Donnerstag, 27. April 2017
-   ZUKUNFTSFRAGEN

Franz-Josef Radermacher

Ohne die Erschließung eines Zeitgewinns ist das 2°C-Ziel der internationalen Klimapolitik in konsensfähiger Weise wohl nicht mehr erreichbar, und zwar insbesondere wegen der prioritären Wachstums- und Wohlstandsziele der Staaten wie auch der Menschen. Im Kern geht es nun zum einen darum, die Lücke zwischen einem Klimavertrag vom Kopenhagen/Cancún-Typ und dem striktesten, aber noch wachstumsverträglichen Cap für globale CO2-Emissionen („Verhandlungslücke“) zu schließen; zum anderen jene zwischen dem striktesten, aber noch wachstumsverträglichen Cap und dem Cap, das erforderlich ist, um das 2°C-Ziel noch zu erreichen („Sequestrierungslücke“). Ein Vorschlag für ein neues Klimaregime nimmt genau dies in Angriff und setzt dabei vor allem auf Waldschutz, Wiederaufforstung sowie Landwirtschaft und Humusbildung. Der Vorschlag eröffnet interessierten Organisationen, Unternehmen und Individuen Klimaneutralität und schafft damit in diesem Kontext einen wichtigen Hebel für den Kampf gegen den Klimawandel.

Im politischen Europa wird die Frage intensiv diskutiert, ob die zurzeit niedrigen CO2-Preise ein falsches umweltpolitisches Signal senden. behauptet wird, dass diese keinen Anreiz gäben, in CO2-sparende Technologien zu investieren. Eine häufig vertretene Ansicht ist, dass nur ein hoher CO2-Preis die gewünschte Lenkungswirkung entfalten könne. Diese Debatte geht jedoch an der Funktionsweise des Emissionshandels vorbei.

Die Speicherung überschüssigen EE-Stroms durch synthetisches Methan

Vladimir von Schnurbein

Deutschland plant, seine Stromversorgung in den kommenden Jahren zu immer größeren Teilen auf erneuerbare Energien (EE) zu stützen, vorwiegend werden Windenergie und Photovoltaik zum Zug kommen. Da die EE-Stromproduktion aber wetterabhängig und folglich nicht zu steuern ist, wird das Funktionieren eines regenerativ geprägten Stromsystems an der Frage entschieden, wie Überschuss- und Defizitphasen überbrückt werden können. Das geht nur durch großvolumige, saisonale Speicher. Die Speicherung überschüssigen EE-Stroms durch synthetisches Methan (Synthetic Natural Gas, SNG) bietet hierfür einen Lösungsansatz: Der EE-Strom soll nach Umwandlung in SNG im Erdgasnetz gespeichert, bei Bedarf in Gaskraftwerken verstromt und in das Stromnetz eingespeist werden. Was theoretisch wie eine ideale Problemlösung klingt, soll im Folgenden auf seine Praxistauglichkeit hin analysiert werden.

Die Ausgestaltung der Energieversorgung wird zunehmend zu einem europäischen Thema. Auch wenn die Energiepolitik noch in den Händen der Mitgliedstaaten der Europäischen Union liegt, schafft das immer stärkere Zusammenwachsen der Energiemärkte über Grenzen hinweg Fakten, die sich nicht für immer ignorieren lassen. Bereits jetzt sind die Versorgungslandschaften der einzelnen Länder soweit miteinander verzahnt, dass Änderungen im Energiemix eines Landes spürbare Auswirkungen auf seine Nachbarn haben. Wie also sieht der Weg in eine sichere Energiezukunft aus? „et“ sprach mit Dr. Christian Ehler, Mitglied des Europaparlaments, über die Folgen der Energiewende, einen europäischen Konsens für die Förderung der erneuerbaren Energien und die Notwendigkeit eines gemeinsamen Energiebinnenmarktes.

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Inhalt der Ausgabe 4/2017
Schwerpunkt: Zukunftsfragen
Energieeffizienz: Zukunftsfähigkeit von Heizsystemen
Zukunftsfragen: Energiewende und Klimaschutz; Zahlungsbereitschaft für grünen Strom
Energiespeicher: Wo ist der „Market Pull“ für Batteriespeicher?
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