeit steht zum einen im Zusammenhang mit dem starken Rückgang der Braunkohlenförderung in den neuen Bundesländern nach der Wiedervereinigung, zum anderen mit dem kontinuierlichen Rückgang des heimischen Steinkohlenbergbaus an der Ruhr und an der Saar. Zudem ist die vorwiegend auf Norddeutschland beschränkte Öl- und Gasförderung rückläufig, da auf den Einsatz von unkonventionellen Gewinnungsmethoden wie das Fracking aus ökologischen Gründen in Deutschland verzichtet wird.


Abb. 1 Anteil der Inlandsförderung am Primärenergieverbrauch
Deutschland 2000 und 2017*

Vor der Wiedervereinigung sicherte in der früheren DDR die Braunkohle als einzige heimische Energiequelle die Energieversorgung. 1989 wurden in der DDR rund 70 % des gesamten Primärenergiebedarfs durch Braunkohle gedeckt. Mit der Wiedervereinigung wurde der kohlenbasierte Energiemix zügig diversifiziert und die Produktion von Braunkohle um drei Viertel reduziert. 


In Westdeutschland sorgte das Auslaufen des 3. Verstromungsgesetzes sowie der Anstieg der förderbezogenen Subventionen infolge niedriger Weltmarktpreise zu einem deutlichen Rückgang der inländischen Steinkohleförderung. Ende 2018 läuft die Steinkohleförderung in Deutschland aus und der inländische Bedarf wird gänzlich durch Einfuhren gedeckt.

Damit verbleibt künftig die Braunkohle als einziger versorgungssicherer heimischer Energieträger in der deutschen Energiebilanz. Die Gewinnung erfolgt weiterhin subventionsfrei und der Einsatz in Kraftwerken trägt maßgeblich zu wettbewerbsfähigen Strompreisen in Deutschland bei. Zudem kann Braunkohle stofflich verwertet werden und ist damit eine strategische Rohstoffoption für Chemie, Petrochemie oder den Verkehr.

Eine zunehmende Bedeutung kommt den erneuerbaren Energien in der heimischen Energiegewinnung zu. Ihr Anteil an der gesamten heimischen Energiegewinnung stieg von 3 % im Jahre 1990 auf 45 % 2017. Im Unterschied zur heimischen Braunkohle steht die regenerativ gewonnene Energie – sofern es sich um Strom aus Sonne, Wind oder Wasser handelt – nicht immer bedarfsgerecht zur Verfügung, sondern ist im Wesentlichen abhängig von Wetter und Tageszeit. 

Das Aufkommen an Kernenergie wird in der Energiebilanz für Deutschland traditionell vollständig unter Einfuhr erfasst. Gleichwohl könnte der Kernenergie angesichts der in Deutschland vorgehaltenen Brennstoffvorräte mit mehrjähriger Reichweite und eines hohen inländischen Wertschöpfungsanteils unter dem Gesichtspunkt der Versorgungssicherheit der gleiche Stellenwert beigemessen werden wie heimischen Energien. Bis 2023 läuft die Kernenergienutzung in Deutschland aus.

Deutschland kann zwar einen erheblichen Teil seiner Energieimporte aus den EU-Staaten Großbritannien und Niederlande sowie aus Norwegen decken, wichtigstes Lieferland ist aber mit großem Abstand Russland (Abb. 2). Die Lieferungen umfassen nicht nur Erdgas, sondern in erheblichem Umfang auch Mineralöl und Steinkohle. Insgesamt ist die deutsche Energieversorgung zu rund einem Fünftel von Lieferungen aus Russland abhängig.

Fazit

Angesichts des Ausstiegs aus der Kernenergie, des Auslaufens der inländischen Steinkohlenförderung sowie Forderungen nach einem schnellen Ende der Kohlenutzung in Deutschland wird der bisherige breite Energiemix deutlich verengt. Bei Mineralöl, Erdgas und Steinkohle ist Deutschland bereits heute weitgehend von Importen abhängig, bei denen Russland eine dominierende Stellung einnimmt. Perspektivisch verengt sich die heimische Energiegewinnung auf die Nutzung der überwiegend witterungsabhängigen regenerativen Energien. Die Sicherheit der deutschen Energieversorgung ist damit auf dem Weg zu einem sehr niedrigen Niveau.

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