Montag, 10. Dezember 2018
-   ZUKUNFTSFRAGEN

Thilo Schaefer
Bild: Fotolia | luzitanija

Ein forcierter Ausstieg aus der Braunkohleverstromung in Deutschland beschleunigt den ohnehin laufenden Strukturwandel. Neu beschlossene nationale Klimaschutzziele und sektorale Emissionsminderungspfade verändern die politisch gesetzten Rahmenbedingungen für die Braunkohleförderung und -verstromung. Diese Entwicklung erhöht die Anforderungen an die Gestaltung und den zeitlichen Ablauf des Strukturwandels erheblich. Dabei steigt die Gefahr, dass es zu Strukturbrüchen kommt, enorm – mit erheblichen negativen Folgen für Bruttowertschöpfung und Arbeitsplätze.


Interview mit Marc Oliver Bettzüge


In der Klimapolitik gibt es eine klare europäische Aufteilung zwischen den Emissionen, die dem EU-Emissionshandel (ETS) unterliegen – Energiewirtschaft und Industrie – sowie dem Nicht-Emissionshandelsbereich (Non ETS) – Haushalte, Verkehr, Gewerbe. Dieser Vorgabe folgt Deutschland nicht, und setzt eher auf nationale Alleingänge wie den Kohleausstieg. Zu dieser Problematik und darüber hinaus befragte „et“ Prof. Dr. Marc Oliver Bettzüge, Energieökonom an der Universität zu Köln.
Optimale Bedingungen – keine Höchstleistung

„et“-Redaktion


Deutschlands Strom wird aktuell zu beinahe 62 % durch fossile und nukleare Kraftwerke bereitgestellt. Die große Transformation in Richtung Erneuerbare steht noch aus. Doch mit der bevorstehenden Vollendung des Kernenergieausstiegs und dem drohenden Kohleausstieg könnte sie schlagartig kommen. Photovoltaik – zusammen mit Windenenergieanlagen werden dann maßgeblich den Strombedarf decken müssen. Sind sie dazu bereit?

Knut Kübler

Bild: Fotolia | peshkov

Der Koalitionsvertrag zwischen CDU, CSU und SPD vom 7.2.2018 versucht, eine Generalbotschaft zu vermitteln: Ein „Weiter so“ soll es nicht geben. Ob das auch für die Energiepolitik gilt, ist nicht ganz klar. Auf dem Gebiet der Kohleverstromung wird vieles von den Empfehlungen der von der Bundesregierung eingesetzten Kommission „Wachstum, Strukturwandel und Beschäftigung“ abhängen. Vielleicht erkennt die Kommission bei den Beratungen aber auch, dass die Gesamtkonstruktion einer auf dem Energiekonzept 2010 basierenden Politik überholt ist. Eine solche Botschaft wäre vor allem für junge Politiker ein Anreiz, sich an der Energiedebatte zu beteiligen und neue, zeitgemäße Rahmendaten für die Energiezukunft in Deutschland und Europa zu entwickeln.
Zur aktuellen Kohleausstiegsdebatte: Den Markt in den Dienst des Klimaschutzes stellen

Dietmar Lindenberger

Ein in Deutschland forcierter Kohleausstieg führt im europäischen Strommarkt kaum zur Minderung von CO2-Emissionen, sondern wegen des grenzüberschreitenden Erzeugerwettbewerbs zur Verlagerung von Stromerzeugung und Emissionen in unsere Nachbarländer. Angesichts des anstehenden Vollzugs des Kernenergieausstiegs und erheblicher altersbedingt anstehender Stilllegungen von Kohle- und Gaskraftwerken führt eine Forcierung des – infolge des Erneuerbaren-Ausbaus langfristig ohnehin stattfindenden – Kohleausstiegs zur Verschärfung der in den 2020er Jahren absehbar entstehenden Knappheit an gesichert verfügbarer Kraftwerkskapazität. Anstatt den Kohleausstieg noch zu beschleunigen, wäre es sinnvoller, die strukturellen Probleme der deutschen Klimaziele aufzulösen. Klimaschutz sollte nicht länger gegen den Markt betrieben werden, sondern der Markt sollte in den Dienst des Klimaschutzes gestellt werden.

Bild: Fotolia | Pixelot

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